https://www.faz.net/-gzg-x3a2

Im Gespräch: Edwin Schwarz : „Wer die Idylle des Knüllwaldes haben will, muss dort hinziehen“

  • Aktualisiert am

Eines steht aber fest: Wer die Idylle des Westerwalds haben will oder des Knüllwaldes, muss dort hinziehen. Eines geht nicht: auf der Zeil zu wohnen, mitten im Grünen, absolute Ruhe und dann noch preiswert. Wer in der Großstadt lebt, muss auch Belastungen der Großstadt hinnehmen. Er hat ja auch Vorteile wie die umweltschonende Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Infrastruktureinrichtungen.

Dennoch: Wird Frankfurt künftig am Rand wachsen oder nur noch auf noch freien oder wieder freien Flächen im Inneren?

Wir sind eine Kernstadt im Verdichtungsgebiet. Wir müssen Freiräume erhalten wie etwa den Grüngürtel, auch aus klimatologischen Gründen. Die Binnenentwicklung ist deshalb für uns zentral. Aber wir haben derzeit noch genug Potential am Rande wie auf dem Riedberg. Es dauert noch Jahre, bis dort alles besiedelt ist.

Gibt es den Trend „Rückzug in die Stadt“ tatsächlich, oder handelt es sich nur um eine Chimäre?

Ja, es gibt diesen Wunsch „zurück in die Stadt“, das belegt übrigens auch eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik. Wer Wohnungen in den innenstadtnahen Quartieren anbietet – also am Main vom Ostend bis zum Westhafen, im Bahnhofsviertel, innerhalb des Gründerzeitgürtels um die Innenstadt oder in der Innenstadt selbst –, braucht oft keinen Makler, um sie an den Mann oder die Frau zu bringen.

Suchen diese Menschen aber nicht andere, urbanere Flächen als den dezentral gelegenen Riedberg?

Ich mache mich nicht anheischig zu wissen, welchen Wunsch die Menschen haben und wie sie wohnen wollen. Renovierte Altbauten in der Innenstadt sind da, aber mehr gibt es halt nicht. Der Vorteil des Riedbergs, gerade für Menschen mit Kindern, ist doch: Da bin ich ruck, zuck am Taunus, ruck, zuck dank guter Verkehrsanbindung in der Stadt. Und dann gibt’s welche, die sagen: Ich will eine tolle Wohnung mit Aufzug in der Innenstadt, und für die schaffen wir Baurecht für Wohnhochhäuser. Auch an der Gutleutstraße werden wir, sofern gewünscht, Baurecht schaffen für verdichteten Wohnungsbau. Die Mainfront wollen wir aber von Wohnhochhäusern freihalten.

Wo liegt der Unterschied, ob ich an den Riedberg ziehe oder nach Dortelweil-West? Nur im Preis? Können Frankfurts Neubaugebiete am Rand der Stadt überhaupt mit dem billigen Umland konkurrieren?

Natürlich. Es gibt viele Menschen, die ebendie Adresse Frankfurt haben möchten. Außerhalb der Stadtgrenze haben sie häufig eine unzureichende U- oder S-Bahn-Anbindung. Die ganze Infrastruktur fehlt, das gute schulische Angebot und vieles mehr. Aber mit den Preisen für Grund und Boden können wir in der Tat nicht mithalten.

So brillant ist das Angebot in den Neubaugebieten aber anfangs auch nicht. Sie hatten sich doch vorgenommen, zunächst Schulen einzurichten.

Haben wir auch gemacht, am Riedberg gibt es schon zwei Kindergärten und eine Grundschule.

Das Gebiet an der Friedberger Warte ist unterversorgt mit Kindergärten, am Rebstockpark gibt es noch keinen Supermarkt.

Das hat aber andere Gründe. Wir haben am Riedberg eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme und alles vorfinanziert. Die Kindergärten und die Grundschule sind da. Das muss parallel gehen, bei früheren Entwicklungsmaßnahmen lief es stark zeitversetzt ab. Aber das kostet die Stadt auch viel Geld. Erst später bekommen wir die Kosten aus dem Verkauf der Wohnungen und Häuser wieder rein.

Weitere Themen

Topmeldungen

Schulen und Kindergarten virenfrei? Kurz vor Pfingsten wurden in einem Kindergarten in Athen die Lockerungsmaßnahmen aus dem Lockdown vorbereitet.

Verbesserte Drosten-Studie : Kein bisschen Rückzieher

Es darf weiter gestritten werden, ob Kinder so ansteckend sind wie Erwachsene. Eins haben die gescholtenen Charité-Forscher um Christian Drosten mit ihrer umgearbeiteten Viruslast-Studie gezeigt: Gute Kritik ist die beste Medizin.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.