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Im Gespräch: Der designierte Stadtdekan Johannes zu Eltz : „Ich hänge der Lehre der Kirche an“

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Im Sommer wurde Stadtdekan Raban Tilmann verabschiedet (Bild). Sein designierter Nachfolger Johannes zu Eltz äußert sich im Interview zu Mission, Orthodoxie und anstehenden Veränderungen Bild: Michael Kretzer

Die Stadtkirche bekommt eine neue Führung: Johannes zu Eltz soll Nachfolger von Raban Tilmann werden. Im Interview äußert sich Eltz über Mission, Orthodoxie und anstehende Veränderungen.

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          Die Stadtkirche bekommt eine neue Führung: Johannes zu Eltz soll Nachfolger von Raban Tilmann werden. Im Interview äußert sich Eltz über Mission, Orthodoxie und anstehende Veränderungen.

          Welche Impulse kann die Stadtkirche von Ihnen erwarten?

          Ich bin kein Vorstandsvorsitzender, der Geschäftsziele definieren muss, oder ein Politiker mit einem Wahlprogramm, sondern ein Hirte. Ich komme also ohne ein Konzept, unbefangen. Weil ich allerdings nicht nur Stadtdekan, sondern auch Pfarrer von drei Pfarreien werden soll, wird es Veränderungen geben müssen, sprich mehr Zusammenführungen. Ich kann kein Pfarrer alten Stils sein, und ich bitte die Gläubigen, das auch nicht von mir zu erwarten. Zunächst einmal wird mich der Personaldezernent dem Stadtsynodalrat und anderen Gremien vorstellen und deren Meinung zur Ernennungsabsicht des Bischofs hören.

          Empfinden Sie sich auch als eine Art Stadtmissionar?

          Die Kirche im Ganzen muss missionarischer werden. Das werde ich nicht allein machen können, und ich will das auch nicht. Gleichwohl bin ich nicht menschenscheu, und Frankfurt ist für mich auch in missionarischer Hinsicht eine große Herausforderung.

          Sie gelten gemeinhin als „konservativ“. Was verbinden Sie denn mit diesem Begriff?

          Ich habe schon lange aufgehört, mir über Fremdzuschreibungen Gedanken zu machen oder sie zu interpretieren. Ich selbst verstehe mich insofern als konservativ, als dass ich die orthodoxe Lehre der Kirche interessant finde und ihr anhänge. Allein mit ihr können wir auch missionarisch tätig sein. Aber ich bin alles andere als strukturkonservativ. Oder, um ein anderes Wortpaar zu nehmen: Ich bin altkonservativ, nicht neokonservativ. Veränderungen in großen Organisationen lassen sich übrigens am besten vornehmen, wenn Konservative an deren Spitze stehen.

          Vor drei Jahren hatten Sie den Wanderprediger Alan Ames in den Kaiserdom eingeladen. Der Gottesdienst mit intensiven Heilungsgebeten und -gesten ist teils auf harten Protest und auf Unverständnis gestoßen. Würden Sie ihn wieder einladen?

          Sicher, zur richtigen Zeit, an der richtigen Stelle und mit der richtigen Vorbereitung. Für Alan Ames verbürgt sich dessen Bischof. Außerdem ist mir daran gelegen, dass Menschen auch jenseits von Pfarreien intensive Erfahrungen mit dem Glauben machen können. Das bedeutet für mich die katholisch-charismatische Bewegung, mit der ich mich verbunden fühle, solange sie nicht verrückt wird. Für mich gilt der Satz des bedeutenden Theologen Karl Rahner, dass der Christ von morgen ein Mystiker sein wird, soll das Christentum überhaupt noch eine Chance haben.

          Es heißt, Sie wären gern Stadtdekan in Wiesbaden geblieben. Musste der Bischof Sie von dem Wechsel überzeugen?

          Ich soll erst im August 2010, zum Bartholomäusfest, nach Frankfurt kommen. Das ist ein guter Tag für meine Amtseinführung. Der Bischof ist mir damit sehr entgegengekommen. Er gibt mir nämlich genügend Zeit, die pastoralen Pilotprojekte, für die ich in Wiesbaden verantwortlich bin, zu festigen. So kann ich auch meine Wiesbadener Erfahrungen bei Fusionen von Gemeinden und der Fürsorge für die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirche nach Frankfurt mitbringen und nutzen. Außerdem ist der kommissarische Stadtdekan Michael Metzler ein erfahrener und geschätzter Mitbruder, der die Frankfurter Kirche bis dahin gut führen wird.

          Wenn Sie dann in Frankfurt sind – wem möchten Sie Ihren ersten Antrittsbesuch abstatten?

          Zuerst werde ich vom Dompfarrhaus zur Muttergottes in die Leonhardskirche gehen, bevor sie geschlossen wird. Von Maria erbitte ich Schutz und Hilfe für die neue Aufgabe. Welchen Amtsträgern in Kirche und Politik ich dann noch Antrittsbesuche machen werde, wird sich zeigen.

          Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

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