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Im Gespräch: Claus Theo Gärtner : „Matula ist mit mir älter geworden“

  • -Aktualisiert am

„Eine fatale Entscheidung”: „Matula” im „Fall für Zwei” am 18. April Bild: obs/ZDF

Seit 27 Jahren spielt Claus Theo Gärtner den Privatdetektiv Josef Matula in „Ein Fall für zwei“. Am Samstag wird Gärtner 65, aber ein Dasein als Rentner käme für ihn nicht in Frage. „Für Leute, die im Bergwerk gearbeitet haben, ist die Rente sicherlich das Richtige, aber nicht für mich.“

          Seit 27 Jahren spielt Claus Theo Gärtner den Privatdetektiv Josef Matula in der Erfolgs-Serie „Ein Fall für zwei“. An diesem Samstag wird Gärtner 65, aber ein Dasein als Rentner käme für ihn nicht in Frage, wie er im folgenden Interview sagt.

          Herr Gärtner, werden Sie eigentlich ungehalten, wenn man Sie als Herrn Matula anspricht?

          Nö. Die Leute wollen damit zu erkennen geben, dass Sie mich richtig einordnen. Nur wenn es jemand ganz penetrant macht, dann sage ich ihm: Hören Sie, den Matula spiele ich, der bin ich nicht.

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          Wieviel Prozent Matula ist in Claus Theo Gärtner?

          Ich glaube, doch eine ganze Menge. Da war mal ein Blatt Papier, darauf stand: Ein Polizist wird Privatdetektiv. Und diese Rolle habe ich dann entwickelt. Und Matula hat sich mit mir ja auch geändert, er ist mit mir älter geworden. Er ist jetzt weniger ruppig, er ist philosophischer geworden.

          Die Reaktion der Menschen auf Sie – in der Kneipe, beim Einkaufen – ist überwiegend positiv?

          Ja, das muss ich sagen. Vor allem im Ausland, in Italien, in Frankreich, die lieben ja ihre Schauspieler. Aber auch, wenn ich in Deutschland angesprochen werde, empfinde ich das als angenehm – das ist wie der Applaus, den man sonst im Theater bekommt.

          Sie sind ja im deutschen Fernsehen so etwas wie ein Rekordhalter.

          Nein, das ist Derrick, der hatte es auf 281 Folgen gebracht.

          Und Sie?

          258. Seit 1981.

          Schaffen Sie den Rekord noch?

          Schon möglich, das wären noch gut zwei Jahre.

          27 Jahre lang dieselbe Rolle – haben Sie da überhaupt noch Lust auf neue Drehbücher?

          Oh ja, ich bin immer wieder auf den Plot gespannt und wie Matula den Fall angehen wird.

          Reden Sie mit bei den Drehbüchern?

          Wir haben ja immer wieder andere Autoren, die auch aus anderen Landstrichen stammen. Und da achten wir schon darauf, dass Matula nicht plötzlich anders spricht als in den vorherigen Folgen, die Figur muss sich treu bleiben.

          Viele Schauspieler, die wie Sie auf eine Rolle festgelegt sind, träumen ja davon, den Hamlet zu spielen.

          Na, das hatte ich ja schon in meinen frühen Jahren. Aber wenn irgendwann mit „Ein Fall für zwei“ Schluss ist, dann würde ich gern – alte Liebe rostet nicht – Theater spielen, Angebote gibt es schon, aber auch Regie führen und hin und wieder mal einen Film machen. Oder auf dem „Traumschiff“ einen Heiratsschwindler spielen. Und nicht nur immer in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet spielen. Aber zuerst würde ich mal eine große Reise machen.

          Wie früh erwachte in Ihnen der Wunsch, Schauspieler zu werden?

          Das war schon, ehe ich den Begriff kannte. Ich habe als kleiner Junge daheim die katholische Messe nachgespielt. Vorne ein Handtuch, hinten ein Handtuch – und wehe, einer sprach! Oder ich machte in der Küche einen Marktschreier nach, stundenlang. Und dann habe ich mit zwei Freunden „Olga, das Wunder-Zebra“ gespielt: einer vorne, einer hinten, und einer war der Dompteur. Wenn meine Eltern mir einen Auftritt verboten, habe ich mich vom Balkon abgeseilt.

          Sie werden am Samstag 65, da gehen die meisten Menschen in Rente. Davon träumen Sie nicht?

          Nee. Für Leute, die im Bergwerk gearbeitet haben, ist die Rente sicherlich das Richtige, aber nicht für mich.

          Sie drehen zehn Folgen von „Ein Fall für zwei“ pro Jahr. Wie oft können Sie da Urlaub machen?

          Im Winter und im August ist je ein Monat Urlaub und sonst zwischen den Folgen fünf, sechs Tage. Die Winterpause nutze ich meist zur Vorbereitung der Folgen, in denen ich selbst Regie führe.

          Als Privatdetektiv Matula spielen Sie mittlerweile an der Seite des vierten Anwalts. Welcher war Ihnen der liebste?

          Das kann ich nicht sagen. Den Günter Strack habe ich bewundert, den kannte ich noch als Schauspieler aus Hannover, als ich noch an der Schauspielschule war, ich habe später mit ihm Tourneen gemacht. Rainer Hunold war ganz anders, ein Intelektueller, und für mich so etwas wie ein Bruder. Der Mathias Herrmann und der Paul Frielinghaus waren und sind richtige Freunde. Und weil das alles intelligente Leute waren und sind, gab es da auch keine Probleme.

          Kein ernsthafter Streit?

          Niemals.

          Sind Sie verträglich?

          Harmoniesüchtig.

          Sie sind rund 40 Mal zusammengeschlagen worden, haben acht Entführungen überlebt und sind zehn Mal lebensgefährlich bedroht worden. Wie oft springt da ein Stuntman für Sie ein?

          Zerrungen und Prellungen bleiben in so einer Rolle nicht aus, aber meist helfen Stuntmänner. Schon wegen der Versicherung.

          Eine Versicherung für Sie?

          Nein, eine Ausfallversicherung für die Produktionsfirma Odeon. Denn wenn ich ausfalle, müssen ja die anderen Schaupieler und der Regisseur und so weiter bezahlt werden.

          Sind Sie eigentlich wohlhabend?

          Nein, aber ich kann mich nicht beklagen.

          Sie würden nicht verraten, was Sie für eine Folge bekommen?

          Das darf ich nicht.

          Bekommen Sie Wiederholungshonorare?

          Ja.

          Sie sind unglaublich schlank. Wie machen Sie das?

          Die Gene. Meine Mutter ist 86 und fit. Und ich hab mein Leben lang viel Sport getrieben. Im Februar war ich vier Wochen tauchen in Thailand, das zehrt.

          Stand nicht neulich in den bunten Blättern, dass Sie bald heiraten wollen?

          Ich habe nur gesagt, dass das nach fünfeinhalb Jahren nicht mehr auszuschließen ist.

          Wie alt ist Ihre Partnerin?

          28.

          Aber hallo.

          Also, der Altersunterschied ist jetzt auch nicht viel größer, als wenn Helmut Kohl seine Freundin heiratet.

          Ist das Alter in einer solchen Partnerschaft überhaupt ein Problem?

          Man muss schon ein paar Kompromisse machen. Meine Partnerin hat natürlich einen anderen Freundes- und Bekanntenkreis als ich. Und wo sie Tempo macht, nehme ich ein bisschen Tempo raus. Aber es macht unheimlich Spaß, und es hält einen auch jung.

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