https://www.faz.net/-gzg-10oez

Im Gespräch: Architekt Christoph Mäckler : „Stadtgestaltung kann nicht nach Moden gehen“

Mag weder „Leuchtturmprojekte” noch „Klamaukarchitektur”: Christoph Mäckler Bild: Felix Seuffert

Christoph Mäckler vermisst das Geschichtsbewusstsein im Städtebau. In Frankfurt fehle ein Stadtbaumeister, der öffentliche Räume in Ordnung bringe, wie er im Interview bemängelt. Der Platz vor dem Hauptbahnhof etwa hat ein „riesiges Verkehrsproblem“, wie er im Interview meint.

          Christoph Mäckler vermisst das Geschichtsbewusstsein im Städtebau. In Frankfurt fehle ein Stadtbaumeister, der öffentliche Räume wie den Bahnhofsvorplatz in Ordnung bringe. Der Architekt hat ein Institut für Stadtbaukunst gegründet, um Straßen und Plätzen wieder eine ansprechende Gestalt zu geben. Zu seinen bekanntesten Gebäuden zählen der Opernturm, die Kunsthalle Portikus und die rekonstruierte Alte Stadtbibliothek. Im folgenden Interview der Rhein-Main-Zeitung nimmt Mäckler zur Gestaltung von Plätzen in Frankfurt Stellung und etwa zur Frage, ob die Stadt mehr Einfluss auf die Architektur nehmen solle.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ist Frankfurt in den vergangenen zehn Jahren schöner geworden?

          Ich glaube, dass sich die Stadt in den letzten zwanzig Jahren sehr entwickelt hat. Ich denke dabei vor allem an das Mainufer, das als gesamtstädtebauliches Ensemble mit den Museen, der Anlage neuer Wohngebiete und in den letzten Jahren durch die behutsame Sanierung der Mainufer selbst ein attraktiver städtischer Raum geworden ist, den Sie in keiner deutschen Stadt ein zweites Mal finden. Es gibt allerdings andere Stellen wie zum Beispiel den Bahnhofsplatz, die sich seit Jahrzehnten überhaupt nicht entwickelt haben. In Frankfurt wie in anderen deutschen Städten mangelt es an dem klassischen Stadtbaumeister, der unsere wunderbaren Platzräume aufgreift und in Ordnung bringt. Man braucht nicht für jeden Platz einen Architektenwettbewerb, sondern kann wunderbar auf das zurückgreifen, was einmal gewesen ist.

          Der Frankfurter Hauptbahnhofsplatz hat laut Mäckler ein riesiges Verkehrsproblem

          Wäre dieser Stadtbaumeister eine Art moderner Ernst May?

          Ernst May hatte bis hin zur Feuerwehr alles unter seiner Regie und konnte damit die unglaubliche Baumasse des Siedlungsbaus der zwanziger Jahre verwirklichen. Ein Stadtbaumeister braucht einfach viel Kompetenz und Entscheidungsfreiheit. Es kann nicht sein, dass ein Planungsdezernent Entscheidungen trifft, die dann in anderen Gremien wieder verwässert oder gar rückgängig gemacht werden. Der Bahnhofsplatz war einmal einer der schönsten Plätze der Stadt.

          Was fehlt dazu, dass er dies wieder wird?

          Der Bahnhofsplatz hat zunächst ein riesiges Verkehrsproblem. Es gibt zu viele Fahrspuren und keine vernünftige Umsteigesituation vom Individualverkehr auf die Schiene. Sie können nicht vor dem Bahnhof halten, um jemanden abzuholen, sondern müssen abenteuerliche Wege fahren, um Ihr Auto abzustellen. Außerdem ist der ursprüngliche Ensemblecharakter des Platzes kaum noch zu erkennen. Die Fassadenkulisse, die gegenüber dem Hauptbahnhofsportal aufgebaut worden ist und von der wir noch einige Häuser haben, reagiert auf dieses neue Tor zur Stadt. Sämtliche Häuser waren aus gelbem Sandstein. Das war einmal ein repräsentativer, wunderbarer Platz. Der muss wiederhergestellt werden.

          Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden?

          Der Platz sollte seinen ursprünglichen großstädtischen Charakter wieder erhalten. Nehmen wir den alten Platz, so wie er war, nämlich ein repräsentativer Umsteigeplatz, und versuchen, darauf aufbauend, das Verkehrssystem wieder in Ordnung zu bringen. Zwei Fahrspuren direkt vor dem Hauptbahnhof sind so gut wie immer ohne Verkehr. Der Taxihalteplatz beansprucht zu viel Raum und sollte wie am Flughafen eine Aufstellfläche an einer weniger wichtigen Stelle erhalten. Dann muss die grauenhafte B-Ebene eliminiert werden. Man sollte einmal überlegen, ob man nicht den ganzen Durchgangsverkehr in die B-Ebene verlegt mit überbauten Ausfahrten in der Düsseldorfer Straße und am Baseler Platz. Dann erhielte man auf dem Platz die nötige Fläche, um die Umsteigesituation bewältigen zu können.

          In der Innenstadt wurde die Umgestaltung von Goetheplatz, Roßmarkt und Zeil über Wettbewerbe entschieden. Wie gefällt Ihnen das Ergebnis?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.