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Interview : „Ich gehe als begeisterter Frankfurter“

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„Ich habe ganze Wände voller Bücher” - Horst Hemzal wird künftig mehr Zeit zum Lesen haben Bild: F.A.Z. - Nedden

Nach fast 30 Jahren in der Stadtpolitik geht Frankfurts Kämmerer Horst Hemzal in den Ruhestand. Im Gespräch mit dieser Zeitung lässt der gelernte Bibliothekar seine Jahre im Römer Revue passieren.

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          Nach fast 30 Jahren in der Stadtpolitik geht Frankfurts Kämmerer Horst Hemzal in den Ruhestand. Im Gespräch mit dieser Zeitung lässt der gelernte Bibliothekar seine Jahre im Römer Revue passieren und äußert sich auch zu Zukunftsplänen.

          Sie nehmen nach fast 30 Jahren in führenden Positionen Abschied von der Frankfurter Politik. Was werden Sie am meisten vermissen?

          Ich nehme nicht Abschied von der Politik, sondern Abschied von politischen Funktionen.

          Was heißt das?

          Ich war stets politisch engagiert. Ich würde mich als einen politischen Menschen bezeichnen, der auch, wenn er aus offiziellen Positionen ausscheidet, an der Politik weiter Interesse haben wird.

          Wird es Ihnen nicht fehlen, eingreifen zu können, wenn die Mehrheit im Römer das Geld mit vollen Händen ausgibt – ohne Ihre Zustimmung?

          Ich gehe davon aus, dass das nicht passiert. Die verantwortlichen Politiker können sehr gut einschätzen, wie die Haushaltslage ist. Einem temporären Hoch folgt wieder ein temporäres Tief. Diese Erfahrung haben wir gemacht. Natürlich besteht die Gefahr, dass man sich, wenn die Kassen einigermaßen gut gefüllt sind, gerne verschiedene Wünsche erfüllt. Hier ist Vorsicht am Platze. Aber ich gehe davon aus, dass mein Nachfolger das genauso sieht.

          Ist Ihre Hoffnung auf maßvollen Umgang auch eine Folge Ihrer Sparappelle in den vergangenen vier Jahren?

          Ich glaube, es sind nicht so sehr meine Sparappelle. Es ist schlicht und einfach die Einsicht in die realen Dinge: Das Geld war nicht vorhanden, so waren wir gezwungen zu sparen.

          Was freut Sie am jetzigen Etat 2007 stärker, die Einnahmenseite oder die Ausgabenseite?

          Mich freut natürlich stärker die Einnahmenseite. Dass wir jetzt mehr Geld ausgeben, um den Sanierungsstau bei Straßen und öffentlichen Gebäuden abzubauen, ist wirtschaftlich vernünftig. Gebäude und Straßen, die man zu stark verfallen lässt, sind danach nur mit sehr viel höherem Aufwand wieder herzurichten. Die Sanierung geschieht ja nicht im Übermaß, sondern nach jährlichen Raten, die leistbar sind. Etwas anderes ist es, wenn wir im Verwaltungshaushalt erheblich höhere Personalkosten ausweisen, denn diese werden uns dauerhaft begleiten. Aber das hängt damit zusammen, dass wir Kindergärten, Kindertagesstätten schwerpunktmäßig fördern und damit die Familien stärker unterstützen wollen.

          Die Einnahmen werden nicht so bleiben. Was muss bei den Ausgaben passieren?

          Ausgabendisziplin ist in jedem Haushaltsjahr geboten. In der Tat müssen wir für die Zukunft Vorsichtsmaßnahmen treffen. Wir sind noch weit davon entfernt, eine Rücklage aufbauen zu können; wir sind immer noch dabei, unsere Schulden abzutragen, obwohl ich die Schulden – in der derzeitigen Höhe – nicht für existenzgefährdend halte.

          Müsste eine Kommune wie Frankfurt nicht stärker Leistungen einschränken?

          Das ist schwierig zu beurteilen. Leistungseinschränkungen lösen, je nachdem was man meint und wen man meint, erhebliche Widerstände aus. Versuchen Sie das bei den Kindergärten, wird die Empörung sehr groß sein. Der Bürger erwartet einfach, dass diese Leistungen angeboten werden. Wenn Sie zum Beispiel den Kulturbereich betrachten, dann erinnere ich an die heftige Diskussion, die die Aufgabe des Frankfurter Balletts und des Theaters am Turm nach sich gezogen hat. Diese Sparmaßnahmen haben sogar eine weltweite Diskussion ausgelöst. Von Frankfurt wurde ein Bild gezeichnet, wonach die Stadt finanziell am Ende sei und sich kein Ballett mehr leisten könne. Da wird das Image der Stadt beschädigt.

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