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Briefe an toten Vater : Lieber Papa, ich bin schwul

Gregor Schorberger, pensionierter katholischer Pastoralreferent, sitzt mit seiner Autobiografie "Gregorsbriefe" im Licht- und Luftbad Frankfurt. Bild: Albermann, Martin

Der Theologe Gregor Schorberger verarbeitet sein Leben zwischen Kirche und Kriminalisierung. In bewegenden Briefen an den verstorbenen Vater erzählt er von seinem Aufwachsen im Nachkriegsdeutschland und darüber hinaus.

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          Geh doch auch mal wie die anderen Jungen zu Kolpingabenden!“ Als seine Mutter das sagte, antwortete ihr Sohn nur: „Ich bin nicht wie andere Jungen.“ Ein Satz, der sich durch das Leben Gregor Schorbergers zieht. Der 74 Jahre alte Pastoralreferent im Ruhestand ist schwul und katholisch. Früher klang das in den Ohren mancher wie ein Widerspruch, für den Theologen hallt das nach. „Mein Katholischsein habe ich mir trotz aller Diskriminierung nicht absprechen lassen“, sagt Schorberger, der in seinem Leben stets gegen den Hass der Homophoben und für ein Leben in Freiheit gekämpft hat – und es noch tut. „Ich habe sehr gelitten“, sagt er und spricht von Traumata, die Schwule wie er durchlebt hätten, bis der berüchtigte Paragraph 175 im Strafgesetzbuch, der Homosexuelle jahrzehntelang kriminalisierte, 1994 endgültig gestrichen worden ist. „Manche sagen, in der römisch-katholischen Kirche sei er noch immer nicht abgeschafft.“

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schorberger hat seine Lebensgeschichte zwischen Kirche und Kriminalisierung in 20 autobiographischen Briefen an seinen vor 45 Jahren verstorbenen Vater aufgeschrieben – und in Buchform veröffentlicht. Es ist ein Akt der Verarbeitung und Befreiung im Angesicht des toten Vaters, mit dem ihn ein ambivalentes Verhältnis verband, wie es wohl typisch für viele Kinder dieser selbst traumatisierten Kriegsgeneration ist. „Nichts, aber auch gar nichts konnte ich Dir recht machen“, schreibt Schorberger. „Heute würde ich sagen, dass ich überhaupt nicht Deinem national-deutschen, preußischen Sittenbild entsprach.“ Doch der Vater, ein Familienmensch, hatte auch eine andere Seite, die des liebenden Vaters. Mit einem Haken, wie Schorberger anmerkt: „In Deinen Augen war ich eben kein dem traditionellen Familienbild entsprechender Mann.“

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