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Frankfurter Zoo : Holzstämme für 30.000 Bienen

Brummt: Insektenhotel im Frankfurter Zoo, hier inspiziert von Imker Antonio Gurliaccio Bild: Wolfgang Eilmes

Hier darf die Biene Biene sein: Auf der Streuobstwiese im Frankfurter Zoo wird nicht gestreichelt, sondern gesummt. Das Bienenvolk ist auch Botschafter für bedrohte Artenvielfalt.

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          In einer Großstadt sind Bienen vielen lediglich als Honiglieferanten oder aber als lästige Brummer, die schmerzhaft zustechen können, ein Begriff. Dabei leisten sie als Bestäuber von Pflanzen einen überlebenswichtigen Beitrag für die Umwelt. Doch die Zukunft der Insekten in Deutschland ist ungewisser denn je. Der Bestand ist in den vergangen Jahren dramatisch zurück gegangen.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Für den Direktor des Frankfurter Zoos, Miguel Casares, sind die bedrohten Tiere vor allem Botschafter. Und die Botschaft lautet: „Die Bienen sind ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems, und es geht ihnen schlecht.“ Um auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen, hat Casares gemeinsam mit der Frankfurter Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig (SPD), ein neugestaltetes Areal im Südosten des Zoos vorgestellt, in dem wilde Honigbienen in einem natürlichen Umfeld beobachtet werden können. „Ich freue mich sehr, dass man im Zoo nun viel über diese faszinierenden und nützlichen Tiere erfahren kann“, sagt Hartwig.

          „Hier darf die Biene Biene sein“

          Gemeinsam mit dem Naturschutzprojekt „Bienenbotschaft“ wurden auf einer Streuobstwiese mehrere Nistplätze aufgebaut, in denen die Insekten ungestört Honig produzieren können. „Uns geht es um das Überleben der Biene“, sagt Moses Mrohrs, Mitbegründer von „Bienenbotschafter“. Jeder kenne das von Imkern geschaffene, künstliche Habitat der Biene, doch dieses gäbe es erst seit etwa 150 Jahren. Die natürlichen Domizile der wilden Honigbienen seien hingegen ausgehöhlte Bäume. Doch die seien an vielen Orten mittlerweile wegen der Einsturzgefahr undenkbar.

          Aus Liebe zum schwarz-gelben Brummer haben Mrohrs und sein Kollege, der Imker Antonio Gurliaccio, deswegen für den Frankfurter Zoo in Handarbeit mehrere Holzstämme präpariert und in ein „Insektenhotel“ verwandelt, in dem sich seit etwa zwei Wochen ein Bienenvolk aus rund 30.000 Tieren einquartiert hat. Behutsam entfernt Gurliaccio eine Außenwand des Baumstumpfes und gewährt einen faszinierenden Blick ins Innere der Behausung. Die naturnahe Atmosphäre kommt bei den Insekten sichtlich gut an. „Hier darf die Biene Biene sein. Da braucht man als Beobachter auch keine Angst vor Stichen zu haben“, sagt Gurliaccio und streichelt vorsichtig über die Flügel eines der Insekten.

          Die Tiere waren in den letzten Tagen fleißig und haben das neue Zuhause bereits mit einem Netz aus Waben durchzogen. Die gesamte Streuobstwiese soll künftig als Lehrgarten für interessierte Besuchergruppen und als Beispiel für effektiven lokalen Naturschutz dienen. „Gerade für Stadtkinder ist eine solche Erfahrung wichtig, damit sie die Zusammenhänge in der Natur besser verstehen können“, sagt Casares. Aktuell sei das Areal allerdings noch wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

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