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„Holiday on Ice“ : Virtuose Ausrutscher auf dem Eis

Zoo auf Kufen: Aber die Fans von „Holiday on Ice” lieben die bunte Vielfalt der Kostüme. Bild: Linda Dreisen

Klamauk, Kitsch und Kunst vereint auch die neue Show von „Holiday on Ice“. Vor 60 Jahren gastierte die Revue zum ersten Mal in Frankfurt.

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          Diese Show geht daneben. Schon während der zweiten Nummer von „Holiday on Ice“ in der Festhalle musste man zu dieser Überzeugung kommen. Eine Lampe war aus ihrer Halterung gefallen und auf der Eisfläche gelandet. Greift denn niemand ein und beseitigt das Hindernis? So dachte der Zuschauer und schaute sorgenvoll auf das elegante Paar, das ahnungslos über das Eis flitzte. Tatsächlich stolperte der Mann über das Hindernis, fiel hin und riss seine Partnerin gleich mit. Was für Amateure.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch diese Amateure erwiesen sich als Profis. Der Zwischenfall war fingiert, in den folgenden Szenen taumelte das Paar von einem Unglück ins andere. Eine klassische Slapstick-Nummer, wie man sie aus dem Film kennt. Witzig und gekonnt. Spätestens an diesem Punkt konnte jeder sehen, dass das alte Traumschiff „Holiday on Ice“ noch längst nicht abgetakelt ist.

          Für zweieinhalb Stunden ward alles Grau aus dem Leben verbannt

          Vor 60 Jahren gastierte die Eislaufrevue zum ersten Mal in Frankfurt. Noch nicht in der Festhalle, sondern in einem mittlerweile abgerissenen Messebau. Möglich, dass damals Buddy Elias, der Cousin von Anne Frank, als Clown die Frankfurter Zuschauer unterhalten hat. Er war von 1947 bis 1957 bei „Holiday on Ice“ mit von der Partie. Auf jeden Fall zeigte in diesen frühen Jahren die Norwegerin Sonja Henie, mit drei Olympiasiegen und zehn Weltmeistertiteln die erfolgreichste Einzelläuferin aller Zeiten, ihre Kunst auch einmal in Frankfurt. Wie Katarina Witt. Sie, die derzeit mit ihrem Lächeln für München als Stadt der Olympischen Winterspiele 2018 wirbt, verzauberte ebenfalls einst das Frankfurter Publikum.

          1943 begann die Revue als kleine Hotel-Show in Ohio. Sieben Jahre später wagte sie den Sprung über den Ozean ins alte Europa und betörte eine immer noch darbende Nachkriegsgesellschaft mit den Reizen des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Für zweieinhalb Stunden ward alles Grau aus dem Leben verbannt, die Zuschauer erlebten ein rosafarbenes Glück mit Saccharinsüße. Das hat sich bis heute nicht grundlegend geändert. Süßstoff schmeckt man in der diesjährigen Show mit dem Titel „Festival“ immer noch, aber mittlerweile geben die Regisseure und Designer auch eine Dosis Naturhonig hinzu.

          Faszinierend an diesem Genre ist für viele die hohe Geschwindigkeit

          Wie Coca-Cola und Marilyn Monroe ist „Holiday on Ice“ eine amerikanische Legende. War es vielmehr. Denn seit 15 Jahren ist die Show ein Produkt made in Holland. Die Firma Endemol, bekannt für populäre Unterhaltungsformate, hat die Eisrevue gekauft und versucht seither, sie ästhetisch etwas zu europäisieren. Man sieht das in der Festhalle an der Bühnendekoration – einem über der Eisfläche hängenden Wirbelwind aus Pappmaché, der ein wenig aussieht wie ein überdimensionaler Penis. Aber natürlich ist dieses Gebilde nicht als sexuelle Anspielung gemeint – „Holiday on Ice“ als Familienshow war schon immer garantiert jugendfrei. Interessant ist die Farbe des Wirbelwinds. Er leuchtet nicht mehr grell in den früheren Disney-Tönen, sondern stimmt mit einer gedämpft anthroposophischen Note melancholisch heiter. Hier haben die Macher beim Cirque du Soleil abgekupfert.

          Jünger ist das Publikum durch die Verjüngung der Show freilich nicht geworden. Auf den Rängen sitzen zumeist Leute, die mit „Holiday on Ice“ groß geworden sind – eine treue Fan-Gemeinde. Sie bekommt durchaus hochklassige Eisläufer zu sehen. Und eine abwechslungsreiche Show. Die Spannweite reicht von albern-lustig über kitschig bis zur echten Kunst. Zu dieser zählt die Bolero-Nummer, eine zu Ravels Hitmusik gut choreographierte Szene mit Menschen und Stühlen.

          Eiskunstlauf kann man mögen oder nicht. Faszinierend an diesem Genre ist für viele die hohe Geschwindigkeit, die etwas vom Fliegen an sich hat. Technisch bewegen sich die Läufer einschließlich der Mitglieder des Chorus auf einem hohen Niveau. Ästhetisch navigiert die Show in der Traumwelt. Wem das gefällt, der wird beglückt die Festhalle verlassen.

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