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Höchster Wohnturm Deutschlands : Ruppige Lage, toller Blick

Blick aus der Vogelperspektive auf den geplanten Wohnturm im Frankfurter Europaviertel Bild: Simulation Magnus Kaminiarz & Cie.

An dem Standort neben dem Güterplatz haben sich schon viele versucht. Mit dem Bau des neuen Wohnturms will der kapitalstarke Bauherr aber möglichst schnell beginnen.

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          Mit dem Bau eines neuen Stadtteils ist es wie mit der Einrichtung einer neuen Wohnung: Nach und nach sammeln sich die Möbelstücke an, und irgendwann passt es. Bis das neue Europaviertel komplett „eingerichtet“ ist, wird es noch einige Zeit dauern. Zwei weitere wichtige Möbelstücke wurden aber inzwischen gefunden: Die Architektur für den 160 Meter hohen Wohnturm steht, wie vor einer Woche berichtet, fest. Und auch für das benachbarte elfgeschossige Adina-Appartementhaus gibt es mittlerweile einen klassischen, ansprechenden Entwurf. Die beiden Gebäude schließen eine Lücke zwischen dem neuen Kongresszentrum „Kap Europa“, dem ebenfalls noch taufrischen Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ und dem Güterplatz.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch damit nicht genug: Auf dem „Telenorma-Areal“ zwischen Skyline Plaza und Mainzer Landstraße sind weitere Wohnhochhäuser geplant. Und auch für den Büroturm „Tower 1“ gibt es konkrete Pläne. Nur für den 365 Meter hohen „Millennium Tower“ scheint es auf absehbare Zeit keinen Bedarf zu geben. Ziemlich viel Baumasse für so eine kleine Fläche? Der Frankfurter mag es offenbar gerne dicht.

          Noch keine Angaben zu den Wohnungspreisen

          Der höchste Wohnturm Deutschlands wird die Umgebung ohnehin überragen. „Wir haben Blicke zu bieten, die andere nicht haben“, sagt ein Vertreter des Bauherrn. Die kapitalstarke Gesellschaft für Städtebau und Projektentwicklung (GSP) wolle das Projekt „zügig realisieren“ und „schnellstmöglich beginnen“. Zwar lassen sich die beiden Gebäude – das einem anderen Eigentümer gehörende Appartementhaus und der Wohnturm – auch getrennt voneinander errichten. Die GBI AG will schon im Oktober oder November mit ihrem Appartementhaus beginnen, der Bauantrag wird gerade abgestimmt. Aber GSP will den zeitlichen Abstand zum Wohnturm nicht zu groß werden lassen. Auch die Konkurrenz durch andere neue Wohnhochhäuser schreckt GSP nicht ab: Die Marktlage sei weiterhin sehr gut, und der Turm liege auch näher zur Innenstadt als andere Projekte. „Der Markt in Frankfurt verträgt auch mehrere Wohnhochhäuser.“ Zu den Wohnungspreisen macht der Bauherr noch keine Angaben, er spricht ganz allgemein von einem „vernünftigen Preisniveau“. Die Zielgruppe sei aber nicht wohlhabende Kundschaft aus dem Ausland, sondern der lokale Wohnungsmarkt.

          An dem Grundstück haben sich schon etliche Entwickler und Architekten versucht. Unter anderem gab es vor Jahren Pläne für einen Hotelturm der Luxusklasse „Grand Hyatt“. Auch Hochtief hatte auf dem Grundstück schon den Bau eines Wohnturms geprüft, aber nicht den Zuschlag erhalten. Nun also GSP, nun also der höchste Wohnturm Deutschlands. In dem schlanken Turm sollen 340 Wohnungen Platz finden – 90 kleinere Appartements in den unteren Geschossen und oben sehr große Penthäuser.

          Anbau: Links ans Appartementhaus schließt das Parkhaus des Turms an.

          Die Parkplätze werden in einem Anbau untergebracht, der mit sechs Geschossen so hoch wird wie das Skyline Plaza und an die Brandwand des Appartementhauses anschließt. Das üppig begrünte Dach des Parkhauses soll die beengte Lage wettmachen. Der Architekt Magnus Kaminiarz spricht von einer „kleinen Oase“. Außerdem habe jede Wohnung durch große, windgeschützte Loggien auch einen Außenbezug.

          Der Makler Rainer Ballwanz findet den Standort „für eine bestimmte Klientel superspannend“. Der Abstand zur Skyline garantiere einen phantastischen Blick. Allerdings rät Ballwanz dem Bauherrn zu einer geringen Wohnungsanzahl: „Wir würden größere Wohnungen favorisieren.“

          Die neue U-Bahn-Station am Güterplatz liegt direkt vor der Haustür. Laut Bebauungsplan soll das Hochhaus auch als „Auftakt zum Boulevard“, also zur Europaallee, ein Zeichen setzen. Der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts Martin Hunscher hält den Standort für „ziemlich herb“. Schon wegen der Nähe zum Einkaufszentrum sei es „nicht die Top-Adresse“. Anders als Wohntürme am Park habe das Projekt einen „deutlich urbaneren Anspruch“. Der Europagarten sei aber auch nicht weit.

          Ein anderer Projektentwickler, der Erfahrung in der Realisierung großer Wohnprojekte hat, findet den Standort sogar ganz besonders geeignet. „Wohnhochhäuser müssen städtisch liegen.“ Er gibt dem Turm bessere Chancen als den weiter entfernt liegenden Türmen am anderen Ende des Europaviertels.

          Eine Erfahrung könnte den Bauherrn motivieren: Auch das „Skylight“, das bisher einzige moderne und schon bezogene Wohnhochhaus in Frankfurt, liegt an einer wenig repräsentativen Stelle in der Innenstadt. Der Blick entschädigt offenbar für die Lage – sämtliche Wohnungen sind verkauft.

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