https://www.faz.net/-gzg-9of7x

Hochsommer in der Großstadt : Das sind Frankfurts Hitzegewinner

Mittags ist es vielen zu warm, um zur Eisdiele zu gehen. Dafür stehen die Kunden abends Schlange. Bild: Bäuml, Lucas

32 Grad, und es wird noch heißer: Frankfurt schwitzt. Doch es gibt viele, die Sonne und laue Abende genießen. Besonders zwei Gruppen lassen es sich gut gehen.

          Um 11.42 Uhr köpft der junge Mann in kurzer Hose und Schlappen das erste Radler. Geht runter wie Öl. Das Thermometer zeigt gerade 32 Grad, es wird in den nächsten Stunden auf 38 Grad klettern. Den Radler-Trinker stört das nicht, er entspannt sich im Park, lehnt lässig am Geländer der Brücke über die Nidda. Nebenan platscht und juchzt es – im Brentanobad schwimmen schon am Vormittag Hunderte.

          Einer der Bademeister lacht, als er gefragt wird, wie es ihm so mit der Hitze gehe. „Es könnte noch heißer sein! Ich komme aus Afrika, aus Marokko, da bin ich mehr gewöhnt.“ Er genießt es, dass die Sonne brennt und das Leben so manchmal ein bisschen langsamer macht. Auch ein dunkler Lockenkopf, der mit zwei Freunden in der prallen Sonne neben dem Becken sitzt, sagt: „Es kann nie zu heiß sein. Wir machen zwar nicht viel, aber das ist ja das Gute an dem Wetter.“ Es rechtfertigt auch für ihn das frühzeitige Radler: „Stay hydrated!“ Den Tipp, Mittagshitze zu meiden, beherzigt im Freibad dagegen kaum einer: Auf ihren Handtüchern brutzeln viele Männer und Frauen, sie sind knackebraun und glänzen in der Sonne. Im Schatten ist noch viel frei.

          Auch der nahe Niddapark ist gegen Mittag fast leer. Zumindest, bis man um die Ecke zum Wasserspielplatz biegt. Eine Schulklasse hat hitzefrei und springt durch die Fontänen. „Ist doch super“, sagt ein Junge, der lieber Flaschen zum Herumspritzen auffüllt, statt im Klassenzimmer zu sitzen. Neben ihm quietschen ein paar Fünfzehnjährige im Bikini wie kleine Mädchen, während sie sich nassspritzen und keinen Gedanken mehr an ihr Make-up oder die Frisur verschwenden. Jugendliche und Rentner sind die Hitzegewinner: Sie haben freie Zeit und können die Sonne tagsüber voll ausnutzen. So sieht es auch die ältere Dame, die sich mit ihrem Mann in die Schlange vor dem Freibad stellt: „Wenn man sich wie ich aussuchen kann, wo man ist, dann ist das Wetter toll.“

          Mit kühlem Bier am Mainufer

          An den Eisdielen ist mittags wenig los. „Zu heiß“, sagt eine Verkäuferin bei Eis Christina im Nordend. „Dafür stehen sie hier abends bis 23 Uhr Schlange.“ Ein Kunde holt dann aber doch eine Großbestellung. Der Mann, der sich als Santayo vorstellt, arbeitet bei der Feuerwehr in der Werkstatt und kauft für die Kollegen 26 Kugeln. Für sich selbst bestellt er mit verschmitztem Lächeln die extragroßen. Ihm sei es schon etwas zu warm. „Aber ein guter Grund für ein Eis“, sagt er voller Vorfreude.

          Eismann: Santayo holt 26 Kugeln für alle seine Kollegen. Bilderstrecke

          „Alle reden immer davon, dass es zu heiß ist, aber ich finde das super – ich brauche keine Jacke mitschleppen, und abends ist man lange draußen“, sagt eine Studentin in Shorts und bauchfreiem Oberteil, die sich auch gerade ein Eis holt. Ihre Kommilitonin lässt ungläubig die Augenbrauen hochschnellen. „Mir ist alles über 25 Grad zu viel“, sagt sie. Zeit, um baden zu gehen, haben die beiden nicht, aber die Hitze-Liebhaberin freut sich schon auf den Abend: Mit einem kühlen Bier am Mainufer sitzen, oder vielleicht in einen lauschigen Hinterhofgarten mit Weißweinschorle gehen, das seien doch gute Aussichten.

          Wer abends zum Beispiel durch Bornheim oder Bockenheim radelt, sieht viele, die genau das tun. Im Innenhof von Dünker an der Berger Straße genießt ein Paar ein Glas Rosé, der so kalt ist, dass das Glas beschlägt. Auf der Leipziger Straße verspeisen zwei ältere Herren noch gegen halb elf abends eine Portion Spaghetti-Eis, vor den Kiosken nebenan haben Leute Klappstühle aufgebaut und trinken Bier.

          Mediterranisierung nennen es Fachleute, wenn sich das Leben in die Abendstunden verlegt und Kinder noch um zehn auf dem Spielplatz sind, weil es hell ist. Wenn spät gegessen wird und sich viele spontan entscheiden, am Abend doch mal vor die Tür zu gehen, weil es ja keine große Vorbereitung braucht, keine festen Schuhe, keine Jacke, keinen Regenschirm. Das ist Sommer, und der ist schön, auch, wenn etwas Schweiß dazugehört. Immerhin kann sich jeder schon auf den lauen Abend freuen und dem Kaltgetränk seiner Wahl entgegenfiebern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : „Wenn sie kommen, gehen wir einfach nach Hause“

          Hunderttausende protestieren in Hongkong gegen die chinesische Regierung. Von Einschüchterungen aus Peking und der Drohung, die Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, lassen sie sich nicht einschüchtern.
          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.