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Hochschule : Zwischen Adorno und Bob Dylan

1951 wurde das Institutsgebäude an der Senckenberganlage eröffnet Bild: F.A.Z., Foto Wonge Bergmann

Ist das Institut für Sozialforschung eine „Fortsetzung“ der Frankfurter Schule? Der amtierende geschäftsführende Direktor Axel Honneth ist skeptisch. Er will, daß sich das Institut der Gegenwart zuwendet.

          Mit keinem Ort wird die Frankfurter Schule so eng verknüpft wie mit der Senckenberganlage 26. Im November 1951 wurde das nach Plänen von Alois Giefer und Hermann Mäckler errichtete Gebäude von jenen bezogen, die von den Nationalsozialisten aus dem Land getrieben worden waren, allen voran Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Friedrich Pollock. Daran, daß amerikanisches Geld in das ebenso schlichte wie imposante Gebäude floß, erinnert heute eine Plakette am Eingang.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der vergangenen Woche ist eine weitere Plakette im Institut für Sozialforschung angekommen - und auch sie bezieht sich vordergründig auf die Tradition des Hauses. Denn der Titel „Ort der Ideen“, mit denen eine Initiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft herausragende Institutionen auszeichnet, würdigt die „großen Ideen“, die dort einst geboren wurden. Von der Gegenwart war weniger die Rede, als die Plakette nun überreicht wurde.

          Ob man von einer „Fortsetzung“ der Frankfurter Schule sprechen kann, da ist der seit 2001 amtierende geschäftsführende Direktor, der Frankfurter Philosophieprofessor Axel Honneth, skeptisch. Die meisten Außenstehenden aber betrachten das Institut als legitimen Erben dieser Schule, symbolisiert schon vom Gebäude selbst: Kolloquien und Vorträge - die meisten davon sind öffentlich - finden in dem altehrwürdigen Sitzungssaal statt, den man von Fotos kennt. Auch das Adorno-Archiv ist nun im Haus untergebracht: Dort arbeiten zwei Forscher an der Gesamtausgabe. In der Mitte des Raumes stehen Adornos matt glänzender Flügel und sein Schreibtisch.

          Gegenwart in den Blick rücken

          Am 28. November, wenn anläßlich der „Land der Ideen“-Kampagne ein Tag der offenen Tür stattfindet, will das Institut, das von Stadt und Land unterhalten wird, zeigen, woran es heute arbeitet. Die Mittel werden für jedes Projekt akquiriert, unter anderem bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). So entstehen Studien wie „Persönlichkeit in der Bewerbung? Performative Regeln im Verkauf der Arbeitskraft“, Arbeiten zur Bewältigung des gemeinsamen Alltags in Paarbeziehungen, über politische Entscheidungsprozesse und die Rolle von Experten.

          Fragen, die viel mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Diskursen zu tun haben - das scheint dann doch gute Tradition zu sein. Schließlich trieben auch die Begründer der Kritischen Theorie einst Studien zur Einstellung der deutschen Arbeiter oder zu Autorität und Familie - mit theoretischen Reflexionen und empirischen Verfahren.

          Vor allem die Gegenwart aber will Honneth deutlicher in den Blick rücken. Es gibt Öffnungsbewegungen, etwa mit der neugestalteten Zeitschrift „Westend“ und der Veranstaltungsreihe „Zeitbrüche“, bei der im Literaturhaus Zeitdiagnosen diskutiert werden. So erhofft sich Honneth einen neu belebten Austausch. Ehemalige Studenten, die in den fünfziger und sechziger Jahren aus freien Stücken am Institut mitarbeiteten und lernten, beschwören noch heute die dort gemachten Erfahrungen.

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