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Hochschule : Studenten als Kapitalanlage

Will Studenten über Fonds fördern: Frank Steinmetz, Deutsche Bildung AG Bild: F.A.Z. / Foto Michael Kretzer

Ein völlig neues Verfahren der Studienförderung hat sich die Deutsche Bildung AG in Frankfurt vorgenommen. „Noch in diesem Jahr werden wir mehrere tausend Studenten an deutschen Hochschulen fördern“, sagt Vorstandschef Steinmetz.

          Die Zielvorgabe steht: „Noch in diesem Jahr werden wir mehrere tausend Studenten an deutschen Hochschulen fördern“, sagt Frank Steinmetz. Die von dem Diplom-Kaufmann und Personalberater geführte Deutsche Bildung AG in Frankfurt will angehenden Akademikern monatlich zwischen 100 und 1000 Euro überweisen. Dabei geht es nicht um herkömmliche Kredite: „Wir werden eine völlig neue Art der Förderung im Markt etablieren“, kündigt Steinmetz selbstbewusst an. Zwar füllt das notwendige Kapital noch nicht die Kasse des Unternehmens, doch gibt sich der Vorstandsvorsitzende für den Start des Fonds zuversichtlich. Gegen Jahresende soll ein zweistelliger Millionenbetrag beisammen sein.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Deutsche Bildung sucht sich Geldgeber, die in die Bildung junger Menschen investieren wollen. Sie hat dabei zuerst institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen im Blick - und erste Gespräche schon mit Erfolg abgeschlossen, wie Steinmetz sagt. Zweitens zielt er auf vermögende Privatleute, denen Bildung am Herzen liegt. Den Investoren bietet er geschlossene Fonds an, in die das Kapital fließen soll. Profitieren von den Geldern werden keineswegs vorzugsweise Elitestudenten. Das Unternehmen hat vielmehr den „Durchschnitt der akademischen Bevölkerung“ im Auge, wie Anja Hofmann, zuständig fürs Marketing, ausführt.

          „Das ist attraktiv für den Kapitalmarkt“

          Demnach möchte die Deutsche Bildung angehenden Germanisten und Soziologen ebenso helfen wie Wirtschafts- und Medizinstudenten. Ihr Kalkül: Indem sie wie ein breit streuender Aktienfonds auf viele Anlagen setzt, senkt sie das Risiko. Wobei es bei dem Fördervorhaben nicht um Kursgewinne, sondern um den erwarteten Mittelrückfluss geht, der auf den vermutlich stabilen Gehältern von Akademikern fußt. „Das ist attraktiv für den Kapitalmarkt“, sagt Steinmetz.

          Aber auch für die jungen Menschen, die in den Genuss von Geldern kommen, hat sein Angebot Vorteile, wie er meint. Und zwar zum einen wegen der Art der Tilgung: Zurückzahlen müsse nur, wer in einem festen Anstellungsverhältnis tätig sei. Zweitens gibt keinen festen Zinssatz, sondern einen fixen Prozentsatz, der sich am realen Einkommen ausrichtet. Steigt das Gehalt, klettert die Rate. Verdient der Geförderte weniger, sieht die Deutsche Bildung kleinere Beträge. „Wir haben ein gemeinsames Interesse an einem guten Ergebnis“, folgert Steinmetz.

          Zum Sommersemester sollen die ersten Gelder fließen

          Zum Förderkonzept zählt auch, die jungen Leute im Studium zu begleiten: „Wir fragen sie nach ihren Wünschen.“ Etwa ob sie ein Semester oder ein Praktikum im Ausland anstreben. In Vorträgen und Workshops, für die die zwölf Köpfe zählende Deutsche Bildung auf Gastdozenten zurückgreifen will, soll es um Lerntechniken, Bewerbungstraining oder Karriereplanung gehen. Einzel-Coaching ist auch möglich. Zum Sommersemester sollen die ersten Fördergelder fließen. Bewerber dürfte es genug geben: Obwohl sich das Unternehmen mit Werbung zurückhält, sind schon einige hundert Anfragen eingelaufen.

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