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Hochschule : Gott auf dem Campus

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Befasst sich mit dem Islam: Misbah Arshad Bild:

Religiosität zeigt sich nicht nur in Moscheen oder in Kirchengemeinden, sondern auch an den Hochschulen. Von ihren Erfahrungen an der Frankfurter Universität berichten eine muslimische Studentin und zwei christliche Hochschulpfarrer.

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          Religiosität zeigt sich nicht nur in Moscheen oder in Kirchengemeinden, sondern auch an den Hochschulen. Von ihren Erfahrungen an der Frankfurter Universität berichten eine muslimische Studentin und zwei christliche Hochschulpfarrer.

          Muslimische Studenten

          Ein kurzer Blick ins Regal der Bibliothek auf dem Campus Westend, und Misbah Arshad hat das Buch, das sie für die Zwischenprüfung braucht, gefunden: eine Geschichte des Islams. Die junge Frau studiert Islamische Religion an der Universität. Etwa 60 Studenten sind in dem vergleichsweise neuen Fach eingeschrieben. Außer in der Islamischen Hochschulgemeinde konzentriert sich in ihm muslimisches Leben an der Hochschule.

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          Arshad ist nicht mehr in der Hochschulgemeinde aktiv, sie will mehr Zeit für ihr Studium haben. Die Gemeinde, scheint es, muss sich ohnehin neu organisieren – vom Vorstand ist niemand zu einem Gespräch bereit. Immerhin gibt es eine Kooperation zwischen der Islamischen und der Katholischen Hochschulgemeinde. Heute findet die letzte Veranstaltung einer Dialogreihe statt; es geht um die Jenseitsvorstellungen von Christentum und Islam.

          Misbah Arshad hält von solchen Angeboten nicht viel: „Es besteht die Gefahr, alles schön zu reden.“ Auch sie ist dafür, die Kontakte zu verstärken, aber nicht in theoretischen Debatten, sondern „in gemeinsamem sozialem Handeln“. Weil sie dazu beitragen wolle, Schwierigkeiten im interreligiösen Austausch zu beseitigen, habe sie das Fach Islamische Religion belegt. Später möchte sie in der Forschung arbeiten.

          „Mit 14 oder 15 Jahren fing ich an, das, was mir in der Moschee erzählt wurde, zu hinterfragen.“ Ein, wie die 1985 geborene Studentin hinzufügt, „sichtbares Ergebnis“ ihrer Auseinandersetzung ist das Kopftuch, das sie erst als Oberstufenschülerin angelegt hat. Wie sie über Koransuren und den „historischen Kontext der Offenbarung“ spricht, zeigt, dass sie fähig und bereit ist, ihre Religion differenziert zu betrachten. „Wir müssen das, was im Koran steht, für die heutige Zeit verständlich machen, ohne dass jeder aus den Suren herauslesen kann, was ihm gerade passt.“ Deswegen sei die Ausbildung von Experten in ihrem Studiengang wichtig.

          Ihre Eltern und Geschwister hat sie mit der Wahl des Fachs überrascht. Eigentlich wollte sie Industriedesign in Darmstadt studieren, hat sich aber kurzfristig anders entschieden. Zwei Jahre war sie alt, als sie mit ihrer Familie aus Pakistan nach Deutschland kam. Sie ist in Frankfurt aufgewachsen. Von Andersgläubigen verlangt sie, Muslime in Deutschland nicht mit denen in muslimischen Ländern zu vergleichen. Sonst entstünden falsche Vorstellungen über den Islam. Muslime wiederum sollten sich mehr der Gesellschaft gegenüber öffnen und sich bilden. Dann würden sie lernen, dass nicht alles, was muslimische Traditionen mit sich brächten, vom Islam auch gewollt sei – etwa die Benachteiligung der Frau. „Vielleicht sind Muslime in Deutschland und Europa eines Tages ein Vorbild für jene in anderen Ländern.“ Daran möchte Misbah Arshad jedenfalls mitarbeiten.

          Die katholische Gemeinde

          Muslime und Christen werden den Dialog auf dem Campus Westend intensiv üben, wenn es demnächst den „Raum der Stille“ gibt – einen dem neuen katholischen und evangelischen Wohnheim angegliederten Andachtsraum für alle Religionen. Der katholische Hochschulpfarrer Martin Löwenstein setzt auf diesen Austausch. Es gebe zwar auch Fundamentalisten, aber die dialogbereiten Muslime „sind das absolut Normale an der Universität“. Die Katholische Hochschulgemeinde gewinnt durch den Wohnheimneubau an Präsenz auf dem Campus. Ihren derzeitigen Sitz an der Beethovenstraße im Westend will sie aufgeben.

          Die Gemeinde macht ein umfangreiches Angebot. Gottesdienste und Glaubenskurse gehören genauso dazu wie ein Freitzeitprogramm, Prüfungstraining und Sozialberatung für Ausländer unabhängig von deren Religion oder Herkunft. „Wir wollen zeigen, dass Kirche mehr ist als ein Bibelverein“, hebt Löwenstein hervor. Der Jesuit ist seit 2001 Hochschulpfarrer in Frankfurt und äußert sich auch zu hochschulpolitischen Fragen – etwa über die Studiengebühren. Die Art und Weise, wie sie eingeführt worden seien, sei einfach dilettantisch gewesen.

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