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Hochschule : Anstiftung zum Geldgeben

Da geht des Gönners Herz und Tasche auf: Der Frankfurter Westend-Campus Bild: F.A.Z. - Kai Nedden

Wenn die Frankfurter Universität als Stiftungshochschule mehr Autonomie bekommt, wird sie für Sponsoren attraktiver: Das hofft auch ihr Förderverein. Die Rechnung kann aufgehen - aber nicht von heute auf morgen.

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          Stiftungs-Uni. Uni-Stiftung. Was das eine mit dem anderen zu tun hat oder eben auch nicht – Alexander Trog muss es in diesen Tagen immer wieder erklären. Der frühere Deutsche-Bank-Manager ist Geschäftsführer der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität. Die haben 2004 die Frankfurter Universitätsstiftung gegründet, um die Hochschule langfristig besser unterstützen zu können.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Der Förderverein ist gezwungen, Spendengelder zeitnah auszugeben“, erläutert Trog. Das Kapital der Stiftung hingegen – derzeit knapp drei Millionen Euro – darf nicht angetastet werden. Nur Zinsen und Dividenden, derzeit noch überschaubare Summen, fließen dem Verein zu, der mit diesen und anderen Einnahmen Vorhaben der Universität finanziert.

          Renaissance des Stiftergedankens

          Mit dem Projekt, über das innerhalb wie außerhalb der Hochschule seit Wochen diskutiert wird, hat die Universitätsstiftung erst einmal gar nichts zu schaffen. Beim Unternehmen „Stiftungsuniversität“ geht es um die Umwandlung der Hochschule in eine Stiftung öffentlichen Rechts, mit dem Ziel, der Universität dadurch zu mehr Autonomie zu verhelfen.

          Und doch erhofft sich Trog viel von der Status-Änderung, die, wenn es nach Universitätspräsident Rudolf Steinberg geht, zum 1. Januar nächsten Jahres vollzogen würde. Trogs und Steinbergs Kalkül sieht so aus: Eine Universität, die ihre Angelegenheiten weitgehend selbständig regeln kann, arbeitet ökonomischer, lockt bessere Forscher und Studenten an und wird dadurch auch attraktiver für Sponsoren, die ihr Geld dort gut aufgehoben glauben.

          Indizien, dass diese Rechnung aufgehen könnte, gibt es. In Göttingen jedenfalls, wo der Schritt zur Stiftungs-Universität schon vor gut drei Jahren vollzogen wurde, scheint der Zuwachs an Freiheit von der Wirtschaft wohlwollend aufgenommen worden zu sein. Die Haltung der regionalen Unternehmen zur Universität habe sich geändert, sagt Doris Lemmermöhle, als Vizepräsidentin für Fundraising zuständig: „Die sehen, dass wir unsere Leitungsstrukturen gestärkt haben und dass auch bei uns gerechnet wird.“ Generell sei zudem eine Renaissance des Stiftergedankens zu beobachten.

          Immer mehr Privatleute fördern die Forschung

          Bei manchen Projekten gebe es einen regelrechten Dominoeffekt: Wenn sich einzelne Bürger und Firmen für die Universität engagierten, wollten andere potentielle Wohltäter nicht abseits stehen. Ob die Göttinger Gönner wirklich durch die Neuorganisation der Hochschule zu ihren guten Taten angeregt wurden, ist indes schwer zu sagen. Auch sind die Einnahmen der Universität nicht so stark gestiegen, wie Lemmermöhle es sich erhofft hat. Nach wie vor sei man von den Zuschüssen des Landes abhängig, „aber wir haben auch nie die Illusion gehabt, dass sich das in kürzester Zeit ändern würde“.

          Alexander Trog hört die Botschaft aus Niedersachsen gleichwohl mit Freude. Schon jetzt ist er sehr zufrieden mit der Resonanz auf das Wirken von Förderverein und Universitätsstiftung. Neben großen Unternehmen und verdienten Mäzenen wie Carlo Giersch, Johanna Quandt oder Josef Buchmann seien immer mehr Privatleute – oft ältere Ehepaare – bereit, Forschung und Lehre aus ihrem Vermögen zu fördern. Dabei sind der Universitätsstiftung nicht nur große Summen willkommen, die dann als Zustiftung oder in einem Stiftungsfonds verbucht werden. Wer kleinere Beträge geben will, kann sie entweder dem Stammkapital der Stiftung zuführen oder als Spende dem Förderverein überweisen.

          Dass noch mehr Geld fließt, wenn die Universität selbst zur Stiftung wird, das ist nun Trogs große Hoffnung. Keine unbegründete, wie er andeutet: Offenbar kann die Hochschule für diesen Fall mit einer weiteren bedeutenden Zuwendung von privater Seite rechnen. Namen nennt der diskrete Akquisiteur natürlich noch nicht.

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