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Hochschule : Anklage gegen Anthropologen: Professor als Fälscher und Betrüger

  • -Aktualisiert am
Der Anthropologe Protsch von Zieten bei der früheren Arbeit in Frankfurt
          2 Min.

          Urkundenfälschung, Untreue, Unterschlagung, versuchter Betrug und Verstöße gegen den Artenschutz: Das alles legt die Frankfurter Staatsanwaltschaft dem 67 Jahre alten ehemaligen Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Reiner Protsch von Zieten in einer Anklage vor dem Landgericht zur Last. Der in seinem Fachgebiet Anthropologie spätestens seit Februar des vergangenen Jahres als Fälscher, Manipulator und Plagiator diskreditierte Wissenschaftler wurde 1973 als Professor an die Frankfurter Universität berufen; er war viele Jahre geschäftsführender Direktor des Instituts für Anthropologie und Humangenetik im damaligen Fachbereich Biologie und Informatik. In dieser Funktion veröffentlichte er Forschungsergebnisse, von denen es inzwischen heißt, sie hätten die gesamte Vor- und Frühgeschichte des Menschen verfälscht.

          Die von Staatsanwältin Verena Suter nun aufgelisteten Vorwürfe von strafrechtlichem Belang verstärken das Bild eines zutiefst unehrlichen Menschen. So soll Protsch 2001 von der Universität eine Spendenquittung über 300.000 Mark für die Überlassung von frühmenschlichen Schädeln und Knochen gefordert haben, die er aus eigenem Besitz dem Institut übergeben habe. Tatsächlich, so das Ermittlungsergebnis, gehören die Präparate einem Hamburger Paläontologen, der sie Frankfurt als Dauerleihgabe überlassen hatte. Zur Unterfütterung seines unberechtigten Eigentumsanspruchs soll Protsch gefälschte Expertisen eingereicht haben. Zu dem Vorwurf, fremdes Eigentum als eigenes ausgegeben zu haben, paßt, daß der Institutsdirektor aus seltenen und wertvollen Büchern der Universitätsbibliothek den Eigentumsnachweis entfernt und einen eigenen Stempel hineingesetzt haben soll.

          Versuchter Verkauf von Affenschädeln

          Urkundenfälschung der besonderen Art soll der Beschuldigte dadurch begangen haben, daß er aus Schimpansenschädeln Registraturnummern ausfräsen und durch das eigene Signum „RPvZ“ ersetzen ließ. Die Schädel gehören zur sogenannten PAN-Sammlung - 278 in Afrika zusammengetragenen Exemplaren -, die als einzigartig gilt und in den fünfziger und sechziger Jahren von einem Frankfurter Anthropologen für das Institut erworben wurde. Protsch soll die Sammlung unter Vorlage einer gefälschten Kaufbescheinigung als sein Eigentum ausgegeben und 2002 für 70.000 Dollar einem amerikanischen Kollegen angeboten haben. Das Geschäft kam nicht zustande und löste erste Nachforschungen gegen den Institutsdirektor aus. Der versuchte Verkauf der Affenschädel ist Grund für einen weiteren Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist ein derartiger Handel streng reglementiert und genehmigungspflichtig; in diesem speziellen Fall war er überdies verboten.

          Reiner Protsch von Zieten, an dessen Namen und Herkunftsangaben ebenfalls schon Zweifel geäußert worden sind, hat sich im Ermittlungsverfahren nach Auskunft der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen nicht geäußert. Während universitärer Überprüfungen, die ihn 2004 zum Rücktritt zwangen, hatte er sich als Opfer einer großangelegten Intrige aus einem Kreis neidvoller Kollegen dargestellt.

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