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AfE-Turm in Frankfurt gesprengt : Fall auf Knall

  • -Aktualisiert am

Abwärts: Innerhalb weniger Sekunden stürzte der AfE-Turm zusammen Bild: Helmut Fricke

Der 116 Meter hohe Universitätsturm in Frankfurt steht nicht mehr, Fachleute haben ihn gesprengt. Es ist das höchste Gebäude in Europa, das je dem Erdboden gleich gemacht wurde. „Das war ein chirurgischer Feineingriff.“

          Es kracht gewaltig, viel lauter als erwartet. Dann rauscht der äußere Kranz des Uni-Turms wie ein schwerer Bühnenvorhang zu Boden. Die Decken der Geschosse brechen ab, für drei Sekunden steht der Kern des Turms nackt da. Noch ein Knall, dann ist auch er dran und sackt schwer in sich zusammen. Der obere Teil neigt sich nach Süden, der untere nach Norden. Als er auf dem Boden aufprallt, bebt die Erde. Das alles in wenigen Sekunden. Was für ein Spektakel! „Noch mal!“, ruft ein Mädchen in der Zuschauermenge.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Staubwolke ist noch gar nicht da, doch Sprengmeister Eduard Reisch alias „Krater-Edi“ ist sich seiner Sache schon sicher. Er strahlt bis über beide Ohren: „Passt! Guat, oder? Wie immer halt!“ Dann treibt der Wind den Staub heran. Feine Flocken Betonpulver legen sich wie Mehl über alles - Bäume, Sträucher, Dächer, Jacken, Schuhe. Ein paar Leute ziehen instinktiv den Schal über den Mund. Aber gefährlich sei das nicht: „Das knirscht nur ein bisschen zwischen den Zähnen“, sagt Bauleiter Jörg Voelkel vom Abbruchunternehmen AWR.

          Präzise zusammengestürzt

          An der Stelle, wo bis vor Sekunden noch der Frankfurter Uni-Turm stand, zeigt sich später, wie präzise der Koloss zusammengestürzt ist. Wie auf einer Briefmarke gefaltet liegen die Trümmer auf dem Boden. Selbst in dem nur zehn Meter entfernten, ebenfalls zum Abbruch vorgesehenen Nachbargebäude sind nur vier Scheiben kaputtgegangen. Frank Junker, der für die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG die Sprengung in Auftrag gegeben und eine schlaflose Nacht hinter sich hat, schwärmt: „A la bonheur. Eine Punktlandung. Man muss den Herrn Reisch einfach küssen.“ Der Sprengmeister lag nachts nicht lange wach. Er hat ausgezeichnet geschlafen: „Von zwölf bis um fünf, passt scho!“

          Einige Stunden zuvor beginnt der letzte Tag des AfE-Turms mit Vogelgezwitscher. Es ist ein milder, fast frühlingshafter Morgen, Nebel hängt über der Stadt. Die oberste Etage des Turms, der bis 2013 zum Campus Bockenheim der Goethe-Universität gehörte, steckt noch in den Wolken, aber die ersten Sprengtouristen sind schon um sieben auf den Beinen und schauen zu, wie sich die 500 Freiwilligen des Technischen Hilfswerks verteilen und die Straßen absperren. Markus Schmidt und Mike Krebs, ein Dachdecker und ein Schreiner aus dem Rheingau, sind um fünf aufgestanden, um mitzuerleben, wie ein Haus, das vor mehr als 40 Jahren innerhalb von drei Jahren gebaut wurde, in nur zehn Sekunden verschwindet. Dass das Senckenberg-Naturkundemuseum nebenan keinen Schaden nehmen soll, „die ganzen Dinosaurierskelette und der alte Kram“, können sie kaum glauben.

          Markus Tröster ist schon am Abend zuvor aus dem Saarland angereist. Er trägt die blaue Uniform und eine gelbe Warnweste mit den Buchstaben THW. Nach dem Hochwasser im vergangenen Jahr und zahlreichen Einsätzen in Krisengebieten sei dies „endlich einmal ein schönes Event“. Rund um den Turm karren Feuerwehrmänner ganze Lastwagenladungen an Schläuchen an. Eine 30 Meter hohe Wasserwand soll den Staub binden, wenn 50.000 Tonnen Beton und Stahl zu Boden gehen. In aller Seelenruhe rollen sie die Schläuche aus. Etwa zwei Stunden Zeit bleibt ihnen noch.

          „Wie aus dem „Lehrbuch“

          Während sich an der Messe und auch auf der Senckenberganlage immer mehr Schaulustige einfinden, beginnt auch Felix Paschek mit seinem Rundgang durch das Sperrgebiet. Paschek leitet den Einsatz für die Polizei und trägt die Verantwortung dafür, dass sich zum Zeitpunkt der Sprengung niemand mehr in der kritischen Zone aufhalten wird. Später, nachdem der Turm gefallen ist, wird er sagen, das sei „eine Sprengung wie aus dem Lehrbuch“ gewesen. Nun aber, zwei Stunden vorher, ist er doch ein wenig nervöser als sonst. Aufmerksam geht er noch einmal alle Gebäude ab, die in der Sperrzone liegen. Aber bis auf ein Fernsehteam, das in einem Hochhaus nebenan noch letzte Bilder von oben machen will, wagt sich niemand heran.

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