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Hochhäuser im Frankfurter Westend : Architektur mit Pointe

Mit dem Opernturm, der das legendäre Zürich-Hochhaus ersetzt hat, ist ein neuer Souverän der Skyline entstanden. Durch das Sockelgebäude hat Architekt Christoph Mäckler dem Opernplatz auch an seiner nordwestlichen Seite Halt gegeben. Bild: Wolfgang Eilmes

An der ersten Generation von Hochhäusern im Westend entzündeten sich harte gesellschaftliche Auseinandersetzungen.Inzwischen sind die meisten Türme umgestaltet oder durch Neubauten ersetzt. Zeit für eine kritische Würdigung.

          Ein paar Monate lang sind sich fast alle einig, Anhänger wie Gegner von Christoph Mäckler: Die Sache mit dem Opernturm, dem ersten richtigen Hochhaus des Frankfurter Architekten in seiner Heimatstadt, geht schief. Als der Turm im Rohbau Etage um Etage nach oben wächst, scheint es, als entstehe dort ein Monstrum der Langeweile, und das am schönsten Platz der Stadt, dessen Erscheinungsbild Mäckler doch zu schließen und damit zu heilen versprochen hatte. Und als die ersten Elemente der hellen Fassade angebracht werden, sieht es aus, als werde der Turm mit einer Tapete versehen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Es ist dann doch gutgegangen. Wie ein guter Erzähler hat sich Mäckler die überraschende Wendung für den Schluss aufbewahrt. Das Geheimnis des Erfolgs ist der Kopf des Opernturms. Er hebt sich deutlich von den Regelgeschossen darunter ab. In die schmalen Seiten hat Mäckler große rechteckige Fensterflächen eingeschnitten, die Fensterreihen der beiden breiteren Fronten münden oben in langgestreckten Stützen.

          Extravaganz aus der trapezförmigen Gestaltung

          Pathetisch könnte man von einer Krone sprechen, die der Architekt seinem Hochhaus aufgesetzt hat. Die Fernwirkung bestätigt den Herrschaftsanspruch. Der Opernturm, der mit rund 170 Metern Höhe nur der sechstlängste Wolkenkratzer der Stadt ist, ist ein Blickfänger. Sein helles Erscheinungsbild trägt dazu bei, doch wieder ist es die markante Spitze, die Respekt einflößt.

          Kleiner Bruder: Das Büro AS & P hat den Parktower entworfen, lange bevor klar war, wie der Opernturm aussehen würde

          Ein Blick auf ein älteres Modell des Opernturms zeigt, dass Mäckler die Krone zunächst sehr zurückhaltend ausgeformt hatte. Extravaganz bezog sein Entwurf in jenem frühen Stadium eher aus der trapezförmigen Gestaltung. Die Fassaden des durch Fugen in vier Teile gegliederten Turms wurden dabei leicht nach innen angewinkelt, so dass ein Grundriss entstand, der von Ferne an die Form eines Schmetterlings erinnerte. Mit Rücksicht auf die Effizienz der Bürogrundrisse zwang der Bauherr den Architekten, sich von dieser Idee zu verabschieden. Leider, muss man wohl sagen, es wäre spannend gewesen, auch diese Gestaltungsidee einmal in der Praxis ausgeführt zu sehen.

          Die meisten Türme enden jedoch mehr oder weniger unmotiviert

          Man muss sich jedenfalls wundern, wie nachlässig die Frage des oberen Gebäudeabschlusses von vielen Hochhaus-Architekten in Frankfurt behandelt wird. Der Messeturm ist die prominenteste Ausnahme von der Regel: Er variiert die traditionelle Lehre aus Amerika, wonach ein gutes Hochhaus wie eine Säule aufgebaut sein sollte – Sockel, Schaft, Kapitell –, besonders kunstvoll. Und natürlich, das Kronenhaus der DZ Bank folgt dieser Forderung fast schon ironisch-überdeutlich.

          Die meisten Türme enden jedoch mehr oder weniger unmotiviert – als sei man jeder Zeit bereit, das Gebäude aufzustocken; besonders ausgeprägt ist das der Fall beim Commerzbank-Turm, dessen drei Ecken wie Stelzen einer Bohrinsel in den Himmel ragen. Die beiden Türme der Deutschen Bank, die derzeit so saniert werden, dass sie sich anschließend äußerlich unverändert präsentieren, sehen aus wie abgeschnitten. In ihrem Fall ist das allerdings ein Kunstgriff: Sie beziehen ihre Spannung aus ihrem ungewöhnlichen Grundriss mit vielen Knicken und Faltungen.

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