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Hitzewelle : Gutes Wetter, laue Filme: Schlechte Stimmung in den Kinos

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So einen Sommer hat es noch nicht gegeben. Während die Freibäder Höchstauslastungen verzeichnen, blicken andere Freizeitunternehmen tagtäglich mit Entsetzen in den Wetterbericht: Eine "Katastrophe" seien die vergangenen Wochen gewesen, heißt es bei den Kinobetreibern in Frankfurt und Umgebung.

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          So einen Sommer hat es noch nicht gegeben. Während die Freibäder Höchstauslastungen verzeichnen, blicken andere Freizeitunternehmen tagtäglich mit Entsetzen in den Wetterbericht: Eine "Katastrophe" seien die vergangenen Wochen gewesen, heißt es bei den Kinobetreibern in Frankfurt und Umgebung. Zwar sind die Kinos an einen Rückgang ihrer Besucherzahlen im Sommer gewöhnt, doch die Meinung ist einhellig: Ein solches Sommerloch haben die meisten Betreiber noch niemals erlebt. Wenn nur eine Handvoll Zuschauer sich den neuen Chabrol-Film ansieht und nicht einmal die als Blockbuster gehandelten Filme die Säle füllen, geht das einer Branche an die Substanz, die auch in guten Zeiten, bei klirrender Kälte und erfolgreichen Filmen, wenig Rücklagen bilden kann.

          "Alle verhandeln an jeder Ecke", sagt Harald Vogel, der in Sachsenhausen das Programmkino "Harmonie" betreibt. In den vergangenen Wochen war bekannt geworden, daß der Kinokonzern Cinemaxx mit den Vermietern seiner Häuser für die Sommermonate Mietstundungen vereinbart haben soll. Von "Ernteausfällen" wie in der Landwirtschaft, bedingt durch allzu sommerliche Temperaturen, spricht Thorsten Leyrer, der neue Leiter des Offenbacher Cinemaxx. Ob auch das Offenbacher Kino Stundungen vereinbart hat, wollte Leyrer nicht bestätigen. Solch drastische Maßnahmen wie Mietstundungen können zwar nur wenige Kinobetreiber durchsetzen. Doch soll eine große Zahl derzeit mit den Verleihfirmen eine spätere Zahlung der in Deutschland zumeist sehr hohen Verleihgebühren aushandeln. Ende Juni hatte eine Interessengemeinschaft von Kinobetreibern erwogen, den UIP-Film "Hulk" nicht zu zeigen, da der Prozentsatz der Verleihgebühr für Spitzenfilme auf 55 Prozent je Karte hatte angehoben werden sollte. Nichtsdestotrotz spielten auch die meisten Kinos der Rhein-Main-Region dann doch den Film - der weit hinter den erwarteten Zuschauerzahlen zurückblieb. Überhaupt geben die Kinobetreiber die Schuld an der derzeitigen Misere nicht nur den Temperaturen, sondern auch dem dürftigen Angebot: Bisher haben sich Filme wie "Hulk" oder "Drei Engel für Charlie", gedacht als Retter des Sommers, eher als Enttäuschungen erwiesen. Nun soll Arnold Schwarzenegger in "Terminator 3" der darbenden Branche ein wenig Erleichterung verschaffen - ob die Rechnung aufgeht, ist allerdings höchst zweifelhaft.

          Denn auch bei "Terminator 3", der in dieser Woche angelaufen ist, müssen die Filmtheater mehr als 50 Prozent des Billettpreises als Verleihgebühr abführen. Sitzen nur ein paar Dutzend Zuschauer in den großen Sälen, kann auch die als Erfolgsfilm lancierte Schwarzenegger-Produktion schnell zum Handicap eines Kinos werden. Derzeit ist der Film in Frankfurt in sechs Sälen zu sehen, außerdem in zahlreichen Kinos der Region, etwa den Multiplex-Kinos in Offenbach und in Sulzbach. Das sei zuviel, heißt es bei den einen, andere, wie der Marketingleiter von Kinopolis in Sulzbach, Kurt Schalk, können dem nicht zustimmen: Schließlich sei heute die Auswertungszeit auch bei äußerst erfolgreichen Filmen viel kürzer als noch vor einigen Jahren. Filme, die mehrere Monate liefen - Schalk erinnert an den "Club der toten Dichter", der 1989 gute 50 Wochen lang gezeigt worden war - gebe es heute nicht mehr. Inzwischen seien Filme so schnell auf DVD erhältlich oder würden im Fernsehen gezeigt, daß die wenigen Wochen, in denen Interesse an dem Kinoerlebnis bestehe, genützt werden müßten.

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