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"Hitparade der Volksmusik" : Mei, was für eine schöne große Familie!

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"A kloaner Bub" war er, der Stefan, als sie ihm sein goldenes Trompeterl schenkten. Mei, fast zwanzig Jahre ist das her! "Wie lange kenn' wir uns schon?", fragt die Carolin den Stefan. "Mei, scho long", sagt der Stefan.

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          "A kloaner Bub" war er, der Stefan, als sie ihm sein goldenes Trompeterl schenkten. Mei, fast zwanzig Jahre ist das her! "Wie lange kenn' wir uns schon?", fragt die Carolin den Stefan. "Mei, scho long", sagt der Stefan. Sein Trompeterl hat er immer noch. Und seine glücklich dauerlächelnde Stefanie. "Ihr strahlt so eine Harmonie aus." Carolin freut sich über den Stefan und die Stefanie. "Ein Traumpaar", sagt sie, "zusammen sind wir ja alle so eine schöne große Familie!"

          Und mit einem herzlichen "Grüß Gott!" heißt Carolin Reiber ihre Großfamilie willkommen: den Stefan Mross und seine Stefanie Hertel. Den Heino, den Andy Borg, den Jantje Smit, die Judith und den Mel. Und mehr als 6000 Volksmusik-Fans. Sie alle gehören am Samstag abend dazu, zu Carolins großer Familie, zur "Super-Hitparade der Volksmusik" auf Station in der Frankfurter Festhalle. In einer "Traumhalle", an einem "ganz besonderen Abend", sagt Carolin Reiber, die das Familientreffen moderiert.

          "Mei, liebe Damen, Sie haben sich alle wieder so wunderschön hergerichtet", sagt sie in den völlig abgedunkelten Zuschauerraum hinein. Auch sie selbst gibt sich reichlich Mühe. Während drei Stunden Programm präsentiert sie der Familie den kompletten Inhalt ihres Kleiderschranks: Mal tritt sie in Purpurrot auf, mal in Knallegelb. Mal schwebt sie im eleganten Ballkleid die Showtreppe hinunter, mal läuft sie im rustikalen Dirndl über die Bühne. "A richtger Fetzn", sagt Stefan Mross, ehe er loslegt mit seinem goldenen Trompeterl und einer nicht ganz zu Ende deklinierten Liebeserklärung an seine Stefanie: "Ich schenk Dir mein Herzschlag", singt er.

          "Musik, die von Herzen kommt", sagt Carolin. Das hat auch Stefanie längst gemerkt. Nicht länger hält es sie hinter der Bühne. Mit ihren langen, blonden Haaren und einem feschen Dirndl wird sie dort schon von Carolin erwartet: "Mei, Stefanie, wie lang kenn' wir uns schon?" Seit 20 Jahren steht sie auf der Volksmusik-Bühne, sagt Stefanie. Nun singt sie einen ihrer größten Hits: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" Dabei fegt sie mit wirbelndem Dirndl im flotten Tanzschritt über die Bühne und animiert die vorderen Reihen zum fröhlichen Mitschunkeln. "Oans, zwoa, drei", ihr Stefan stimmt mit dem Trompeterl ein: "Lieder, die zu Herzen gehen", singen beide im Duett, noch ein schneller Kuß, dann ist Pause.

          Nun gibt es die Stars zum Anfassen. Gegenüber der Bühne haben sie einen Tisch aufgebaut. Poster, Kalender und Becher gehen über die Ladentheke, alles handsigniert, versteht sich. "Da sind alle Hits drauf", sagt der prächtig gelaunte Mel von "Judith und Mel", der mit bewundernswerter Ausdauer immer wieder seinen Namen auf eine seiner CDs schreibt. "Anstrengend ist das nie", sagt die fröhliche Judith, "wir bleiben hier so lange stehen, bis alle zufrieden sind."

          Wenige Meter weiter ist ein Heino-Pappkamerad aufgebaut. Bis zum Auftritt des Originals müssen die Fans mit seiner Hannelore Vorlieb nehmen. Mit durchdringender Stimme preist sie im Pelzmantel und selbst hinter getöntem Brillenglas versteckt die "Heino-Kultbrille" für nur 20 Euro an. Unaufgefordert sprüht sie den Fans aus einem goldenen Parfümfläschchen den herben Duft ihres Mannes um die Nase. Wer ihr zu nahe kommt, riecht für den Rest des volkstümlichen Abends wie ein Star.

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