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Historische Eisenbahn : Mit Volldampf aufs Abstellgleis

Der Historischen Eisenbahn Frankfurt droht die Versteigerung ihrer Lokomotiven - weil die Bahn keine Fahrten mehr bestellt: „Wenn wir bis zum Jahresende keine Lösung finden, ist es vorbei“, sagt der Vereinsvorsitzende Albert Eckert.

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          Sie sind fast ein Teil des Stadtbildes geworden: die schnaufenden Dampfzüge der Historischen Eisenbahn Frankfurt, die an schönen Tagen am Mainufer entlang und durch das Umland rollen. Jetzt schlägt der kleine Verein technikbegeisterter Bahnfans Alarm: Die Deutsche Bahn AG, die bislang die Dampfzugfahrten in Auftrag gegeben und für regelmäßige Einnahmen gesorgt habe, habe kurzfristig alle Verträge gekündigt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir haben in unsere Dampflokomotiven viel Geld gesteckt“, sagt der Vereinsvorsitzende Albert Eckert aus Königstein. Dafür habe man Kredite in sechsstelliger Höhe aufgenommen. Die Banken drängten: „Wenn wir bis zum Jahresende keine Lösung finden, ist es vorbei.“ Das Schicksal der Lokomotiven, so wie es sich im Augenblick darstelle, sei, versteigert zu werden. Dabei sei es sehr wahrscheinlich, daß die historisch wertvollen Dampfloks ins Ausland, womöglich nach Übersee, gingen. „Das bedrückt die Vereinsmitglieder, aber auch andere Eisenbahnfans in Deutschland zur Zeit sehr“, heißt es bei der Historischen Eisenbahn.

          Kein Geld für Dampffahrten

          Die Frankfurter seien nämlich nicht die einzigen Opfer: DB Nostalgiereisen, so heißt die Abteilung der Bahn für den Dampfzugverkehr, habe überall im Land kurzfristig Verträge gekündigt. Ein Verein gehe dagegen juristisch vor. Die Eisenbahnfans schätzen aber ihre Chancen im Rechtsstreit mit der großen Bahn AG als eher schlecht ein. In Frankfurt beispielsweise hatte man laut Eckert nur noch mündliche Vereinbarungen, nachdem der schriftliche Vertrag vor Jahren ausgelaufen sei, aber niemand ernsthaft die Fortsetzung des Programms bezweifelt habe.

          Zur Zeit setzt man auf die Stammgäste und hat zumindest das Deutsche Reisebüro dafür gewinnen können, die Fahrkarten zu verkaufen. „Bislang hat die gesamte Logistik die Deutsche Bahn AG übernommen“, sagt Eckert. DB Nostalgiereisen aber habe sich, möglicherweise auf Druck von oben, weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen. Die Bahnabteilung habe zwar noch drei Standorte - Oberhausen, Berlin und Frankfurt -, kümmere sich dort aber nur noch um Fahrpläne und Waggons. In der Branche hält sich hartnäckig das Gerücht, die Nostalgietochter der Bahn habe 6,8 Millionen Euro in historische TEE-Triebzüge gesteckt - und sich dabei verspekuliert. Jetzt stünden diese Züge halbfertig herum, und für Dampffahrten sei kein Geld mehr da.

          Dampflokverbot

          Die Bundesbahn hatte sich 1977, wie es damals in einem Slogan hieß, „das Rauchen abgewöhnt“. Für das gesamte Netz wurde ein generelles Dampflokverbot ausgesprochen, das erst acht Jahre später unter restriktiven Auflagen wieder gelockert wurde. Aus Anlaß des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Bahn wurden später Dampflok-Sonderfahrten angeboten - zunächst unter der Regie des Verkehrsmuseums in Nürnberg, später dann von DB Nostalgiereisen.

          Als einer der Stars im Programm, so erzählen es zumindest die Eisenbahnfreunde, galt die legendäre „01“ der Historischen Eisenbahn Frankfurt: eine mehr als 70 Jahre alte Schnellzuglokomotive, von deren Typ es vor zehn Jahren noch 15 Stück gegeben haben soll. Mittlerweile sei die Frankfurter „01“ praktisch die einzige noch betriebsbereite - lediglich in Meinigen sei noch eine in Aufarbeitung. Außerdem haben die Frankfurter eine Güterzuglok „52 4867“.

          Treues Stammpublikum

          Die Frankfurter Eisenbahnfreunde sehen für dieses Jahr noch weitere Schwierigkeiten, die ihnen die Rückzahlung ihrer Kredite nicht unbedingt erleichtern dürften: Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft und des Programms dazu am Mainufer wird ihr Hafenbahnfest, sonst ein beliebtes Dampfzug-Event, voraussichtlich ausfallen. Die nächsten Touren unter Dampf führen übrigens am Karfreitag über Nebenstrecken durch Mittelhessen und am 1. Mai zum Bahnhofsfest nach Westerburg im Westerwald.

          Es ist nicht so, daß die Vereinsmitglieder jetzt händeringend um Fahrgäste bäten - aber eine rege Beteiligung bei den Touren würde ihnen wirtschaftlich schon helfen, meint der Vereinsvorsitzende. Man habe zwar ein sehr treues Stammpublikum. Das allein aber könne den Ausfall der Einnahmen von der Bahn AG nicht wettmachen.

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