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Rathenauplatz in Frankfurt : Hipster-Kringel zum Sitzen

Temporär: Probesitzen auf dem Rathenauplatz mitten in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Das Frankfurter Grünflächenamt kommt dem Wunsch nach, die Aufenthaltsqualität auf dem tristen Rathenauplatz mitten in der Stadt zu verbessern – erst einmal temporär.

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          Seit einem Jahr experimentiert die Stadt Frankfurt mit neuen Sitzgelegenheiten auf den zentral gelegenen Innenstadtplätzen, dem Rathenau- und dem Goetheplatz. Zuerst hat das mittlerweile für die Umgestaltung dieser Plätze zuständige Grünflächenamt auf dem Goetheplatz unterschiedliche Liegen, Bänke und Hocker aus Holz als Mustermöbel aufgestellt. Das Sortiment ist dieser Tage noch einmal ergänzt worden. Nun leuchten auf dem benachbarten Rathenauplatz große, runde, organgefarbene Sitzelemente aus Kunststoff und laden zu einer Pause auf dem steinernen Platz ein. Sie sind allerdings nur als temporäre Lösung vorgesehen. „Wir wollen Sitzangebote und ein bisschen Farbe auf den Platz bringen“, sagt eine Sprecherin.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gäbe es nicht die Corona-Abstandsregeln, könnten vermutlich bis zu zehn Passanten auf einer der neun Bänke Platz nehmen. Derzeit sind es höchstens halb so viele. Aber genutzt werden sie, es vergeht kein Tag an dem sich nicht einige auf den bunten Bänken niederlassen. Offenbar wissen es viele zu schätzen, dass sie in der Innenstadt jetzt eine weitere Möglichkeit zum Sitzen haben, ohne dafür etwas konsumieren zu müssen – für viele Geld

          Das Aussehen gefällt nicht allen. Manche vergleichen die Bänke mit überdimensionalen Donuts, anderen sprechen von „Hipster-Kringeln“. Mit einer klassischen Parkbank oder der üblicherweise eingesetzten „Frankfurter Bank“ haben diese Sitzgelegenheiten keine Ähnlichkeit. Hingucker sind es allemal. Das Amt probiert mit ihnen auch neues Material aus: Die „Kringel“ bestehen aus dem Kunststoff Polyethylen. Zehn Prozent des dafür verwandten Materials stammt aus geschredderten und recycelten Plastiktüten.

          Mobile „grüne Zimmer“

          Ergänzt wird das Angebot auf dem Rathenauplatz durch zwei große, robuste, stand- und sturmfeste Sonnenschirme, die dort bei Wind und Wetter geöffnet stehen können. An Sonnentagen sorgen sie auf dem ansonsten baumfreien Platz für erholsamen Schatten. Auch drei der mobilen „grünen Zimmer“, die seit einigen Jahren in den Sommermonaten auf zahlreichen Frankfurter Plätzen zu finden sind, um diese wenigstens auf diese Art etwas zu begrünen, stehen auf dem Rathenauplatz.

          „Wir wollen mit der Möblierung dem Wunsch vieler Frankfurter nach mehr Aufenthaltsqualität nachkommen“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Denn die geplante, umfassenden Neugestaltung der Platzfolge von Rathenau-,Goetheplatz und Rossmarkt, „die wird noch eine Weile dauern“.

          Die Stadtverordneten haben schon vor fünf Jahren beschlossen, dass etwas geschehen muss mit der 2008 völlig neu gestalteten Platzfolge. Die Frankfurter hatten die Neugestaltung von Anbeginn als „graue Steinwüste“ geschmäht und Nachbesserungen gefordert. Der Bau einer großen Tiefgarage unter den Plätzen hatte seinerzeit den Anstoß gegeben, die Plätze neu zu gestalten. Nach Vorgaben der Stadtplanung wurde bei einem Wettbewerb die später realisierte Gestaltung ausgewählt. Kaum waren die Plätze fertig gestellt, forderten die Frankfurter mehr Grün, mehr Blumen und überhaupt, ein wenig Farbe. Und sie appellierten an die Stadt, Sitzengelegenheiten aufzustellen.

          Diesen Forderungen kommt man nun mit den „Kringeln“ nach. Sie können jederzeit weggeräumt werden, so sind auf dem Platz auch weiterhin Veranstaltungen möglich. Auch der Rossmarkt war seinerzeit mit dem Hinweis, dass er als Fest- und Veranstaltungsort benötigt wird, so leer und steinern angelegt worden. Eine völlig neue Gestaltung wird es also auch künftig nicht geben, die Tiefgarage sowie zahllose darüber liegende Kabel und Schächte machen es zudem fast unmöglich, Bäume zu pflanzen. Das Grünflächenamt stimmt dennoch derzeit Änderungen und neue Elemente mit dem einst beauftragten Berliner Planungsbüro ab, dessen Gestaltung von 2008 vom Urheberrecht geschützt ist. Bis diese Veränderungen beschlossen und realisiert sind, bleibt allen nur die Option, sich über das frische Orange der „Kringel“ zu freuen.

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