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Hilfe vom Jugendamt : „Das war wie Auftanken“

Eine Geschichte, die sie immer wieder einholt: „Ich komme mir vor wie in einem kleinen Boot im Ozean.“ Bild: Hannah Aders

Viele haben Angst vor dem Jugendamt. Es nimmt die Kinder weg, heißt es. Sidika entschied sich zu vertrauen – und fand so auch therapeutische Hilfe bei der „Starken Bande“.

          4 Min.

          Alles steht Kopf. Sidika lebt in Frankfurt, ihr Mann ist tot, die Kinder schwänzen die Schule, eins zündet sogar mal die Bude an. Sidika schafft es nicht mehr, den Alltag zu organisieren. Es ist irgendein Tag im Jahr 2013, und die Frau vom Jugendamt sagt der Mutter von vier Kindern: Entweder Sie geben Ihren Job auf und kümmern sich, oder die Kinder werden in Obhut genommen.

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Frau vom Jugendamt, das ist Sonja Wittig, und sie ist keine Peinigerin, sondern eine einfühlsame und erfahrene Sachbearbeiterin des Frankfurter Jugendamts, Bezirk Bonames. Eines Tages lag auf ihrem Schreibtisch der Fall Sidika, für Wittig natürlich mit dem Nachnamen der Mittvierzigerin und vielen Details, die nicht in der Zeitung stehen sollen. Klar war: Sidika war überfordert. Und Wittig musste, um die Kinder zu schützen, etwas Druck aufbauen, um die Frau davon zu überzeugen, Hilfe anzunehmen.

          Sidika ließ sich darauf ein. Sie gab ihre Stelle als Putzfrau auf und versuchte, zu Hause wieder Ordnung zu schaffen. Doch allein kam sie nicht aus dem tiefen Loch, in dem sie saß. Hilfen zur Erziehung, Beratung für Anträge und Formulare, Familienhilfe – das Jugendamt fuhr alles auf. „Ich habe mich gefühlt, als hätte ich eine ganze Mannschaft nur für mich“, sagt Sidika heute. Aber Wittig merkte, dass es mehr brauchte. Sie vermittelte Sidika daher an die „Starke Bande“. Denn ihr wurde klar, dass ihre Klientin an Traumata leidet, die in einer Therapie bearbeitet werden müssen. Das kann kein Beratungsgespräch leisten.

          Die eigene Geschichte verarbeiten

          Das Jugendamt arbeitet öfter mit den Therapeuten der „Starken Bande“ zusammen. „Wenn in der Mutter-Kind-Beziehung etwas im Argen liegt, zum Beispiel“, sagt Wittig. Die Therapie ist für die Klienten des Jugendamts wichtig, um einen Blick für die Bedürfnisse der Kinder zu bekommen und die eigene Geschichte zu verarbeiten, wie Wittig sagt. Gerade bei der „Starken Bande“ klappt das nach ihren Worten gut: Die Zusammenarbeit stimmt, und die Ausgestaltung der Therapie ist durch Hausbesuche und die große Nähe eine, in der die Klienten sich schneller öffnen können und Erfolge erzielen.

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          „Anfangs dachte ich: Ich bin nicht verrückt, ich brauche das nicht“, sagt Sidika. Doch dann ging sie hin. „Das war wie Auftanken.“ Sie bemerkte, dass sie mit ihrer Therapeutin alles besprechen konnte, was ihr vor ihren Freunden peinlich war. Zum Beispiel, dass sie ihre Kinder nicht im Griff hatte. Sie schämte sich dafür, genauso wie für das, was sie ihre „schlimme Geschichte“ nennt. Es ist eine Geschichte, die sie immer wieder einholt. „Ich komme mir vor wie in einem kleinen Boot im Ozean, aber ich habe nur ein Paddel und drehe mich immer im Kreis.“

          „Ich war wie ein Tennisball, mal hier, mal da“

          Die Geschichte von Sidika beginnt irgendwo in der Türkei. Ihre Eltern kennt sie kaum. Sidikas Mutter war im Alter von 13 Jahren verheiratet worden. Sie muss unglücklich gewesen sein und versuchte, sich zu befreien. Mit 15 verschwand sie. Ihre kleine Tochter verstand das damals nicht, sie wusste nur: Die Mutter war weg.

          Für das Kleinkind war es wie der Fehlstart auf einem Weg, der sehr schwierig werden sollte. Sidika besuchte nie eine Schule, lernte weder lesen noch schreiben. Nach einigem Hin und Her nahm eine Großmutter sie auf, als neuntes Kind. „Ich war wie ein Tennisball, mal hier, mal da.“ So ging es auch weiter. Als sie 17 war und ihre Großmutter wusste, dass sie nicht mehr lange da sein würde, um sich um ihre Enkelin zu kümmern, arrangierte sie eine Adoption nach Deutschland zu einem Onkel.

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