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Hilfe für Obdachlose : Eine warme Decke in eisiger Nacht

  • -Aktualisiert am

Nicht immer wird die Hilfe auch angenommen

Als Nächstes fahren Heuser und Ilgmann-Weiß an den Main. Um sich vor Regen und Schnee zu schützen, liegen die Obdachlosen unter den Brücken. Eine Frau hat ihr Quartier unter der Flößerbrücke errichtet. Ilgmann-Weiß und Heuser kennen sie schon lange. Mitkommen möchte sie nie, hin und wieder nimmt sie aber einen Schlafsack an. Die beiden Sozialarbeiter nähern sich ihr vorsichtig: „Guten Abend, jemand zu Hause?“ Sie schläft bereits und reagiert nicht. Aber für eine kalte Nacht scheint sie ohnehin gut gerüstet zu sein. Oft besteht die Arbeit der Sozialarbeiter hauptsächlich darin, das Überleben der Obdachlosen zu sichern. Die Hilfe geht in Einzelfällen darüber hinaus, wenn Personen an das Wohnungs- oder Sozialamt vermittelt werden, damit ihnen bei der Arbeits- oder Wohnungssuche geholfen wird.

Natürlich sei es unbefriedigend, wenn die Hilfe nicht angenommen werde oder scheitere, sagt Ilgmann-Weiß, und Heuser fügt hinzu, man müsse lernen, Misserfolge als Herausforderungen anzunehmen: „Wir möchten uns verbessern, führen daher regelmäßig Supervisionen durch, besuchen Fortbildungen und wenden neue Methoden an.“ Zum Beispiel haben die beiden einem Obdachlosen einen Brief geschrieben und hinterlegt, um zu ihm langsam Vertrauen aufzubauen. „Geduld ist ganz, ganz wichtig, man darf sich nicht frustrieren lassen“, sagt Ilgmann-Weiß. Auch wenn die Hilfe nicht gelinge, müsse man sicher sein, immer sein Bestes gegeben zu haben. Nur so könne man auch das Elend verarbeiten, das vor allem dann Schwierigkeiten bereite, wenn man noch am Anfang stehe. Die wichtigsten Eigenschaften in diesem Beruf sind laut Heuser Empathie, Verständnis und Professionalität.

Die Arbeit geht den Sozialarbeitern nicht aus

Mitunter werden sie auch von einem Psychiater unterstützt im Umgang mit verhaltensauffälligen Obdachlosen. Auch zur Polizei und zu den Notdiensten halten sie engen Kontakt. Generell habe die Stadt gute Hilfsangebote für Obdachlose, meinen die beiden Koordinatoren des Kältebusses. Der Frankfurter Verein zählt auch zu diesen Angeboten, da er vom Sozialamt finanziert wird. Kurz vor 22 Uhr hält der Kältebus an der Hauptwache. In der B-Ebene sind Kollegen von Heuser und Ilgmann-Weiß schon dabei, die Schlafplätze vorzubereiten. An der Katharinenkirche wartet eine junge Frau mit ihrem Hund. Auf der Weihnachtsfeier ihres Freundes hat sie etwas Geld für den Kältebus gesammelt und möchte es gerne persönlich übergeben. Ilgmann-Weiß freut sich und sagt lachend: „Das habe ich auch noch nie erlebt, echt lieb von ihr.“

In der B-Ebene verteilen einige Männer Essen, Schuhe und Kleidung an die Obdachlosen. Heuser sagt, die Hilfsbereitschaft sei zwar schön, aber hier unten störe sie manchmal die Arbeit seiner Kollegen. Besser sei es, Sachspenden an die Übernachtungsstätte zu schicken. Die Arbeit geht den Sozialarbeitern nicht aus. Vor allem nicht an kalten Tagen wie diesen. „Im Winter haben wir bis zu 15 Überstunden in der Woche“, sagt Ilgmann-Weiß. Auch diese Nacht ist noch nicht zu Ende, selbst wenn es ausnahmsweise nur wenige Aufträge gibt. Zwischen den Bürotürmen verschwindet der Kältebus in die Nacht. Das nächste Ziel ist der Campus Bockenheim.

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