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Jubiläum im Palmengarten : Ein Spiel aus Licht, Schatten und Geräuschen

Zukunftsvision für den Palmengarten: ein organisch geformter Pavillon, in dem der Mensch hörbar mit Pflanzen in Verbindung treten kann. Bild: Maximilian von Lachner

Im Jubiläumsjahr des Frankfurter Palmengartens haben Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ein Raumobjekt installiert, das Pflanzen auf besondere Weise präsentiert.

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          „Spielereien mit den Möglichkeiten“ nennt Palmengarten-Direktorin Katja Heubach das, was sich der Schaugarten für dieses Jahr, in dem er sein Bestehen seit 150 Jahren feiert, vorgenommen hat. Dieser botanische Garten stehe natürlich für Tradition und Geschichte, sagt Heubach, aber dass es ihn bis heute als „Aushängeschild der Stadt“ gebe und dass er weder an Fläche noch an Bedeutung eingebüßt habe, das habe viel damit zu tun, dass die Verantwortlichen immer auch mit der Zeit gegangen seien. Mit der Frage „Wie sieht die Zukunft aus?“ haben sie sich im Jubiläumsjahr deshalb an das Institut für Materialdesign der Hochschule für Gestaltung in Offenbach gewandt. Dessen Antwort ist außergewöhnlich und raumgreifend. Sie ist bis Ende Oktober im Palmengarten zu sehen und zu hören, und wirkt bei Tageslicht ganz anders als in der Dämmerung und bei Nacht.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Imd_plant transistor“ lautet der Titel des mit zahlreichen Pflanzen bewachsenen Raumobjekts, das auf der großen Spielwiese ganz im Norden des Palmengarten-Geländes, direkt vor dem Haus Leonhardsbrunn, installiert wurde. Exotisch, fast „ein bisschen außerirdisch“ mute dieser Pavillon an, meint Direktorin Heubach, wie ein „eigener Organismus“. Vor allem aber wirke es „sehr zukunftszugewandt“.

          Frische Ideen: Studierende der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) präsentieren ihre Rauminstallation im Palmengarten.
          Frische Ideen: Studierende der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) präsentieren ihre Rauminstallation im Palmengarten. : Bild: Maximilian von Lachner

          Rund ein Jahr lang haben sich acht Studenten des Studiengangs Design im Fachbereich Materialdesign mit dem Palmengarten und seinen „Transformationen im Wandel der Zeit“ auseinandergesetzt. Dabei sind sie von der Grundannahme ausgegangen, dass der Schaugarten ein Ort in der Stadt sein soll, an dem sich Pflanze, Natur und Mensch begegnen. Mit ihrem Objekt wollen sie zeigen, wie dieses Zusammenspiel in Zukunft aussehen könnte.

          Eine besondere akustische Dimension

          Die besondere Raumstruktur dieses Pavillons ergibt sich aus dicken Bündeln aus Weidenruten, gebogen in Form der Fibonacci-Folge. Die Weidenruten stammen wie alle pflanzlichen Materialien der Installation aus dem Palmengarten selbst und wurden von den Studenten zu Bündeln verdrahtet und verflochten. Überzogen ist diese Struktur in weiten Teilen mit einer weißen, mehrlagigen Textilmembran. Dass dieser Stoff an manchen Stellen große Löcher aufweist, an anderen aber eher wie ein Spinnennetz aussieht, hat nach Angaben der Studenten damit zu tun, dass sie sich bei der Ausgestaltung der Membran an der Natur orientieren wollten, die ein besonderes Spiel aus Licht und Schatten bietet.

          Wer sich dem Pavillon nähert, nimmt schnell wahr, dass sich hier noch eine weitere Dimension öffnet: die akustische. Denn an den Pflanzen sind Elektroden angeschlossen, die Impulse messen und in Licht und Geräusche verwandeln. Dabei wird nicht etwa die möglicherweise vorhandene Kommunikation der Pflanzen untereinander registriert, sondern die Geräusche, die insbesondere der Mensch auslöst, wenn er sich der Bepflanzung nähert, beispielsweise um die Pflanzen zu gießen. Es können aber auch Insekten und Vögel oder einfach nur ein Windhauch der Auslöser sein, die sich bei den auf kleinen Hügeln drapierten Pflanzen als Geräusch oder Klang bemerkbar machen und via Synthesizer zu Gehör gebracht werden. Gleichzeitig werden die Geräuschimpulse auch über farbige LED-Leuchtstränge angezeigt – eine Visualisierung, die erst mit der Dämmerung und nach Einbruch der Dunkelheit ihre ganze Wirkung zeigt.

          Zum 150. Geburtstag was Neues: Der Palmengarten wird aufgemotzt.
          Zum 150. Geburtstag was Neues: Der Palmengarten wird aufgemotzt. : Bild: Maximilian von Lachner

          „Wir wollen erfahrbar machen, dass sich etwas regt an den Pflanzen und dass man mit den Pflanzen in Kommunikation treten kann“, sagt Leonard Neunzerling, einer der Designstudenten. Insgesamt sieben solcher Stationen, die die Impulse an den Pflanzen messen und in Licht und „Sound“ übersetzen, gibt es in dem Pavillon. Die Geräte liegen versteckt unter den Hügeln, die mit Salbei, Weihrauch, Duftpelargonien und verschiedenen Kletterpflanzen besetzt sind. Die Gärtner des Palmengartens sind zuversichtlich, dass nicht nur die Menschen den Pavillon für sich erobern, sondern auch die Pflanzen, und die gesamte Konstruktion so immer mehr einwächst. Ergänzt wird das Gesamtarrangement von großen Palmen in Kübeln, denn die, so Neunzerling, gehörten zwangsläufig zu diesem Schaugarten, und daran werde sich auch in der Zukunft nichts ändern.

          Die Lichtinstallation erfordert von den Besuchern des Palmengartens, die über keine Jahreskarte verfügen – für die ist der Zugang bis 22 Uhr möglich – einiges an Geduld. Denn der Garten schließt zwar um 19 Uhr, erlaubt aber den Verbleib bis in die Dunkelheit hinein. Direktorin Heubach will aber auch bald wieder Abendführungen anbieten, jetzt, da der Palmengarten endlich wieder frei zugänglich ist, ganz ohne Einlassbegrenzungen und Besucherregistrierungen.

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