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Hessische Polizei : Kommunikation als stärkstes Mittel

Nach den Krawallen: Beamte sorgen für die Einhaltung des Betretungsverbots des Opernplatzes nach Mitternacht. Bild: dpa

Hat die hessische Polizei ein Rassismusproblem? Seit den Vorfällen am Frankfurter Opernplatz werden Stimmen einer Pauschalkritik immer lauter. Jetzt liegt es an den Beamten selbst, verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

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          Die Polizei sucht Nachwuchs. 500 Ausbildungsplätze sind bis September zu vergeben. Doch es mangelt an geeigneten Bewerbern. Die Gewerkschaft der Polizei rechnet damit, dass etwa ein Fünftel der Stellen nicht besetzt werden kann. Viele, die vielleicht einst mit dem Gedanken gespielt haben, eine Karriere innerhalb der Polizei anzustreben, ziehen mittlerweile andere Berufe vor. Solche, die mehr Anerkennung versprechen. Solche, für deren Wahl sie sich nicht rechtfertigen müssen und in denen Beschimpfungen nicht zum Alltag gehören.

          Wer will potentiellen Bewerbern eine solche Entscheidung verübeln? Schließlich ist das Internet voll mit Videos, die verbale und körperliche Angriffe auf Beamte zeigen. Seit den gewaltsamen Ausschreitungen auf dem Frankfurter Opernplatz vor zwei Wochen sind einige Clips hinzugekommen. Die Videos machen Antiwerbung für einen Beruf, der zudem in den vergangenen Jahren immer wieder Pauschalkritik ausgesetzt war. Darunter der Vorwurf, die hessische Polizei habe ein Rassismusproblem.

          Vorfälle nicht verharmlosen

          Klar ist: Es müssen Strukturen geschaffen werden, um dies unabhängig zu prüfen und Vorfälle nicht zu verharmlosen. Im Alltag aber sind es die Beamten selbst, die es im Kontakt mit der Bevölkerung schaffen können, verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Denn den Rassismusvorwürfen kann glaubhaft nur durch ein vorbildliches Auftreten der Polizei begegnet werden.

          Am Wochenende haben zahlreiche Polizisten auf dem Opernplatz gezeigt, wie der Dialog mit den Bürgern gelingen kann. Sie haben denjenigen, deren Daten sie kontrolliert haben, genau erläutert, wieso die Polizei mit einem Großaufgebot zugegen ist, haben erklärt, weshalb sie kontrollieren, wen sie kontrollieren, haben sich bei denen bedankt, die kooperierten. Übrigens, das waren die allermeisten.

          Eines ist deutlich geworden: Das effektivste Mittel der Polizei ist eine offene Kommunikation. Und zwar mit allen Bürgern. Auch mit denen, die sie kritisieren. Den Demonstranten, die den Einsatzkräften am Samstag unter anderem „Racial Profiling“ vorgeworfen haben, sind deshalb zwei Kommunikationsbeamte entgegengetreten. Dabei handelt es sich um Polizisten, die besonders darin geschult sind, angespannte Situationen verbal zu entschärfen, zuzuhören, den Dialog zu suchen, zu vermitteln. Polizisten und Demonstranten standen sich an diesem Abend gegenüber. Wie schon so oft. Aber diesmal wurde geredet. Von Mensch zu Mensch. So sollte es sein.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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