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Öffnung für Vereinssport : Endlich Bahnen statt Badewanne

Wiedereröffnung um Mitternacht: Der Verein SG Frankfurt kann wieder im Freibad Hausen trainieren. Bild: Diana Cabrera Rojas

Frankfurts Bäder haben wieder für Vereinsschwimmer geöffnet. Die Wartezeit wurde mit Trockenübungen, Online-Kursen und Krafttraining überbrückt. Dennoch machen sich jetzt die fehlenden Trainingseinheiten bemerkbar.

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          Angespannt stehen die Jugendlichen an der Beckenkante und blicken auf die Wasseroberfläche. Als dann pünktlich um 0.00 Uhr das erlösende Kommando ertönt, springen die Nachwuchssportler der Schwimmgemeinschaft Frankfurt (SG Frankfurt) ins Becken des Freibads Hausen. Denn dank der Lockerungen der Corona-Verordnungen dürfen zumindest Vereinsschwimmer vom 1. Juni an wieder ihre Bahnen ziehen. Die Teilöffnung der Schwimmbäder ist eine Befreiung für die Wassersportler, die seit März auf dem Trockenen gesessen haben.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Lino Lucio hat sich diesen Moment mit jeder Faser seines Körpers zurückgesehnt. Seit zehn Jahren schwimmt der Fünfzehnjährige im Verein, war in der vergangenen Saison hessischer Meister. Die Schließung der Bäder hat ihn getroffen: „Ich habe das so sehr vermisst“, sagt der junge Leistungssportler. „Wenn man jeden Tag im Wasser ist und dann plötzlich nicht mehr, tut das schon weh.“ Sanft und scheinbar mühelos durchschneidet Lino das Wasser, zieht eine Bahn nach der anderen.

          „Es fühlt sich wunderschön an“

          Atemlos taucht Nicola Schmitz am Beckenrand auf. Schon einen Moment darauf huscht ein Lächeln über das Gesicht der Fünfzehnjährigen. „Es fühlt sich wunderschön an. Man fühlt sich so getragen, als würde man wieder schweben.“ Vor dem Ausbruch der Pandemie haben Lino und Nicola fast jeden Tag im Wasser trainiert. Eine Routine, die viel Zeit und Kraft erfordert. „Das hat mir unfassbar gefehlt die letzten Tage“, sagt Nicola. „Es ist deprimierend, wenn man plötzlich nicht mehr seiner Leidenschaft nachgehen kann.“

          Die Wartezeit wurde mit Trockenübungen, Online-Kursen und Krafttraining gefüllt. Dennoch machen sich jetzt die fehlenden Trainingseinheiten bemerkbar. Schmitz spürt die schwächelnde Ausdauer – besonders in der Lunge. Auch Lino eine Bahn weiter muss sich bei aller Euphorie noch wieder eingewöhnen: „Erstmal bin ich nur froh, wieder im Wasser zu sein. Ich meine, die Badewanne ist da nur ein schlechter Ersatz für.“ Die beiden hoffen, spätestens für die nächste Saison wieder fit zu sein, denn ihr Traum ist Olympia.

          Endlich Rückkehr durchsetzen

          Vom Beckenrand aus beobachtet Michael Ulmer seine Schützlinge. Er ist Sportdirektor des SG Frankfurt, eines Zusammenschlusses von acht Schwimm- und Wassersportvereinen mit mehr als 7000 Mitgliedern. Zu diesen zählen auch Olympiateilnehmer und Europameister. Ulmer ist erleichtert, dass der Schwimmsport in Frankfurt endlich seine Rückkehr durchsetzen konnte. „Das war die schlimmste Krise, die wir je erlebt haben.“ Nicht nur, dass die Sportler nicht trainieren konnten: „Uns sind die Einnahmen weggebrochen – besonders bei den Schwimmkursen.“ Sie sollen aber bald wieder angeboten werden, und für Winter hofft Ulmer auf die ersten Schwimmmeisterschaften.

          Zu verdanken hat man die Öffnung unter anderem dem Sicherheitskonzept. „Wir achten auf Hygiene und Abstand vom Eingang beginnend“, sagt Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäder Betriebe Frankfurt GmbH. „Es wird dokumentiert, wer ins Bad geht, die Besucher müssen sich eintragen. Wir haben eine Maskenpflicht im Eingangsbereich, in Garderoben- und Umkleideräumen.“ Diese Bereiche sollen zudem verstärkt mit zusätzlichem Personal gereinigt und desinfiziert werden. Gleiches gelte auch für die Duschen, bei denen man darauf achten werde, dass möglichst wenige Besucher zusammenkämen und somit genug Abstand vorhanden sei. Das Konzept decke aber auch das Verhalten im Wasser ab. So gelte auch im Becken eine Abstandsregelung. „Wir freuen uns, dass wir wieder loslegen dürfen. Das ist mir erst mal das Wichtigste“, sagt Zielinski.

          Vier Betriebe sollen in Frankfurt zunächst wieder öffnen: die Freibäder Hausen und Silobad sowie die Hallenbäder Rebstockbad und Panoramabad Bornheim. Wie gut die Hygienekonzepte nun in der Praxis funktionieren, davon sollen sich zunächst nur die Vereinsschwimmer überzeugen. Der Vorteil sei, dass die Leistungssportler in kleinen Gruppen trainierten und sehr diszipliniert seien. „Wir müssen sehr viel regulieren. Aber wir trauen uns das zu“, sagt Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU). Neben den Konzepten für die Sportler habe man auch Pläne erarbeitet für weitere Gruppen wie Kinder, Schwimmanfänger und Senioren. Am wichtigsten sei, das Schwimmen für alle wieder zu ermöglichen. Mit der ersten Gruppe um Lino und Nicola habe man den ersten wichtigen Schritt getan.

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