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Milliarden für S-Bahn-Netz : Bauboom für mehr Pünktlichkeit

Knotenpunkt: Die S-Bahn-Station Gateway Gardens könnte schon Ende 2018 in Betrieb genommen werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Bagger rollen, Kräne drehen sich, und der Verkehrsminister reibt sich die Hände: Ortstermin bei den drei großen Frankfurter Eisenbahnprojekten. Es geht voran.

          Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) kann es gar nicht richtig fassen, dass an der Strecke der S6 nach Bad Vilbel nun ein Bagger im Gleisbett steht. Oder dass im Flughafenstadtteil Gateway Gardens Beton in den dort entstehenden unterirdischen Bahnhof der S-Bahn gepumpt wird. Es gibt sogar noch eine dritte Baustelle in der Stadt, die den Eisenbahnverkehr in eine bessere Zukunft führen soll, nämlich eine Fläche im Westen des Hauptbahnhofs. „Ich bin froh über diese Baustellen“, sagt der Minister.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich sind in den vergangenen zwei Jahren Taten und Wunder geschehen, an die man gar nicht mehr glauben mochte. Jahrzehntelang wurde über den Ausbau des überlasteten Schienennetzes diskutiert, immer neue Berechnungen wurden angestellt, Kosten überschlagen, Strecken überlegt. Es gab sogar einen Masterplan, der „Frankfurt Rhein-Main Plus“ genannt wurde und großspurig eine Verstärkung des Schienenknotens versprach. Geschehen ist jedoch wenig bis nichts. Bisher jedenfalls.

          Doch nun läuft der Minister zusammen mit Chefs der Bahn und des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) in Gateway Gardens durch eine unterirdische Kathedrale, 20 Meter breit und an die zehn Meter hoch. Hier entsteht gerade das Gewölbe der S-Bahn-Station Gateway Gardens, die für die bald 18.000 Beschäftigten dieser Bürostadt einmal den Eingang zum Nahverkehr bilden wird. Zum Flughafen wird es dann nur noch ein Katzensprung sein, und auch den Hauptbahnhof werden die Fahrgäste in zehn Minuten erreichen.

          Zwölf Milliarden Euro teures Projekt

          Zwei Kilometer lang wird der Tunnel sein, durch den die S-Bahn ins Herz des neuen Gewerbegebiets einfährt, die Röhre führt unter der B43 und der A5 hindurch. Gebaut wird in offener Bauweise, tonnenweise Erde wurde mit Lastwagen aus der Grube gefahren, bis diese eine Tiefe von 20 Metern erreicht hatte. Längst ist die Bodenplatte, die das Grundwasser niederdrückt, gehärtet, sind die Seitenwände mit Ankern fest stabilisiert. Nun wird der Deckel auf den Tunnel gesetzt und das Gewölbe des Bahnhofs gegossen. Wann das Bauwerk fertig ist? Im April oder Mai nächsten Jahres werde der Rohbau beendet sein, sagt Projektleiter Uwe Schmidt. Und wann fährt die erste Bahn? „Am 15. Dezember 2019“, antwortet Schmidt, fügt aber das Wörtchen „vielleicht“ an. Schließlich haben seine Bauleute noch einen Winter vor sich. Da müsse die Temperatur nur einmal unter minus fünf Grad fallen und schon könne er nicht mehr betonieren, sagt Schmidt.

          Rhein-Main-Plus-Offensive: Die Großbaustelle Homburger Damm an der Weilburgerstraße in Frankfurt. Bilderstrecke

          Zwölf Milliarden Euro sollen im Rahmen des Projekts „Frankfurt Rhein-Main Plus“ in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in das hiesige Schienennetz gesteckt werden. Mit Kosten von etwa 260 Millionen Euro ist die S-Bahn-Verbindung nach Gateway Gardens formal eines der kleineren Projekte. Auch die zwei neuen Gleise für die S6 nach Bad Vilbel bewegen sich mit derzeit 323 Millionen noch in einem überschaubaren Rahmen, ebenso der etwa 130 Millionen Euro teure Bau eines zusätzlichen Gleises am Homburger Damm auf der Nordseite des Hauptbahnhofs, auf dem künftig Regionalzüge kreuzungsfrei in Richtung Rheingau und Limburg fahren können.

          Pünktlichkeit auf Regionalstrecken verbessern

          Im Vergleich zu den Kosten der milliardenteuren Neubaustrecken nach Fulda oder Mannheim sind diese Beträge Peanuts. Doch es sind sozusagen goldene Erdnüsse, denn sie werden die Pünktlichkeit auf den Regionalstrecken verbessern und neue Zugangebote ermöglichen. Das jedenfalls erhoffen sich Minister Al-Wazir und die Herren von Bahn und RMV.

          Beim Ortstermin am Bahnübergang Bonameser Straße zwischen Frankfurter Berg und Bonames können sie sich davon überzeugen, dass tatsächlich an den beiden neuen Gleisen, auf denen einmal die S-Bahn unbehindert von Fern- und Regionalzügen verkehren soll, gearbeitet wird. Die Mitarbeiter von Projektleiter Julian Fassing verlegen hier zuerst die alten Gleise um 25 bis 30 Zentimeter. Denn auf dem Korridor, der den Bauleuten zur Verfügung steht, herrscht Platzmangel, weshalb an vielen Stellen die alten Schienen etwas verrückt werden müssen. Wobei die Bahn die Gelegenheit nutzt, die alten Gleisbette zu ertüchtigen und auf einen modernen Stand zu bringen. 2022 sollen die ersten S-Bahnen auf den neuen Gleisen rollen, verspricht Fassing. Minister Al-Wazir vergisst nicht hinzuzufügen, dass dann nicht nur für die Pendler, sondern auch für die Anwohner alles besser sein wird. Denn dann gebe es zum ersten Mal an dieser altehrwürdigen Strecke einen Lärmschutz.

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