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Herrenloses Obst für alle : Her mit der Kirsche

  • -Aktualisiert am

Zugriff: Unter mundraub.org. kann jeder Obstbäume im öffentlichen Raum auf einer Google-Deutschlandkarte eintragen Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Obst wächst überall in Hessen - auch im öffentlichen Raum. Oft fallen die Früchte zu Boden und verrotten. Eine Internetseite listet herrenloses Obst unter anderem in Frankfurt auf.

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          Franziska hat einen Sauerkirschbaum im Garten, kann damit aber nichts anfangen. Vlado sucht Kirschen, um daraus Fruchtwein zu machen. Dass die beiden sich gefunden haben, verdanken sie der Internetseite mundraub.org. Dort kann jeder Obstbäume im öffentlichen Raum auf einer Google-Deutschlandkarte eintragen und so nah ranzoomen, dass er sieht, wo in Frankfurt legal Äpfel, Mirabellen oder Zwetschgen aufzulesen sind. Franziska hat ihren Kirschbaum eingetragen, obwohl der nicht im öffentlichen Raum steht; doch weil die Studentin mit den vielen Früchten nichts anfangen kann, gibt sie allen, die wollen, etwas ab.

          Am ersten Tag kamen 28 Anrufe, Vlado kam erst etwas später in ihren Garten in Hausen und musste sich mit den Restkirschen begnügen. Die Idee, herrenloses Obst im Internet für alle Früchtefreunde auszuschreiben, gefällt ihm. Im Sommer ist er gewissermaßen Selbstversorger, das heißt, er sammelt Früchte, anstatt sie zu kaufen. Das habe er von seinem Vater gelernt, der aus Kroatien stamme, erzählt er. Da hatte man wenig und schaute sich um, was die Natur hergab. Bäume schütteln, bis was runterfällt, oder gar aus Gärten klauen kommt für Vlado nicht in Frage. Ist aber auch nicht nötig, wenn man weiß, wo was gedeiht.

          Freiobst „auf dem Weg vom Kiosk zur Autobahnunterführung“

          Seine Geheimtipps trägt Vlado allerdings nicht im Internet ein. Er hat nämlich beobachtet, dass dann viele Menschen kommen und das Obst schon unreif pflücken, um „auf jeden Fall was mitzunehmen, aus Angst, gar nichts zu kriegen“. Das gefällt ihm nicht und wäre abgesehen davon der Qualität seines Weins, den er an Freunde weitergibt, abträglich. Aber dass im Niddapark, ganz in der Nähe seiner Wohnung, viele schöne Obstbäume stehen, verrät er. Nur Birnen sind rar: „Ich kenne da nur einen schönen Baum in Frankfurt“, sagt Vlado ganz traurig.

          Die Internetseite verrät dafür ein paar andere Fundstellen in der Stadt: Maulbeeren im Ostpark (“auf dem Weg vom Kiosk zur Autobahnunterführung“), Walnüsse (“auf dem Max-Bromme-Steig einen Weg schräg nach rechts oben nehmen“) und Sauerkirschen im Günthersburgpark (“vor allem auf der oberen Wiese“). Dort stehen auch noch viele Bäume, die nicht eingetragen sind, schwer hängen schon die Äpfel und die Zwetschgen von den Zweigen. Andere auf Bäume hinweisen kann man auf mundraub.org anonym, allerdings soll man vorher bestätigen, dass man sicher ist, dass der Baum niemandem gehört.

          Fruchtwein blubbert neben Arbeitsunterlagen

          Vlado kennt seine Bäume und hat die Fruchtweinproduktion im Arbeitszimmer schon begonnen: „links die Unterlagen, rechts blubbert es“. Sein Vater, der auch in Frankfurt wohnt, macht lange Spaziergänge und gibt auch dem Sohn Bescheid, wenn er einen neuen Baum entdeckt hat. Der sammelt weiter, obwohl er sich Obst aus dem Laden auch leisten könnte: Vlado arbeitet als „Projektmensch“, wie er sagt, bei einer Bank.

          fhau.

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