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Hells Angels : Türkische Rocker haben starken Zulauf

Zwar sind die Charter unter den Hells Angels befriedet, aber es ist fraglich, ob es so ruhig bleibt. Bild: dpa

Die türkische Fraktion der Hells Angels wächst an. Das macht sie intern zur Konkurrenz anderer Charter in Hessen. Der Kampf um die Vorherrschaft ist noch lange nicht beendet.

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          Die Gefahr, dass es in Hessen zu weiteren Auseinandersetzungen unter Rockergruppen kommt, besteht nach wie vor. Die Polizei ist skeptisch, dass die Konflikte, die auch mit Waffen ausgetragen werden, dauerhaft gelöst sind. Nach Informationen der F.A.Z. wurde vor einigen Wochen ein neues Charter, also ein Club, der Hells Angels in Gießen gegründet. Pläne für dieses Charter gab es schon seit langem. Allerdings gehören dem Club nicht die sogenannten Old Schooler an, womit die deutschen Hells Angels gemeint sind, die laut Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden schon seit langem Geschäfte rund um Prostitution, Waffen und Drogen vorwiegend im Frankfurter Bahnhofsviertel betreiben.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das mittelhessische Charter wird von der türkischen Fraktion der Rocker-Vereinigung geführt, die seit 2013 in Hessen einen internen Machtkampf gegen die „Alteingesessenen“ führt. Deswegen kam es auch zu der Schießerei vor einem Jahr vor dem Frankfurter Katana Club, bei der auch der Anführer der türkischen Rocker, Aygün M., verletzt wurde.

          Weiteres Charter in Wetzlar geplant

          Aus der Szene heißt es, man habe sich „geeinigt“. Gemeint ist ein Schiedsspruch am 5. Juni auf dem „World Officer Meeting“, einem internationalen Treffen der Hells Angels in Griechenland. Dort ging es darum, wie viel Macht man den türkischen Mitgliedern, die bundesweit in die Geschäftsfelder der deutschen Hells Angels drängen, zugestehen wolle. Das internationale Gremium, so ist zu hören, beschloss, die türkischen Gruppen sollten eine „Existenzberechtigung“ in Deutschland bekommen und eigene Charter gründen dürfen. Das wurde von den deutschen Hells Angels nur widerwillig akzeptiert.

          Außer dem Charter in Gießen, das bisher nur inoffiziell bestand, ist dem Vernehmen nach ein weiteres in Wetzlar geplant. Ob der Schiedsspruch für einen längerfristigen Frieden zwischen den beiden Lagern sorgt, das warten nun auch die Sicherheitsbehörden ab. Im hessischen Landeskriminalamt heißt es, man habe „die Szene weiterhin verstärkt im Blick“. Nach der Schießerei im vergangenen Jahr hatte die Polizei schon weitere Auseinandersetzungen befürchtet. Es blieb aber bei bloßen Machtdemonstrationen wie provozierende Konvois durch das Frankfurter Bahnhofsviertel oder um das von den Gruppen umkämpfte Großbordell in Pohlheim bei Gießen.

          Türkische Fraktion mehr als 100 Mann stark

          Man sei sich „aber sehr bewusst“, so heißt es weiter im LKA, „dass sich die Auseinandersetzungen jederzeit wieder entzünden können“. Die angestammten Hells Angels rund um deren Frankfurter Anführer Walter B., der zwischenzeitlich als Nachfolger von Deutschland-Chef Frank Hanebuth gehandelt wurde, beobachten seit längerem schon einen starken Zulauf in die türkische Szene. 170 Mitglieder zählen die „Old Schooler“ in Hessen, in diese Zahl sind die niedrigeren Chargen wie die sogenannten Prospects und Hangarounds noch nicht eingerechnet.

          Die Stärke der türkischen Fraktion, die sich um Anführer Aygün M. schart, wird ebenfalls auf mehr als hundert geschätzt – Tendenz stark wachsend. Aygün M. hat sich innerhalb der Rockerszene hochgearbeitet. Früher war er Chef der „Brigade 81“, einer Untergruppe, die etwa als „Sicherheitsdienst“ vor allem den inzwischen verbotenen Frankfurter Chartern zugeliefert hat. 2013 wollte er sich dann „selbständig“ machen.

          Hells Angels scheinen Rivalen zu dulden

          Die Macht der türkischen Hells Angels wächst auch, weil sich in ihrem Umfeld ständig neue Gruppierungen bilden. Die „Osmanen“, die sich offiziell als Boxclub bezeichnen, sind schon seit einiger Zeit als Unterstützergruppe für die Riege rund um Aygün M. aktiv, sie drängen offenbar vor allem in die Türsteherszene. Der neu gegründete „Lions Fight Club“ wird ebenfalls den „Osmanen“ zugerechnet.

          Derzeit scheint es, als duldeten die deutschen Hells Angels den Vormarsch ihrer Rivalen. Die Verbote der beiden Frankfurter Charter im Jahr 2012 hatten ihnen zugesetzt, wenngleich sie ihre Geschäfte weiter fortführen konnten. Mit dem Charter „West City“ haben sie vor kurzem ein neues Refugium für Frankfurt gegründet – ein Zeichen, dass der Kampf um die Vorherrschaft noch lange nicht beendet ist.

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