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Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde : Frankfurter Moscheeverein unter starkem Druck

  • -Aktualisiert am

Umstritten: Imam Sabahattin Türkyilmaz in seiner Frankfurter Moschee Bild: Helmut Fricke

Die Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde in Frankfurt will am Dienstag zu den Vorwürfen gegen ihren Imam Sabahattin Türkyilmaz Stellung nehmen. Politiker und der Rat der Religionen fordern die Abberufung des umstrittenen Imams.

          Die Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde in Frankfurt will am Dienstag zu den Vorwürfen gegen ihren Imam Sabahattin Türkyilmaz Stellung nehmen. Das hat Ünal Kaymakci, Generalsekretär der Gemeinde, am Freitag angekündigt. Unterdessen wächst der Druck auf die Gemeinde, deutliche Konsequenzen zu ziehen und sich von dem Geistlichen zu trennen. Das fordern Politiker und der Frankfurter Rat der Religionen.

          Zunächst war schon für gestern erwartet worden, dass der Vorstand sich zu dem umstrittenen Geistlichen öffentlich äußert. Der Vorstand hatte am Donnerstagabend getagt. Wie Kaymakci sagte, ist sich das Gremium über den weiteren Umgang mit dem Geistlichen tendenziell einig. Was das genau heißt, wollte er aber nicht ausführen. „Das wollen wir am Wochenende zuerst mit der Gemeinde besprechen.“

          „Politische und antisemitische Dimensionen“ inakzeptabel

          Wie berichtet, ist der Imam in die Kritik geraten, seit ein Fernsehbericht unter anderem gezeigt hatte, dass er in Berlin an einer Al-Quds-Demonstration teilgenommen hatte. Der Rat der Religionen distanzierte sich schon vor einer Woche von dem Imam, da diese regelmäßigen Solidaritätskundgebungen für die Palästinenser antisemitisch seien und das Existenzrecht Israels in Frage stellten. Der Imam bestritt, sich entsprechend geäußert zu haben. Dann wurde eine Predigt des Geistlichen zum Al-Quds-Tag im September 2009 bekannt, in der er sich auf Ajatollah Khomeini berufen und gesagt hatte, nur weil die Muslime zu der Besatzung Palästinas geschwiegen hätten, „konnten die Imperialisten Afghanistan und Irak ebenso besetzen“. Und: „Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien.“

          Mit Bezug auf diese Predigt hat die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) Kaymakci und Türkyilmaz geschrieben und deutlich gemacht, dass die dort implizierten „politischen und antisemitischen Dimensionen“ inakzeptabel seien. Kaymakci sagte, er habe die Predigt nicht gekannt. Ihretwegen habe der Vorstand aber „sehr ernst und bestimmt“ mit dem Imam gesprochen.

          Koordinierungsstelle gegen Antirassismus

          Eskandari-Grünberg sagte am Freitag, die von der Gemeinde zu ziehenden Konsequenzen seien „überfällig“. Damit forderte sie die Gemeinde indirekt dazu auf, sich von dem Geistlichen zu trennen. Ein Imam sei verpflichtet, die Gesetze und Werte Deutschlands zu wahren und zu verteidigen. „Der Staat kann erwarten, dass Verantwortungsträger ihre Gemeinschaft in diesem Sinne führen und vertreten.“ Athenagoras Ziliaskopoulos, Vorsitzender des Rates der Religionen, forderte ebenso wie CDU, SPD und die Linke in Frankfurt, die Gemeinde solle den Imam abberufen. Thomas Kirchner, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, das Maß sei voll. An einer Kundgebung wie der Al-Quds-Demonstration in Berlin könne man „nicht einfach mitlaufen“, wie es bisher von der Gemeinde dargestellt worden sei. In dieser Hinsicht müsse sich auch Kaymakci deutlich äußern.

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling sagte, wer sich wie Türkyilmaz auf einen menschenfeindlichen Extremisten wie Khomeini berufe, zeige, dass er zur Integration nicht bereit sei. Die Gemeinde solle auch ihr Verhältnis zum Islamischen Zentrum Hamburg klären, das laut Verfassungsschutz als Instrument der iranischen Staatsführung zu betrachten sei. Yildiz Köremezli-Erkiner, integrationspolitische Sprecherin der Linken, sagte, Türkyilmaz dürfe nicht mehr als Imam tätig sein. Sie bekräftigte die Forderung ihrer Fraktion nach einer Koordinierungsstelle gegen Antirassismus in der Stadt.

          Hahn: Kein Zwang zur Verschleierung

          Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) äußerte, er erwarte eine klare Ablehnung antisemitischer, rassistischer oder als solche zu verstehender Äußerungen und Aktionen. Auch dürfe es keinen Zwang zur Verschleierung von Frauen geben. Die Vorwürfe gegen Türkyilmaz und Kaymakci seien noch nicht ausgeräumt. Ein Urteil darüber, ob Kaymakci weiter am Runden Tisch zur Einführung eines islamischen Religionsunterrichts sitzen dürfe, wollte Hahn nicht abgeben. Für die weitere Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde gälten aber „sehr strenge Beurteilungsmaßstäbe“.

          Die Hazrat-Fatima-Gemeinde ist eine schiitische Gemeinde, zu der türkisch- und pakistanischstämmige Muslime gehören. Noch hat sie ihren Sitz im Frankfurter Stadtteil Griesheim, sie möchte aber nach Hausen umziehen. Dort ist der Bau einer größeren Moschee geplant, was teils erheblichen Protest hervorgerufen hatte.

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