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Neubau am Römerberg : Haus mit Doppeldach für Historisches Museum

Das künftige Domizil des Historischen Museums im Modell Bild: Wolfgang Eilmes

Der Neubau des Historischen Museums in Frankfurt soll eine Art Langhaus mit zwei Satteldächern werden, das die Form der Kunsthalle Schirn in verdoppelter Form aufnimmt. Das hat eine Jury entschieden.

          Der Neubau des Historischen Museums in Frankfurt soll nach einem Entwurf des Stuttgarter Büros Lederer Ragnarsdóttir Oei entstehen. Das hat eine Jury entschieden. Die Architekten wollen anstelle des heutigen Neubaus eine Art Langhaus mit zwei Satteldächern errichten, das die Form der Kunsthalle Schirn in verdoppelter Form aufnimmt. Die Fassade ist weitgehend geschlossen, nur das Untergeschoss und das oberste Geschoss werden durch kleine Fenster belichtet. Das Äußere soll zudem durch große quadratische Nischen gegliedert werden; in ihnen könnten Überreste der Stadtgeschichte – etwa die Relikte der Fassade des Salzhauses – ausgestellt werden.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ein zweiter, kleinerer und unauffälligerer Neubau ergänzt die Altbauten am Main. Hier soll auch die Verwaltung untergebracht werden. An seiner Nordseite entsteht der Haupteingang des Museums. Zwischen den beiden Baukörpern entsteht ein kleiner Platz, in dessen Zentrum eine kreisförmige Öffnung vorgesehen ist. Es handelt sich dabei nicht um einen Brunnen, sondern um eine Art Bullauge, durch das die Passanten auf das Stadtmodell im Untergeschoss des Museums blicken können. Das Untergeschoss verbindet die verschiedenen Bauteile miteinander.

          Koalition trägt Entscheidung mit

          Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) sprach von einem hervorragenden Entwurf und sagte, die Entscheidung für den ersten Preisträger sei von den Vertretern der schwarz-grünen Koalitionfraktionen mitgetragen worden. Insofern sei eine breite kommunalpolitische Akzeptanz gewährleistet. Für die CDU-Fraktion saß deren planungspolitischer Sprecher Jochem Heumann in der Jury, für die Grünen Heike Hambrock. Auch die von der SPD-Fraktion entsandte kulturpolitische Sprecherin Renate Wolter-Brandecker hat die Entscheidung für den Entwurf des Stuttgarter Büro dem Vernehmen nach mitgetragen.

          Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte, die Finanzierung für den Neubau, dessen Kosten auf rund 29 Millionen Euro geschätzt werden, sei sichergestellt. Es gebe entsprechende Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung. Wie Schwarz äußerte sich auch Semmelroth sehr angetan von der Qualität des Siegerentwurfs. Er stelle eine ästhetisch eigenständige Antwort der Gegenwart auf die Bauaufgabe dar, bezeuge gleichzeitig jedoch den historischen Bauten in seiner Umgebung Respekt.

          Der Siegerentwurf trage den Nutzungsanforderungen sehr gut Rechnung, sagte Jan Gerchow, Leiter des Historischen Museums. Der Neubau biete auf vier Geschossen Ausstellungsräume mit einem sehr guten Querschnitt. Nach Angaben Gerchows wird es bis 2010 dauern, bis die Planungen abgeschlossen und die notwendigen Baugenehmigungen eingeholt seien. Dann sei auch die Sanierung der Altbauten abgeschlossen, die dann während des Abrisses des Betonneubaus und der anschließenden Bauarbeiten genutzt werden könnten. Gerchow hofft, im Jahr 2013 den Neubau eröffnen zu können.

          Der Juryvorsitzende Carl Fingerhuth hob hervor, dass es sich um eine extrem komplexe Herausforderung für die Architekten gehandelt habe. Das gelte schon allein für die Funktionalität. Das Haus müsse zudem seine eigene Identität haben und zugleich die Umgebung am Römerberg ernst nehmen. Es müsse als Ort der Kultur erkennbar sein und dürfe nicht mit einem Hotel oder einem Bankgebäude verwechselbar sein.

          Mäckler-Entwurf mit einem Ankauf ausgezeichnet

          Viele der 43 Wettbewerbsteilnehmer hätten versucht, die Giebelhaussilhouette der ehemaligen Altstadt nachzuahmen und den Neubau so in die Umgebung zu integrieren. Die Versuche seien aber meist missglückt, zudem sei die Funktionalität des Museums beeinträchtigt worden. Als am besten gelungenes Beispiel dieses Ansatzes wurde der Entwurf des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler mit einem Ankauf ausgezeichnet. Mäckler schlägt eine recht verschachtelte Bebauung vor, deren Fassade zur Nikolaikirche so gegliedert ist, dass der Eindruck einer Häuserreihe entsteht. Der Haupttrakt soll ein gewaltiges Satteldach tragen, das nicht nur wegen seiner Verglasung im Norden an Mäcklers neuen Portikus an der Alten Brücke erinnert. Auch der zweite Preisträger gliedert die Baumasse in zwei Teile, die aber nur durch eine schmale Gasse getrennt werden. Beide Baukörper sind unregelmäßig geformt, der größere von beiden tritt neben der Nikolaikirche, deren Traufhöhe er deutlich überragt, sehr massiv auf.

          Der dritte Preisträger, das Eichstätter Büro Diezinger & Kramer hat ein skulpturales Großvolumen in U-Form vorgeschlagen, in das Eingang und Fenster unregelmäßig eingeschnitten sind; die Dachfläche ist angeschrägt. In eine ähnliche, dezidiert zeitgenössische Richtung geht der mit einem Ankauf bedachte Entwurf des Büros Braun & Schlockermann, das aus dem ersten Wettbewerbsverfahren für das Historische Museum als Sieger hervorgegangen war. Jener Entwurf kam jedoch nicht zum Zug, da sich die Stadt entschloss, statt eines Umbaus einen Neubau anzugehen.

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