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Bilanz des Hauptzollamts : Kokain in der Brust, Ecstasy in der Unterhose

  • -Aktualisiert am

Zu zweit auf Suche: Ein Zollbeamter und sein Deutsch Kurzhaar Zlat spüren seit vier Monaten geschmuggelte Drogen auf. Bild: Helmut Fricke

Extravagante Verstecke und neue Schmuggelwege – das Hauptzollamt stellt die Bilanz des Jahres 2016 vor.

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          Drogenschmuggler weichen vom Reiseverkehr immer öfter auf den Postversand aus. Im Jahr 2016 gab es eine Steigerung um 232 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Das sagte der Leiter des Hauptzollamts, Albrecht Vieth, bei der Vorstellung der Jahresbilanz der Behörde gestern am Flughafen. Mit 35 sogenannten Hochrisikoflügen, bei denen die Beamten „mit hoher Wahrscheinlichkeit fündig werden“, sei der Frankfurter Flughafen ein „Drehkreuz für Drogenschmuggel“, sagte Vieth. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr 4675 Mal Rauschgift im Post-, Fracht- und Reiseverkehr am Flughafen gefunden, das sind 182 Prozent mehr Vorfälle als im Vorjahr. Die beliebteste Schmuggeldroge war mit mehr als 4500 Kilogramm die Kaupflanze Khat, im Vergleich zum vorherigen Jahr wurden 38 Prozent mehr gefunden.

          Zumeist seien dieses und andere Rauschmittel in kleinen Brief- und Paketsendungen durch den Zoll gegangen. Die Drogen wurden zuvor offenbar auf dem virtuellen Schwarzmarkt erworben. „Das Darknet lässt grüßen“, sagte Vieth. Einen anderen Grund für die „extreme Verlagerung“ der illegalen Transportwege auf den Postversand vermutet Vieth in den erfolgreichen Kontrollen seines Amts. „Wir wissen bei bestimmten Flügen sofort, wo wir ansetzen müssen.“ Die Schmuggler denken sich deshalb immer wieder neue Verstecke aus. Ein Reisender aus Argentinien hatte zum Beispiel mehr als 7000 Ecstasy-Pillen in seiner Boxershorts in kleinen Einschnitten versteckt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 34 Drogenkuriere am Flughafen aufgespürt, darunter neun sogenannte Schlucker, die die Drogen in ihrem Körper transportieren.

          Kollege Hund

          Meistens erkenne man die Menschen an den vielen mitgeführten Mitteln gegen Durchfall oder weil sie sehr nervös wirkten, sagte Vieth. Auf diese Weise verriet sich auch eine junge Kolumbianerin im März 2016, die ein Kilogramm Kokain in ihrem Brustimplantat ins Land schmuggeln wollte. 900 Euro waren der zweifachen Mutter von den Händlern dafür versprochen worden. „Wenn Technik, Mensch und Tier gut zusammenarbeiten“, so Vieth, dann seien die Kontrollen erfolgreich. Deshalb beschäftigt der Zoll neben rund 900 Mitarbeitern 32 Spürhunde, davon suchen 26 Hunde nach Drogen, die restlichen spüren Tabak, Bargeld, geschützte Tierarten, Waffen und Sprengstoff auf.

          Ein Zollbeamter und ein Hund arbeiten immer im Zweierteam zusammen. Ein Beispiel dafür sind Schmuggelhund Zlat und sein Herrchen, ein erfahrener Zollbeamter, der aus Sicherheitsgründen seinen Namen geheim hält. Der Deutsch Kurzhaar aus Osthessen hat eine fünfwöchige Hundeschule absolviert, in der er gelernt hat, sieben verschiedene Rauschgiftarten zu erkennen. Anschließend hat er sieben Praxiswochen am Flughafen durchlaufen. Seit Mitte Dezember 2016 sind Hund und Beamter regelmäßig im Einsatz, um auch schon geringe und gut versteckte Mengen Rauschgift aufzuspüren. Man sucht sich seinen Hund selbst aus, sagt eine weitere Hundeführerin. Ihren Spürhund Yngvi fand sie mit sieben Monaten in der Tiernothilfe. Der Weimaraner mit dem grau schimmernden Fell wohnt bei der Beamtin und wird sie die nächsten neun Jahre bei der Arbeit begleiten.

          Weil die klassischen Schäferhunde vielen Menschen Angst einjagten, so die Beamtin, habe sie mit ihrem Kollegen ein Pilotprojekt gestartet und Jagdhunde für die Ausbildung ausgesucht. „Die finden alle süß.“ Meist fänden die Hunde Amphetamine und Ecstasy. Und obwohl synthetische Drogen „verdammt schwer“ zu riechen seien, sei die Fehlerquote sehr gering. Zusätzlich zur Rauschgiftsuche bekämpft das Zollamt die Markenpiraterie, den Schmuggel von geschützten Tierarten, gefälschten Medikamenten und verbotenen Waffen. Insgesamt nahm das Hauptzollamt im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden Euro an Steuern und Zöllen ein.

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