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Hauptbahnhof : Ein Denkmal für Frankfurts Gastarbeiter

  • -Aktualisiert am
Tor nach Deutschland: Der Frankfurter Hauptbahnhof war Ankunftsort für Tausende von Gastarbeitern
          3 Min.

          Die Idee hatte Guiseppe Bruno. Ihn hat es vor fast 50 Jahren von Sizilien nach Frankfurt verschlagen, und vor vier Jahren machte er den Vorschlag, die Mainmetropole, deren Hauptbahnhof für Tausende von Gastarbeitern zum Tor nach Deutschland geworden ist, solle mit einem Denkmal an die Leistungen jener Männer und Frauen erinnern, die einst aus Italien, Spanien und anderen Ländern des europäischen Südens als Arbeitskräfte gekommen sind und die Stadt in ihrer heutigen Gestalt mit aufgebaut haben.

          Der damalige Kulturdezernent Bernhard Nordhoff (SPD) hat Brunos Idee aufgegriffen und das Historische Museum beauftragt, einen Wettbewerb zu organisieren. Im November 2004 haben die Juroren, darunter die heutige Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen), Städelschul-Direktor Daniel Birnbaum und der damalige Direktor des Museums für Moderne Kunst, Udo Kittelmann, von 26 eingegangenen Beiträgen drei ausgewählt und als realisierungswürdig beurteilt.

          „Wo bleibt eigentlich das Gastarbeiter-Denkmal?“

          Knapp vier Jahre später ist indes von einem Gastarbeiter-Denkmal weit und breit nichts zu sehen. Weder konnte Frank Reinecke, der Sieger des Wettbewerbs, an der Frankenallee im Gallusviertel sein Projekt „Trixel Planet“ verwirklichen, das eine Einteilung der 2,6 Kilometer langen Straße in 360 Breitengrade und die Einzeichnung bestimmter Herkunftsstädte von Gastarbeitern auf diesen Breitengraden vorsah. Noch durfte der drittplazierte Fakhri Khalik die von ihm vorgeschlagene Raumskulptur, bestehend aus 16 Koffern aus Stein, vor dem Hauptbahnhof aufstellen. Und das, obwohl sich die Stadtverordnetenversammlung nach der Jury-Entscheidung mit Mehrheit für dieses Vorhaben ausgesprochen hatte. Auch von einer Skulptur mit den Nationalfahnen der Gastarbeiterländer vor der Ausländerbehörde an der Mainzer Landstraße, von der Jury immerhin mit dem zweiten Platz bedacht, hat man nie mehr etwas gehört. Das Projekt Gastarbeiter-Denkmal – es wäre das erste und einzige seiner Art in Deutschland – scheint vergessen.

          Doch jetzt kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit: Nachdem die SPD-Fraktion im Römer Ende Mai unter der Überschrift „Wo bleibt eigentlich das Gastarbeiter-Denkmal?“ den Magistrat zu Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG über einen Standort am Hauptbahnhof aufgefordert und der SPD-Bundestagsabgeordnete Gregor Amann dem Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU) in der vergangenen Woche vorgeworfen hatte, dieser habe offensichtlich kein besonderes Interesse an einem solchen Kunstwerk, haben sich Semmelroth und Integrationsdezernentin Eskandari-Grünberg nun positiv zu dem Vorhaben geäußert. Es sei ihnen ein Anliegen, das Projekt zu verwirklichen und die fünfzigjährige Geschichte der Arbeitseinwanderung nach Frankfurt auch auf diese Weise sichtbar zu machen, ließen sie die Öffentlichkeit wissen.

          Die beiden Dezernenten favorisieren zwei Entwürfe: den im damaligen Wettbewerb erstplazierten „Trixel Planet“ von Frank Reinecke und die drittplazierte Koffer-Skulptur von Fakhri Khalik. Freilich soll „Trixel Planet“ nicht wie ursprünglich vorgesehen an der Frankenallee, sondern vor dem Hauptbahnhof realisiert werden.

          Bahn hat das letzte Wort

          Allerdings muss die Bahn einem Denkmal zustimmen, denn sie ist Eigentümerin des Bahnhofsvorplatzes und des gesamten Bahnhofsgeländes. Und die Bahn-Manager haben schon vor etwas mehr als einem Jahr den Magistrat wissen lassen, dass 16 aus Stein gehauene Koffer auf dem Bahnhofsvorplatz, wie sie Fakhri Khalik vorgeschlagen hat, für sie nicht in Frage kommen. Eine derart voluminöse und schwere Plastik stelle die Zufahrts- und Rettungswege zu und gefährde die Verkehrssicherheit. Eher vorstellen können sich die Bahn-Verantwortlichen dagegen eine Realisierung des Entwurfs „Trixel Planet“ auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof. Von einem solchen Bodenmosaik gehe im Ernstfall keine Behinderung für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge aus.

          Eine endgültige Entscheidung wird jedoch erst fallen, wenn der städtebauliche Wettbewerb zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes abgeschlossen ist, den der Magistrat derzeit in enger Abstimmung mit der Bahn vorbereitet. Der Kulturdezernent und die Integrationsdezernentin wollen die Entwürfe „Trixel Planet“ und Koffer-Skulptur in überarbeiteter Form in diesen Wettbewerb einfließen lassen.

          Eskandari-Grünberg hält immer noch den Vorschlag „Trixel Planet“, für den sie damals als Mitglied der Jury gestimmt hat, für den besten. Doch will sie sich dem Ergebnis des Wettbewerbs Bahnhofsvorplatz fügen. Für sie ist am wichtigsten, dass es überhaupt zu einer Lösung kommt. Sie erinnert daran, dass sich im nächsten Jahr zum fünfzigsten Mal der Tag jährt, da der erste Gastarbeiter nach Frankfurt kam. „Bis dahin sollte das Gastarbeiter-Denkmal vollendet sein.“

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