https://www.faz.net/-gzg-a7z5p

Hass-Kommentare im Netz : Wenn Rentner zum Mord aufrufen

Beispiele der Hass-Posts im Internet Bild: Jan Huebner, Bearbeitung F.A.Z.

Sie verbreiten online Hass und Hetze: Staatsanwälte versuchen möglichst viele von denen zur Rechenschaft zu ziehen, die im Netz die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gelobt haben.

          4 Min.

          Als im Prozess um den Mord an Walter Lübcke zwei Tage vor Heiligabend der Vertreter der Anklage sein Plädoyer hielt, sagte er diesen Satz: „Ohne psychologische Unterstützung online oder offline wären die Taten nicht denkbar gewesen.“ Der Oberstaatsanwalt sagte das in diesem Moment vor allem in Bezug auf Markus H., den mutmaßlichen Komplizen von Stephan E. Die Ankläger sind überzeugt, dass H. wegen Beihilfe zum Mord verurteilt werden muss – und das, obwohl sie nicht glauben, dass er am Tatort war. Neben dem Schusstraining, das H. mit E. machte, argumentieren sie vor allem mit einem: der psychischen Beeinflussung. Denn diese, so das Plädoyer, könne eine viel stärkere Wirkung haben als der „Beitrag eines austauschbaren Gehilfen“. Das Oberlandesgericht will an diesem Donnerstag entscheiden.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den Worten des Anklägers steckt etwas Grundsätzliches: die Erkenntnis, dass der Kopfschuss auf der Terrasse des CDU-Politikers am 1. Juni 2019 das Ergebnis eines unermesslichen Hasses war, der sich, verstärkt und gespeist aus vielen Quellen, über Jahre immer tiefer in die Köpfe zu vieler Menschen eingegraben hatte. Nicht nur bei persönlichen Treffen und Gesprächen, sondern auch im Netz. Es ist die Erkenntnis, dass Worte zu Taten führen können und deshalb nicht jeder Satz einfach nur ein Satz ist.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in der Kleinstadt Wohlen im Kanton Aargau am 20. Februar 2021

          SVP gegen Corona-Regeln : Die Schweiz, eine Diktatur?

          Die SVP gehört der Schweizer Regierung an. Das hindert die Führung der größten Partei des Landes nicht daran, es wegen der Corona-Politik als Diktatur zu bezeichnen.
          Kevin Kühnert spricht beim SPD-Bundesparteitag

          Debatte um Thierse-Gastbeitrag : Worauf will die SPD verzichten?

          Wolfgang Thierses Beitrag in der F.A.Z. ist für Saskia Esken und Kevin Kühnert ein Grund, sich zu schämen. Das ist also das vorwärtsgewandte Bild der SPD, das die beiden offenbaren wollten?