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Hans- und Ilse-Breuer-Stiftung : Die Heilung von Alzheimer als größter Wunsch

  • -Aktualisiert am

Hilfe geben, da sein: Demente Menschen brauchen viel Zuwendung. Bild: Wolfgang Eilmes

Leidvolle Erfahrungen führten zur Gründung der Hans- und Ilse-Breuer-Stiftung, die sich für die Erforschung der Demenz engagiert. Ein Teil der bis zu 400.000 Euro Fördermittel im Jahr geht zudem an Projekte, die die Lebenssituation der Betroffenen verbessern.

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          Das Ziel ist klar: Ein Medikament oder eine Impfung gegen die Alzheimer-Erkrankung soll entwickelt werden. Dieser Aufgabe hat sich auch die Hans- und Ilse-Breuer-Stiftung verschrieben. Die im Jahr 2000 gegründete Stiftung mit Sitz in Frankfurt fördert die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Demenzerkrankungen mit dem Schwerpunkt Alzheimer und unterstützt zugleich Projekte für Betroffene und deren Angehörige.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher können Medikamente nur den Verlauf mildern oder verzögern, die Krankheit aber nicht heilen. Dabei wurde das Leiden schon Anfang des 20. Jahrhunderts vom Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer entdeckt und beschrieben. Seitdem versuchen Wissenschaftler in aller Welt die Prozesse im Hirn zu ergründen, die zum Zerfall von Zellen und dem Verlust sämtlicher intellektueller Fähigkeiten wie dem Gedächtnis, der Lernfähigkeit, der Orientierung, der Auffassungsgabe und der Sprache führen. In Deutschland leiden mehr als 1,2 Millionen Menschen daran. Da Alzheimer meist im hohen Lebensalter auftritt, steigt in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, der Anteil der Erkrankten.

          Forschungspreis und drei Promotionsstipendien

          Es gibt viele Gründe, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Allen Stiftern gemein ist der Wunsch, der Allgemeinheit oder anderen etwas Gutes zu tun. Einen Missstand zu beheben oder persönliche Betroffenheit sind weitere Anlässe. Im Fall der Hans- und Ilse-Breuer-Stiftung treffen sie alle zu. Nach dem Tod seiner Frau hat der Neu-Isenburger Unternehmer Hans Breuer die Stiftung gegründet. Ilse Breuer litt an Alzheimer. Die Erkrankung war für die gesamte Familie eine leidvolle Erfahrung. Der älteste Sohn Peter Breuer, der heute dem Kuratorium der Stiftung vorsteht, spricht von Unkenntnis und Überforderung, von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Der Ehemann und die beiden Söhne waren überfordert im Umgang mit der Kranken und fühlten sich hilflos, weil sie die Krankheit nicht aufhalten konnten, sondern ihrem Fortschreiten machtlos ausgeliefert waren.

          Seit 2006 schreibt die Stiftung jährlich einen Forschungspreis und drei Promotionsstipendien aus. Der Preis ist in Deutschland der höchstdotierte für diese Thematik. Mit 100.000 Euro ist er gleichrangig ausgestattet wie andere renommierte medizinische Auszeichnungen, zum Beispiel der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis, der Robert-Koch-Preis oder der medizinische Innovationspreis der Bonner Herbert-Worch-Stiftung. Die bisherigen Preisträger kamen aus Forschungszentren in München, Heidelberg, Hamburg und Kiel; ein Frankfurter Forscher war noch nicht darunter. Zusätzlich konnte die Stiftung in den vergangenen Jahren insgesamt fünf ebenfalls mit 100.000 Euro dotierte Sonderpreise vergeben, die ein Geldgeber aus Amerika ermöglichte. Zum 31. Juli endet die Bewerbungsfrist für den diesjährigen Preis, der am 12. Oktober beim sogenannten Eibsee-Meeting überreicht wird. Die dreitägige wissenschaftliche Konferenz, die dem internationalen Austausch dient, wird ebenfalls von der Stiftung getragen. Zehn bis zwölf Anträge für den Hauptpreis und sechs bis zehn Anträge für ein Stipendium gingen jährlich ein, berichtet der Kuratoriumsvorsitzende Breuer. Bisher gab es elf Preisträger und 16 Stipendiaten. In fünf Jahren wurden so nach Angaben von Peter Breuer aus Erträgen des Stiftungskapitals und Spenden eine Million Euro für die Forschung und mehr als eine halbe Million für Promotionsarbeiten zur Verfügung gestellt. Bewertet und ausgewählt werden die Projekte vom Kuratorium der Stiftung, das ebenso wie der Vorstand ehrenamtlich arbeitet. Als wissenschaftliche Experten gehören ihm der Naturwissenschaftler Christian Haass und der Mediziner Christoph Hock an. Haass hat den Lehrstuhl für Stoffwechselbiochemie am Adolf-Butenandt Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München inne und ist Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in München. Hock ist Kodirektor und Chefarzt der Abteilung für Psychiatrische Forschung an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich. Beide forschen selbst zu Alzheimer.

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