https://www.faz.net/-gzg-wfwc

Handy-Ticket : Der schnelle Fahrschein

Fahrschein kaufen - mit dem Handy geht das ohne Hektik Bild: F.A.Z. - Roger Hagmann

Einig sind sich Experten: Die Bedeutung des Handys als Zahlungsinstrument wird zunehmen. Mit dem Handy-Ticket ist der RMV-Kunde flott unterwegs, hat aber zusätzliche Datenkosten.

          Nicht nur in Frankfurt, auch anderswo wird die Handy-Fahrkarte gepriesen als Nonplusultra im Öffentlichen Personennahverkehr. Vergessen scheint, dass sich Fahrgäste auch mit der Geldkarte – das ist die EC-Karte mit Chip, auf die man Geldbeträge laden kann – schnell und bargeldlos am Fahrkartenautomaten bedienen können.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ziel der Verkehrsgesellschaften ist es, Vertriebskosten zu sparen und neue Kunden zu gewinnen. Vor allem Gelegenheitsfahrer, denen öffentliche Verkehrsmittel bisher nicht so geheuer waren, sollen auf den Zug aufspringen.

          RMV bietet Handy-Ticket verbundweit an

          Vorteile gibt es: Wer sein Ticket per Handy ordert, muss nicht mehr am Automaten Schlange stehen, hektisch Kleingeld im Geldbeutel zusammensuchen und womöglich erleben, dass ihm die S-Bahn vor der Nase wegfährt, weil das Fahrkartengerät streikt. Mit dem Handy kann der Berufstätige schon auf dem Weg zur S-Bahnstation seinen Fahrschein lösen oder erst dann, wenn der Zug anrollt.

          In Frankfurt waren bei einem Pilotversuch so viele Fahrgäste begeistert, dass der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) das Handy-Ticket inzwischen verbundweit anbietet. „Fahrkartenautomat war gestern!“, wirbt die Verkehrsgesellschaft. „Einfach anmelden. Einfach runterladen. Einfach einsteigen!“

          Ganz so einfach ist es nicht. Bei der Registrierung im Internet stoßen technisch mittelbegabte RMV-Neukunden an ihre Geduldsgrenzen. Einige Schritte erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Nicht jeder Proband hält durch. Beim Pilotversuch gab es nach Angaben des RMV jedoch wenig Kritik am Anmeldesystem. „Wir müssen schon feststellen, dass das Handy-Ticket etwas Anderes ist als ein Klingelton“, sagt dagegen Till Ackermann, Projektleiter beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Der Verband hat im vergangenen Jahr einen zweijährigen Handy-Pilotversuch in elf Nahverkehrsregionen gestartet.

          Deutsche Bahn testet Nahfeldtechnologie

          Wie beim RMV basiert das VDV-Programm auf Java-Technologie, beide Anbieter arbeiten jedoch mit unterschiedlichen IT-Unternehmen zusammen. Wettbewerb auf der Technikseite sei wichtig, so die Argumentation. Nur so könne verhindert werden, dass ein Anbieter den Verkehrsbetrieben demnächst die Preise diktiere. Gemeinsam mit dem RMV arbeitet der Verband jedoch an bundesweiten Standards. Der RMV-Handy-Kunde aus Frankfurt soll in Zukunft auch in Hamburg seinen Fahrschein kaufen können, ohne dass er sich dafür ein extra Programm herunterladen muss.

          Etwas ärgerlich ist, dass der RMV nirgendwo deutlich auf zusätzliche Kosten für den Kunden hinweist. Beim Schreiben der Fahrkarte aufs Handy fließen Daten, für die Netzbetreiber – je nach Vertrag – kleinere Cent-Beträge verlangen. Das kann sich läppern. Eine Frankfurter Kundin, die das Handy-Ticketing seit kurzem testet, berichtet von einem deutlichen Anstieg der Kosten für die Datenübertragung aufs Handy. Lagen diese bisher im Durchschnitt unter einem Euro im Monat, so ergibt der aktuelle Kontostand auf Nachfrage bei nur zehn gebuchten Tickets mehr als drei Euro. Tarif-Fachmann Ackermann räumt ein: „Für Kunden mit ungünstigen Verträgen können die Kosten durchaus ein Thema sein.“ Ein Wechsel zu einem Pauschaltarif (Flat) könne sich lohnen.

          Einig sind sich Experten: Die Bedeutung des Handys als Zahlungsinstrument – etwa auch für Theater- und Kinokarten – wird zunehmen. Ob sich die Java-Technologie der Verkehrsverbünde durchsetzen wird, muss sich zeigen. Die Deutsche Bahn testet neu in einem Pilotversuch („Touch and Travel“) die sogenannte Nahfeldtechnologie. Dabei muss der Fahrgast sein Handy nach dem Check-In-/Check-Out-Prinzip vor und nach der Fahrt mit Bus und Bahn nur noch über einen Kontaktknopf ziehen. Einfacher geht es nicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK zieht ins Kabinett ein : Sie musste springen

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat es bislang vermieden, den Weg zur Kanzlerkandidatur über das Bundeskabinett zu gehen. Woher kommt der Sinneswandel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.