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Kein Zwischenlager in Hanau : Von Atommüll und Eintracht

  • -Aktualisiert am

Kein weiteres Lager in Hanau: Auf Paletten sind Fässer mit Atommüll gestapelt. Bild: dpa

Hanau muss kein weiteres Zwischenlager für schwach radioaktiven Müll genehmigen. Für die Stadt ist das weit mehr als der Erfolg in einer Verhandlung. Es ist auch eine Imagefrage.

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          Keine Frage, das ist ein Sieg für Hanau. Es wird kein weiteres Lager für schwach radioaktiven Müll in der Stadt geben. Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Meinung der Kommune, dass dafür im Gewerbegebiet im Stadtteil Wolfgang kein Platz sei. Damit ist unter den jahrelangen Streit um die entsprechende Baugenehmigung ein Schlussstrich gezogen worden.

          Für die Stadt ist das weit mehr als ein Erfolg in einem Verfahren um eine weitere Halle – zwei Lager gibt es dort schon, genehmigt vor rund 40 Jahren –, es ist auch eine Imagefrage. Denn es ging um ein Vorhaben auf dem Gelände, von dem aus einst die deutsche Atomwirtschaft befeuert wurde. Es war der größte Standort der Nuklearindustrie Europas, Unternehmen wie Nukem, Alkem und RBU fertigten dort Brennstäbe für die Meiler in Biblis, Grundremmingen, Phil­ippsburg und anderswo. Im Streit um das sogenannte Atomdorf ging die erste rot-grüne Koalition in Hessen in die Brüche; bei einer Demonstration gegen die Atombetriebe wurde einem Polizisten 1986 die Pistole abgenommen, mit der später an der Startbahn West am Frankfurter Flughafen zwei Beamte erschossen wurden. Das Terrain ist geschichtsträchtig.

          Eine bemerkenswerte Konversion

          Eine Historie, mit der Hanau gerne abgeschlossen hat. Viel lieber und viel besser wirbt es sich mit dem Ruf des High-Tech-Standorts, an dem auch Internet-Giganten wie Google investieren, als mit der umstrittenen Atomkraft, auch wenn die gerade in Europa und einem Teil der Klimaschutzbewegung eine ungeahnte Re­naissance feiert. Tatsächlich ist in Wolfgang eine bemerkenswerte Konversion geleistet worden, die im Wettbewerb der Standorte ein gutes Argument für Hanau ist. Jenseits aller Überlegungen zum Ansehen eines Gewerbestandorts ist eine Lagerhalle mit nur wenigen Arbeitsplätzen si­cher nicht sonderlich attraktiv für die Stadt.

          Oberbürgermeister Claus Kamin­sky freut sich nach eigenem Bekunden so wie 2018 beim Pokalsieg der Frankfurter Fußballer gegen München. Es sei ihm gegönnt.

          Hanns Mattes
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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