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Drogenszene im Bahnhofsviertel : Ortsvorsteher fordert Areal für Crack-Konsum

Leitdroge Crack: Die Cracksteine, die Konsumenten in einer Pfeife rauchen, haben die Situation im Bahnhofsviertel massiv verändert. Bild: dpa

Im Bahnhofsviertel soll ein Modell nach Hamburger Vorbild eingeführt werden. Gesundheitsdezernent Majer setzt dagegen eher auf die bisherigen Hilfsangebote.

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          In der Diskussion über den zunehmenden Crack-Konsum im Bahnhofsviertel ist ein sogenanntes Konsum-Areal im Gespräch. Nachdem der Vorschlag schon in der Vergangenheit vereinzelt von Gewerbetreibenden angesprochen wurde, hat sich nun der Ortsvorsteher für das Bahnhofsviertel, Oliver Strank (SPD), ausdrücklich für ein solches Areal ausgesprochen, um Anwohner, Hoteliers und Einzelhändler zu entlasten. Strank sagte dieser Zeitung, er halte den Frankfurter Weg mit seiner sorgfältig austarierten Mischung aus Repression und Hilfsangeboten nach wie vor für vorbildlich. Die neue Leitdroge Crack habe die Drogenszene im Bahnhofsviertel jedoch massiv verändert und gefährde die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl vieler Anwohner und Besucher dort. „Diese Realität muss der Magistrat endlich zur Kenntnis nehmen“.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Strank schwebt ein „maßgeschneidertes Hilfsangebot“ vor, um die Konsumenten sukzessive von der Straße zu holen. Er könne sich „gut vorstellen, auf einem abgegrenzten Areal nach dem Hamburger Vorbild „Drob Inn“ den Konsumenten ein ausstiegsorientiertes Hilfsangebot anzubieten“. Schrank stellt sich vor, dass ein solches Modell in Frankfurt als Pilotprojekt aufsetzt und wissenschaftlich begleitet wird. Die Polizei, die die Zustände in der Crack-Szene seit Monaten kritisiert, wäre einem solchen abgeschirmten Konsum-Areal nicht abgeneigt, wenn es tatsächlich dazu dienen würde, die Situation im Viertel zu entspannen, wie ein Sprecher sagt. Es müsse jedoch sichergestellt sein, dass das Areal gut einsehbar sei. „Unsere Beratungen gehen bisher in Richtung längerer Öffnungszeiten von Drogenhilfseinrichtungen und deren robusterer Ausgestaltung“, führte der Sprecher weiter aus.

          Ein Rückzugsort für Konsumenten, kein rechtsfreier Raum

          Gemeint sei damit, dass Konsumenten nicht mehr so schnell Hausverbot bekämen und dann auf der Straße weiter konsumierten. Dem Vernehmen nach sind Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) schon in eingehenden Gesprächen, wie den Forderungen der Polizei nachzukommen wäre. Majer lehnt ein Konsum-Areal allerdings ab. Er befürchtet, dass sich ein rechtsfreier Raum bilden könnte. Er verweist auf die bestehenden Hilfseinrichtungen, in denen es klare Regeln gebe und unter Aufsicht Heroin und Crack gespritzt und geraucht werden könne. „Drogenabhängige, die von dieser Drogenhilfe bislang nicht erreicht wurden oder die in den Konsumräumen Hausverbot erhalten haben, sind ja trotzdem weiterhin in Frankfurt präsent“, sagte Majer.

          Diese Gruppe von etwa 80 Personen werde regelmäßig von Sozialarbeitern aufgesucht, „zudem brauchen wir gleichzeitig auch die Polizei, um mögliche Eskalationen zu unterbinden“. Majer setzt darauf, das bestehende Angebot für Crack-Konsumenten auszuweiten, etwa mit sogenannten Tagesruhebetten. Zudem würden therapeutische Ansätze geprüft. Strank will den Vorschlag, nach Hamburger Vorbild die Crack-Szene räumlich einzugrenzen, dennoch nicht aufgeben. Er werde demnächst einen entsprechenden Antrag im Ortsbeirat einbringen, sagte er. Es gehe keineswegs darum, rechtsfreie Räume zu schaffen, sondern das Viertel insgesamt zu entlasten. Das Ziel müsse sein, einen Rückzugsort für die Konsumenten zu schaffen, um die Situation überschaubarer zu machen und die Sicherheit für die Bürger im Viertel zurückzugewinnen.

          Hoffen auf eine nachhaltige Lösung

          Strank will demnächst Vertreter des Hamburger Projekts „Drob Inn“ einladen, um sich auszutauschen. In der Hansestadt hat sich die Drogenproblematik mit Einrichtung des Konsum-Areals aus Sicht der Polizei entspannt. Das „Drob Inn“ liegt einerseits in Bahnhofsnähe, andererseits ist es weitgehend isoliert vom gesellschaftlichen Leben. In der Nachbarschaft gibt es keine direkten Anwohner.

          Zustimmung bekommt der Vorstoß Stranks vom Gewerbeverein des Frankfurter Bahnhofsviertels. Dessen Vorsitzender Ulrich Mattner ist der Ansicht, dass ein solches Areal das Viertel entlasten werde und auch den Drogenkranken helfe. Die aktuelle Situation verschlimmere sich gerade mit Einsetzen der wärmeren Jahreszeit deutlich. Der Frankfurter Weg sei veraltet und funktioniere nicht mehr richtig, ist sich Mattner sicher. Er hoffe, dass die Verantwortlichen möglichst bald im Sinne aller Bewohner und Gäste des Viertels eine neue und nachhaltige Lösung finden, sagte er.

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