https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/guenthersburghoefe-im-nordend-fuer-wohnungssuchende-fatal-17195242.html

Günthersburghöfe im Nordend : Für Suchende fatal

Waren im Koalitionsvertrag verabredet: die Realisierung der Günthersburghöfe in Frankfurt Bild: Tobe Stadt

Die Entscheidung um die Zukunft der Günthersburghöfe in Frankfurt wird vertagt. Das ärgert nicht nur Wohnungssuchende, sondern auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Zuverlässige Stadtplanung sieht anders aus.

          1 Min.

          Das Frankfurter Römer-Bündnis zerplatzt nicht auf den letzten Metern am Streit um das Baugebiet Günthersburghöfe im Nordend. Die Abstimmung im Magistrat wurde vertagt, vor der Kommunalwahl passiert in dieser Angelegenheit wohl nichts mehr. Das wurmt nicht nur viele Wohnungssuchende, sondern auch den Planungsdezernenten Mike Josef (SPD), der über den Bebauungsplan abstimmen lassen wollte, obwohl die Mehrheit fehlt, seit die Grünen das Projekt ablehnen.

          Die Günthersburghöfe waren im Koalitionsvertrag verabredet. Doch nach zehnjähriger Planung sind die Grünen auf der Zielgerade vertragsbrüchig geworden. Jene Partei, die Josef nun vorwirft, er komme mit dem Bauen nicht hinterher. Der Frust sitzt in der CDU und vor allem in der SPD tief. Josef ist nicht nur zutiefst überzeugt von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens. Er sieht sich auch seinen Mitarbeitern verpflichtet, die Tausende von Arbeitsstunden in das Projekt investiert haben. Zuverlässige Stadtplanung sieht anders aus.

          Nach der Kommunalwahl wird das Projekt wahrscheinlich mit Änderungswünschen weitergetrieben. Sollten tatsächlich nur die versiegelten Flächen bebaut werden, bliebe von den Höfen nicht viel übrig – wahrscheinlich keine Grundschule, kein Gymnasium und nur ein Bruchteil der 1500 Wohnungen, davon die Hälfte im preiswerten Segment. Für Frankfurter auf Wohnungssuche wäre das fatal. Es gibt echte Not in dieser Stadt. Wer das nicht glaubt, der soll sich einmal eine überbelegte Sozialwohnung anschauen.

          Flüchtig betrachtet geht es um einen Konflikt zwischen Sozialpolitik und Umweltschutz. Aber so einfach ist es nicht. Drei Viertel der unbebauten Fläche blieben auch nach der aktuellen Planung erhalten. Die künftigen Bewohner müssen nicht mit dem Auto pendeln. Trotz des Klimawandels kann man die Stadtentwicklung nicht einstellen und die soziale Realität ausblenden.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          Ein Brummen, das den Schlaf raubt

          Störendes Geräusch : Ein Brummen, das den Schlaf raubt

          Viele Darmstädter beschweren sich über tiefe Töne, die vor allem an warmen Nächten deutlich zu hören sind. Die Stadt ist der Ursache nachgegangen und hat versucht, sie zu beseitigen.

          Topmeldungen

          Satellitenbilder zeigen die Zerstörung nach einem Angriff auf den russischen Militärstützpunkt Saki auf der Krim

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?
          Land unter: Hochwasser im Dresdner Zwinger am 16. August 2002

          Sachsen-Hochwasser 2002 : Eine Flut, die alles verändert hat

          Vor 20 Jahren versank Sachsen in bisher nie dagewesenen Wassermassen. Seitdem hat das Land viel Geld und Aufwand in den Hochwasserschutz investiert. Doch der Ministerpräsident sagt: Einen hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.