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Günthersburghöfe : Gymnasium-Ost geht zulasten der Wohnbebauung

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Das im Frankfurter Nordend geplante Gymnasium-Ost soll auf zwei Standorte im Gebiet der Günthersburghöfe verteilt werden. Das sorgt für Streit.

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          Um möglichst wenige Grünflächen zu versiegeln, soll das Gymnasium-Ost auf zwei Standorte verteilt werden, die in dem Plangebiet des gescheiterten Wohnprojekts Günthersburghöfe im Nordend liegen. Auf dem Areal einer Gärtnerei an der Dortelweiler Straße sollen die Klassenstufen 9 bis 13 unterkommen. Für die Klassenstufen 5 bis 8 soll ein Neubau auf dem Gelände des Betriebshofs des Amts für Straßenbau und Erschließung an der Hungener Straße entstehen. Weil der Platz für ein sechszügiges Gymnasium nicht ausreicht, soll die Oberstufe nur vier Klassenzüge erhalten. Diese Pläne hat das Bildungsdezernat nach F.A.Z.-Informationen Vertretern des Ortsbeirats und anderer Gremien vorgestellt.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Bau der gesamten Schule an nur einer Stelle lässt sich nicht verwirklichen, weil auf Wunsch der Grünen im Koalitionsvertrag festgelegt wurde, dass in dem von Klein- und Freizeitgärten geprägten Plangebiet nur Flächen bebaut werden dürfen, die ohnehin schon versiegelt sind. Deshalb soll auch nur ein Teil der Gärtnerei bebaut werden. Die Aufteilung der Schule führt dazu, dass Lehrkräfte und Schüler zwischen den beiden Standorten, die rund 200 Meter voneinander entfernt sind, pendeln müssen. Außerdem ist noch zu klären, ob bestimmte Einrichtungen wie Mensa, Aula und Sporthallen doppelt vorgehalten werden müssen.

          Grüne sehen die Entwicklung skeptisch

          Ursprünglich waren auf dem Gelände die Günthersburghöfe mit rund 1500 Wohnungen geplant. Dieses Projekt scheiterte jedoch am Widerstand von Bürgerinitiativen, dem sich die Grünen anschlossen. Auf den verbliebenen Flächen sollten außer der Schule auch noch einige Wohnungen errichtet werden. Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG hatte zu diesem Zweck ein Erbbaurecht an dem Betriebshof erworben und auch schon ein Ersatzgrundstück für dessen Verlagerung gefunden.

          Die Grünen im Ortsbeirat kritisieren, dass der Betriebshof dem Gymnasium zufallen soll: „Wir sind überrascht, dass damit Wohnbebauung kaum noch oder überhaupt nicht mehr stattfinden kann“, sagt der Fraktionsvorsitzende Christian Bischoff. Er sei verwundert, dass das Bildungsdezernat nicht in einem anderen Stadtteil eine Fläche für das Gymnasium findet. „Wir sehen die neue Entwicklung sehr skeptisch.“

          „Ein Kompromiss auf Kosten der Schule“

          Dieses Argument lässt Claudia Ehrhardt, Fraktionsvorsitzende der CDU im Ortsbeirat, nicht gelten: „Wir hätten dort wesentlich mehr bauen können.“ Dass nun weniger Wohnungen entstehen, haben die Grünen selbst verschuldet. Die Aufteilung des Gymnasiums sei „ein Kompromiss auf Kosten der Schule. Diese Planung ist durch die starre Haltung der Grünen geprägt.“ Ehrhardt ist froh, dass die Schule überhaupt noch realisierbar scheint. Jüngere und ältere Schüler könne man zwar trennen. Organisatorisch sei es aber eine Herausforderung, wenn Lehrer, die in unterschiedlichen Klassenstufen unterrichten, hin- und herpendeln müssen.

          Stadtschulsprecher Laurenz Aller findet es falsch, dass die Oberstufe nur vier Züge haben soll, denn die Nachfrage nach Oberstufenplätzen sei in dieser Bildungsregion gestiegen. Rafaela Hartenstein, die dem Stadtelternbeirat vorsitzt, sieht das genauso und ergänzt: „Das pädagogische Konzept wird offenbar den Gegebenheiten des Standorts untergeordnet.“

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