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Sicheres Internet : Habeck und die chinesischen Hacker

2,5 Millionen Videostreams gleichzeitig: Thomas King, Technikvorstand bei De-Cix, zeigt dem Grünenchef Robert Habeck den Frankfurter Internetknoten. Bild: EPA

Robert Habeck will sich am größten Internetknoten der Welt über sichere Netze informieren. Am Ende geht es für den Grünen-Vorsitzenden darum, wie weit man China vertraut.

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          Ein „richtig großer Router“ war Robert Habeck angekündigt worden. Und nach den Reaktionen des Grünen-Politikers zu urteilen, war ihm nicht zu viel versprochen worden. „Wahnsinn“, entfährt es Habeck, als ihm erklärt wird, dass sekündlich so viele Daten über den Frankfurter Internetknoten fließen, wie sie bei gleichzeitig 2,5 Millionen Videostreams anfallen – so viel wie an keinem anderen Datenknoten in de Welt. „Irre“, sagt er, als er zwischen den dunklen Schränken steht, in denen Dutzende Lämpchen geschäftig blinken und aus denen heiße Abwärme bläst.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Habeck ist auf Sommerreise, so nennen Politiker das, wenn sie in der parlamentsfreien Zeit durch die Republik reisen, sich dem Volk zeigen und Themen für den anstehenden Wahlkampf sammeln. Er wolle sich mal informieren, wie krisensicher die Infrastruktur in Deutschland sei, sagt der Grünen-Chef. Tags zuvor hatte er in der Frankfurter Börse vorbeigeschaut, später will er noch nach Ludwigshafen zu Chemie- und Pharmakonzernen. Und im Frankfurter Ostend besucht er De-Cix, das Betreiberunternehmen des Internetknotens, der in Frankfurt auf 35 Rechenzentren verteilt ist.

          Doppelte Datenmenge bis 2025

          „Wir sind ein kritischer Betrieb für die anderen kritischen Betriebe“, erläutert ihm Sabine Tabrizi, die Marketingchefin von Interxion (englisch ausgesprochen „Interaction“) – nachdem sie erklärt hat, dass Interxion das Rechenzentrum an der Hanauer Landstraße betreibt und De-Cix einer der Nutzer der Rechentechnik ist. Krankenhäuser, Banken, Energieversorger und andere wichtige Infrastrukturunternehmen seien auf den Internetknoten essenziell angewiesen, das sei vielen nicht klar. „Die meisten denken bei uns nur an Videostreaming.“

          Wissen war nie wertvoller

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          Wobei die Manager selbst zum Videovergleich greifen, um zu zeigen, welche Datenmengen durch ihre Leitungen fließen. Dass es neun Terabit pro Sekunde sind, konnte zwar auch Habeck zu Anfang referieren. Wie viel das wirklich ist, überrascht ihn dann doch. Zumal Interxion-Managerin Tabrizi prognostiziert, dass sich diese Datenmenge bis 2025 verdoppeln werde.

          „Aber was ist, wenn der Strom ausfällt“, fragt Habeck nach. Naja, gibt Thomas King zu, der Technikvorstand von De-Cix, das könne durchaus mal passieren. 2018 etwa war es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände gekommen, wie King es nennt, damals fiel nicht nur der Strom in einem Rechenzentrum stundenlang aus, sondern auch die Reservegeneratoren. Aber dann habe man die Daten eben über die anderen Rechenzentren umgeleitet. Und dass diese allesamt ausfallen, sei „extrem unwahrscheinlich“.

          „Sind die Amerikaner besser als Chinesen?“

          Der Grünen-Politiker sorgt sich ohnehin mehr um Hackerangriffe. Er traut, das wird bald klar an diesem Tag, den Chinesen nicht. „Was halten sie von 5G?“, fragt er den De-Cix-Vorstand, und meint die Beteiligung des chinesischen Ausrüsters Huawei am Ausbau des neuen Mobilfunkstandards. Doch De-Cix-Manager King zuckt zunächst nur mit den Schultern. Sicher, es gebe auch europäische Anbieter. Aber man müsse sich die komplette Lieferkette der Technik anschauen.

          Er zeigt auf einen der blinkenden Kästen in den Rechenschränken. Sicher, da stehe ein deutscher Hersteller drauf, sagt King. Aber viele Komponenten stammten aus China. Das sei wie jedem IPhone: Konzipiert und designt im Westen, aber letztlich gebaut im kostengünstigeren Asien. Und das sei ja auch gar nicht schlimm, sagt der De-Cix-Manager. Wichtig sei doch, dass sich die beste Technik durchsetze. Überhaupt: „Sind denn die Amerikaner so viel vertrauenswürdiger als die Chinesen?“ Daran könne man seit den Snowden-Enthüllungen zweifeln.

          Er nehme die Erkenntnis mit, dass die 5-G-Debatte nur „die Spitze des Eisberges“ sei, sagt Habeck zum Abschied. „Letztlich müssen wir die Frage beantworten, welche Technik wir in Europa produzieren und wie wir unsere Daten sichern.“ Das sei, gibt er zu, aber noch ein langer Weg.

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