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DFB-Akademie in Frankfurt : Große Sache und kleines Karo

Mit dem Spatenstich begann offiziell die Bauphase der neuen DFB-Akademie in Frankfurt. Der Weg bis hier war nicht leicht. Bild: dpa

Das städtische Grundstück in bester Lage Frankfurts ist eine Verpflichtung für den Deutschen Fußball-Bund. Schließlich war der Weg bis hier lang und schwer.

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          Wer hört, was heutzutage in scheußlichstem PR-Sprech alles zum „Leuchtturmprojekt“ verklärt wird, schaut besser dreimal hin. Abgesehen davon, dass das Wort eigentlich immer in den Ohren schmerzt: Auf die DFB-Akademie, deren Bau nun offiziell begonnen hat, trifft es inhaltlich voll zu. Wenn Ende 2021 die Verwaltung des größten nationalen Sportverbands der Welt samt einem Leistungszentrum der Spitzenklasse auf das Gelände der früheren Rennbahn zieht, bedeutet das für Frankfurt sehr viel. Zum einen ist damit sichergestellt, dass der Deutsche Fußball-Bund auf absehbare Zeit am Main bleibt und nicht nach Berlin zieht. Zum anderen wird die Akademie zum Magneten für alle werden, die sich in Deutschland beruflich mit Fußball befassen – oder einfach Fußballfans sind.

          Der Weg zum Spatenstich war lang und steinig. Die Galoppsportfreunde pochten auf die Tradition, sie wehrten sich zäh und nicht immer fair. Wer sich an die Unwahrheiten erinnert, mit denen sie 2015 versuchten, einen Bürgerentscheid über die Ansiedlung zu ihren Gunsten zu manipulieren, ärgert sich sogleich wieder. Dass danach eine nur noch sehr kleine Gruppe jeden Rechtsweg beschritt, der sich bot, war hingegen legitim. Am Ende bekam die Stadt in allen entscheidenden Punkten recht.

          Allen voran der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank (CDU) und der ehemalige Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) standen wegen des geplanten Baus jahrelang unter gegnerischem Feuer. Sie wankten ebenso wenig wie der später anstelle von Cunitz für das Projekt zuständige Baudezernent Jan Schneider (CDU). Und auch manch einer, der in der Stadtverwaltung jahrelang für das Projekt geschuftet hat, stand auf dem Gelände und stieß mit einem Glas Sekt auf den Baubeginn an.

          Dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der für das Prestigeprojekt überwiegend im Verborgenen gekämpft haben muss, noch kurzfristig versuchte, die Stadt beim Spatenstich ganz allein zu repräsentieren, ist allzu kleines Karo. Das sollte er nicht nötig haben. Das städtische Grundstück in bester Lage ist auch eine Verpflichtung für den DFB. Die Stadt hat alles getan, um dem Verband eine gute Zukunft in Frankfurt zu bieten. Der Fußball-Bund tut deshalb gut daran, das Gelände nicht hermetisch abzuriegeln und Besucher nicht nur als Souvenir-Käufer im angegliederten Fanshop zu begreifen. Regelmäßiges öffentliches Training und eine stärkere Präsenz der DFB-Führung in der Stadtgesellschaft sind ausdrücklich erwünscht. Andernfalls bleibt die neue Akademie am Ende bloß ein hübscher Trainingsstandort mit bestmöglichem Anschluss an den größten deutschen Flughafen. Mit einer echten neuen Heimat hätte das dann nichts zu tun.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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