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Frankfurter Platz der Republik : Großbaustelle zwischen Messe und Bahnhof

Verkehrsknoten: Die Gleise und Weichen auf dem Platz der Republik in Frankfurt werden während der Sommerferien erneuert. Bild: Wolfgang Eilmes

Am Platz der Republik in Frankfurt wird es in den Sommerferien vermutlich eng. Die Verkehrsgesellschaft erneuert das Gleisdreieck der Straßenbahn, und das bedeutet auch für Autofahrer Nachteile.

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          Ein zentraler Verkehrsknoten der Mainmetropole Frankfurt, der Platz der Republik, wird während der Sommerferien weitgehend lahmgelegt. Weil die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Gleise und Gleisbett auf dem Platz zwischen Messe und Hauptbahnhof erneuert, müssen fünf dort normalerweise verkehrende Straßenbahnlinien umgeleitet oder unterbrochen werden. Darüber hinaus muss der Autoverkehr auf den Verkehrsachsen Mainzer Landstraße und Friedrich-Ebert-Anlage während der Bauarbeiten mehrfach umgeleitet werden. Insbesondere die direkte Ost-West-Verbindung über die Mainzer Landstraße, von der Alten Oper in Richtung Galluswarte, werde zwischen Anfang Juli und Mitte August für längere Zeit unterbrochen sein, heißt es; allerdings immer nur in eine Richtung.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rund zwei Millionen Euro kostet die Grundsanierung von sechs Weichen und rund 270 Metern Schiene am Platz der Republik nach Angaben der VGF. Die Bauarbeiten sollen mit Beginn der Sommerferien am Montag, 6. Juli, aufgenommen und pünktlich zum Schulbeginn Mitte August beendet sein. Die VGF gibt als Abschlusstermin den 17. August, „zirka drei Uhr morgens“, an. Während dieser sechs Wochen werden die Straßenbahnlinien 11, 14, 16, 17 und 21 entweder umgeleitet oder verkehren nur noch auf Teilabschnitten der bisherigen Routen. Als Ersatz für die Haltestelle „Platz der Republik“ wird während der Bauzeit etwa 75 Meter entfernt in der Niddastraße ein Haltepunkt angelegt. Autofahrer müssen sich nach Einschätzung des Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) trotz Ferienzeit auf Staus gefasst machen. Die VGF empfiehlt Ortskundigen, den Platz der Republik weiträumig zu umfahren.

          Die Straßenbahntrassen am Gleisdreieck Platz der Republik seien seit Ende der siebziger Jahre bereits mehrfach teilweise saniert worden, sagt Knut Müller, Fachbereichsleiter Fahrweg bei der VGF. Nach gut 40 Jahren sei dort nun allerdings eine Art „Flickenteppich“ entstanden, und eine Grundsanierung sei unumgänglich. Mit Rücksicht auf den Individualverkehr würden die erforderlichen Arbeiten in mehreren Phasen erledigt, so dass der Autoverkehr zu keinem Zeitpunkt vollständig lahmgelegt sein werde, kündigt Müller an. Zudem werde man nicht nur die Gleise und Weichen sanieren, sondern auch den Straßenbelag und die Fußgängerüberwege erneuern. „Am Ende haben wir für alle Verkehrsteilnehmer viel bewirkt.“

          Stetiger Anstieg der Fahrgäste

          Die Runderneuerung der Straßenbahntrassen am Platz der Republik ist ein wesentlicher Bestandteil des Bau- und Sanierungsprogramms der VGF in der zweiten Jahreshälfte. Investiert wird dabei in Erhalt und Erneuerung der Infrastruktur, in Gleise, Weichen und Verkabelung, aber auch in verbesserten Brandschutz und mehr Komfort für die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs. So sollen an der U-Bahn-Station „Höhenstraße“ in Bornheim neue Rolltreppen eingebaut werden. Allein in den Gleisbau in Frankfurt wird die Verkehrsgesellschaft nach eigenen Angaben in diesem Jahr noch rund 15 Millionen Euro investieren. Mitte Oktober werde zudem mit umfangreichen Bauarbeiten am Straßenbahn-Betriebshof Gutleut begonnen. Auch hierbei handele es sich, wie am Platz der Republik, um eine Großbaustelle; allerdings eine, die keine Auswirkungen auf die Fahrgäste haben werde.

          Dem Straßenbahnnetz kommt mittlerweile für den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt eine große Bedeutung zu. Nicht ohne Grund spricht man von einer Renaissance der Straßenbahnen. Das machen die Fahrgastzahlen der vergangenen zehn Jahre deutlich. Frankfurts Verkehrsdezernent Oesterling spricht von einem „gigantischen Zuwachs“ von 37 Prozent. Allein in der Zeit von Herbst 2018 bis Herbst 2019 stieg die Zahl der Fahrgäste in den Straßenbahnen um 15 Prozent. Im Vergleich dazu legten die Fahrgastzahlen bei der U-Bahn nur um fünf Prozent zu, bei den Bussen sogar nur um zwei Prozent. Das ergab die Auswertung der sogenannten kontinuierlichen Haltestellenzählungen der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die für U-Bahnen, Straßenbahnen und den Busverkehr in Frankfurt zuständig ist. Insgesamt hat die Zahl der Fahrgäste in den städtischen Bussen und Bahnen seit 2010 um 35 Prozent zugelegt.

          Mit Blick auf diese Zahlen kündigte Verkehrsdezernent Oesterling an, dass die Stadt Frankfurt an ihren Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr trotz der Corona-Krise und der Tatsache, dass Busse und Bahnen gerade abends „noch sehr leer durch die Gegend fahren“, festhalten werde. So seien etwa 45 neue Straßenbahnwagen bestellt worden, die infolge der Pandemie statt im November erst im Mai 2021 ausgeliefert würden. Dessen ungeachtet will der Stadtrat in Kürze ein neues Straßenbahnkonzept für Frankfurt vorlegen. Danach sollen bald drei zusätzliche Straßenbahnlinien im bestehenden Netz fahren.

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