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Grillplätze in Frankfurt : Sämtliche Wiesen überlaufen

Kein Grundrecht auf Grillen: Ein Mann wendet einen Gemüsespieß. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Lust am gemeinschaftlichen Grillen in Frankfurt wächst. Im Stadtgebiet gibt es dafür elf öffentliche Plätze. Die Grünanlagen seien jedoch „überlastet und vermüllt.“

          In Frankfurt wird es allmählich eng beim Grillen. Das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass der Heinrich-Kraft-Park in Fechenheim Ende 2016 auf Drängen des Ortsbeirats fürs Grillen gesperrt wurde und sich nun in der dramatisch schnell wachsenden Großstadt Frankfurt alle Freunde des Barbecues auf weniger, nämlich auf elf im Stadtgebiet fürs Grillen ausgewiesene Flächen beschränken müssen. „Die Menschen drängt es immer mehr nach draußen“, sagt Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen), „und sie wollen dort alles tun, auch das, was früher im Kleingarten, auf dem Balkon oder im Garten am Haus stattgefunden hat.“

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum Beispiel grillen. Hinzu kommt die große Zahl von Bürgern mit ausländischen Wurzeln, die das Picknicken und das Braten von Fleisch über dem offenen Feuer aus ihren Kulturen her kennen und es als perfekte Gelegenheit sehen, sich im größeren Freundeskreis oder Familienverband zu treffen. „Das ist ein bundesweiter Trend“, sagt Heilig. Die Großstädte klagten alle über völlig überlastete, vermüllte, „übergrillte“ Grünanlagen. Was eigentlich eine schöne, positive Entwicklung sei, dieses Draußen-sein-Wollen, die Tatsache, dass die Menschen die Parks „zu ihrem öffentlichen Wohnzimmer erklären und auch so nutzen“, führe mittlerweile jedes Wochenende zu Problemen.

          Kronkorken, Glassplitter und Wildpinkler

          „Es gibt kein Grundrecht aufs Grillen“, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Frankfurter Grünflächenamts. Und er weiß, wovon er spricht. Er bekommt jeden Montag die Berichte auf den Schreibtisch, wo es am Wochenende wieder Ärger gegeben hat. Da gibt es Beinahe-Raufereien unter den Grillern, Streit darüber, wo man seine Vorrichtungen aufstellen darf. Den eigens eingesetzten Parkwächtern gelingt es mit ihren Appellen zunehmend seltener, das Grillen auf die dafür vorgesehenen Zonen zu begrenzen.

          Selbst das Ordnungsamt, das mit Bußgeldern drohen kann, dringt nicht durch. „Da gibt es handfeste Auseinandersetzungen“, heißt es im Grünflächenamt. Heldmann erfährt auch, wie es in den Grill-Parks am Morgen danach aussieht. Dass die noch heiße Holzkohle in die Beete geschüttet wird, sich Kronkorken und Glassplitter von achtlos weggeworfenen Flaschen tief in den Rasen bohren und überall Brandflecken zu sehen sind. Von den Hinterlassenschaften der vielen Wildpinkler ganz zu schweigen.

          Reglementiertes Grillen seit 2003

          Auf dem Waldspielplatz Scheerwald etwa, nicht weit vom Goetheturm entfernt, „wird bis in die Sandkiste hinein gegrillt“, sagt Heilig. Die Bevölkerung halte sich einfach nicht an die Vorgaben, die man 2003 mit dem Beschluss der ersten Grünflächensatzung getroffen habe. Damals hatte die Stadt erstmals explizit Grillflächen ausgewiesen und es im Umkehrschluss überall sonst verboten, offenes Feuer zu entzünden. Bis dahin, erinnert sich Heldmann, sei beispielsweise im sehr stark frequentierten Günthersburgpark sehr viel gegrillt worden, auch unter den alten Bäumen der denkmalgeschützten Grünanlage. Und selbst am Mainufer zogen seinerzeit Rauchschwaden über den Rasen. Damit war es 2003 vorbei.

          Die „Hotspots“ fürs Grillen in Frankfurt sind heute der Lohrpark, der Rebstockpark und der Ostpark sowie die beiden Waldspielparks in Schwanheim und der Scheerwald in Sachsenhausen. Wobei der Ostpark derzeit saniert wird und deshalb dort bis zum ersten Juliwochenende auch noch diese Grillfläche wegfiel, was die Situation an anderen Stellen wie auf dem Lohrberg verschärft haben dürfte. Seit dem 29. Juni gibt es allerdings im Ostpark nun eine Ersatz-Grillfläche, direkt neben einem Bauzaun.

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