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Ende eines Grandhotels : Haus mit inneren Werten

Der Mann, dem die Durstigen vertrauten: Andrès Amador kam 1976 in das Hotel und dort in „Jimmy’s Bar“, er wurde eine Legende hinter dem Tresen und blieb bis zu seiner Pensionierung 2016. Bild: Marcus Kaufhold

Nach fast 70 Jahren wird der Hessische Hof in Frankfurt demnächst geschlossen. Das ist auch für „Jimmy’s Bar“ das Ende. Es bleiben nun nur noch legendäre Anekdoten.

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          Seine Schönheit zeigt sich außen noch nicht. Und auch wenn man hineingeht, braucht man eine Weile, um sie wahrzunehmen, denn ein Design, das einem ins Auge spränge, gibt es in diesem Haus nicht, dafür eine Mischung aus Profanem und Edlem: Hier ein Tisch, der ein bisschen wackelt unter der blütenweißen Tischdecke, dort ein wertvolles Bild, da eine kostbare Vase, im Restaurant „Sèvres“ die wandlange, verglaste Vitrine mit Porzellan aus der französischen Manufaktur, die dem Raum den Namen gab. Jedes Hotel ist eine Inszenierung, hier ist es die Darstellung von Historie in einem neuzeitlichen Zweckbau. Grandhotel nennt sich der Hessische Hof. Und das Unspezifische, das diesem Begriff innewohnt, der räumliche Größe genauso meint wie eine gewisse Noblesse, passt zu diesem Betrieb wie zu keinem anderen ringsum.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ein Turmhaus von 33 Meter Höhe, unterteilt in acht Stockwerke. Seit gestern gehört es zu dem Inventar, das der Stadt Frankfurt das Gesicht gibt.“ So stand es am 10. April 1952 in der F.A.Z., und auch, dass die Eröffnung des Hotels in diesem Turmhaus „eine Entlastung im Hotelgewerbe“ bedeute. Errichten lassen hatte das Gebäude die Landgräflich-Hessische Familie mit Stammsitz in Kronberg, Landgraf Philipp begrüßte bei der Hoteleröffnung die Gäste. „In dem freundlich hellen Speisesaal, dessen Vorzug unter anderem auch in dem ungewöhnlich kurzen Weg zur Küchenanrichte liegt, sah man Bürgermeister Dr. Leiske, den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (...), den englischen und den amerikanischen Generalkonsul, Dr. Lingnau von der Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr, Intendant Beckmann vom Hessischen Rundfunk“, notierte der F.A.Z.-Chronist.

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