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Goetheplatz : Die Luxuslage Goethestraße wird verlängert

Luxus auch bald um die Ecke: die Goethestraße wird in Richtung Goetheplatz erweitert. Bild: Wolfgang Eilmes

Über die Gestaltung eines Gebäuderiegels am Goetheplatz ist eine Vorentscheidung gefallen. In dem Neubau sollen Luxusgüter verkauft werden. Die Architekten Zaha Hadid, Jürgen Engel und Christoph Mäckler sind noch im Rennen.

          Die vermögende Laufkundschaft aus der Goethestraße um die Ecke locken – darauf zielt eine Investorengemeinschaft ab, die den Gebäuderiegel am Goetheplatz zwischen Junghof- und Goethestraße neu gestalten will. Drei Privateigentümer, die sich zu der Investorengesellschaft Watermark zusammengeschlossen haben und 40 Millionen Euro investieren wollen, setzen vor allem auf den sehr gehobenen Einzelhandel als Mieter der zwei unteren Geschosse mit rund 4500 Quadratmetern Verkaufsfläche. In den oberen Etagen sollen Büros einziehen. Die vier Bestandsgebäude der Nachkriegsmoderne mit den Hausnummern 5 bis 11 sollen abgerissen werden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In einem Gutachterverfahren, an dem, wie berichtet, vier deutsche und vier ausländische Architekturbüros teilgenommen haben, ist eine Vorentscheidung gefallen. Drei der acht geladenen Büros sind noch im Rennen: Zaha Hadid mit einem dezidiert modernen, aber im Vergleich zu anderen Entwürfen der Stararchitektin noch zurückhaltenden Solitär mit abgerundeter Ecke und einer Fassade aus Glasbändern. Diese werden von auskragenden Geschossdecken gegliedert, die an der Goethestraße wie Flügelspitzen zusammenlaufen. Der Entwurf von KSP Engel und Zimmermann sieht eine in vier Gebäudeabschnitte gegliederte Fassade aus Naturstein mit hohen, schmalen Fenstern vor. Eine viergeschossige Glasbox an der Ecke zur Goethestraße setzt einen Akzent. Christoph Mäckler hebt mit seinem Entwurf auf eine Anmutung von fünf Einzelgebäuden ab, deren Fassaden jeweils in Naturstein gehalten sind. An die Ecke setzt Mäckler eine dreigeschossige Turmhaube aus Glas, die an das historische Huthaus angelehnt ist, das früher an dieser Stelle stand.

          „Qualität der Goethestraße um die Ecke ziehen“

          Bevor eine Entscheidung unter den drei Finalisten gefällt wird, hat der Projektentwickler Lang & Cie., der im Auftrag der Investorengemeinschaft das Verfahren betreut, bei den potentiellen Kunden vorgefühlt. „Für uns ist entscheidend, dass es gelingt, die Qualität der Goethestraße um die Ecke zu ziehen“, sagt der Hauptgesellschafter Heinz-Günther Lang. Die Einzelhändler tendierten mehrheitlich wegen der Gestaltung der Verkaufsflächen zu Hadids Entwurf. Insbesondere in der abgerundeten Ecke des Gebäudes und der Verglasung der als besonders lukrativ geltenden Lage an der unteren Goethestraße sähen sie Vorzüge.

          Die Gebäude unterscheiden sich nicht nur in der Gestaltung der Fassade, sondern auch in dem Konzept des Erdgeschosses. In allen drei Fällen werden einzelne Flächen nur über einen Innenhof oder eine Durchwegung erschlossen. Die beiden Eingänge zu einer Passage durch Hadids Gebäude befinden sich am Goetheplatz. Auch der Entwurf von KSP sieht eine Passage vor. Einzelhändler kritisierten jedoch, dass der Eingang sich in diesem Fall an der Goethestraße befindet und die wertvollste Ladenfläche an dieser Stelle verschenkt würde. Als Schwachpunkt von Mäcklers Konzept gilt, dass einzelne Läden nur durch ein Atrium zu erreichen sind.

          Vorbehalte gegen Großform im Dezernat

          Der Bebauungsplan erlaubt eine Gebäudehöhe von sechs Geschossen. Städtebaulich gilt der Goetheplatz als heikle Lage. Der großstädtisch angelegte Platz wird bisher in weiten Teilen von einer zurückhaltenden, geschlossenen Randbebauung dominiert, die vornehmlich in einem hellen, sandfarbenen Stein gehalten ist. Einzig das von dem französischen Stararchitekten Jean Nouvel gemeinsam mit dem Frankfurter Büro Hommel & Rodrian an der östlichen Seite des Goetheplatzes, also gegenüber des Neubauprojekts, errichtete Büro- und Geschäftshaus hebt sich durch Glasfassade und Flugdach ab. Da die Stadt am Goethe- und Rathenauplatz Wert auf ein einheitliches Ensemble legt, stehen die Chancen, dass Hadids Entwurf realisiert wird, schlecht.

          Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) ist zwar prinzipiell kein Feind der Pläne der britischen Stararchitektin. „Der Stadtrat hat aber stadtplanerisch starke Vorbehalte gegen die Großform an dieser Stelle“, sagt Büroleiter Burkhard Palmowsky. Die Fraktionen der Koalitionspartner sind ebenfalls über das Gutachterverfahren informiert, in den Reihen der Grünen soll es Interesse an Hadids Entwurf geben, und auch in der CDU gibt es Befürworter. Einen Konflikt mit der Stadt will der Investor vermeiden. „Wir werden mit der Stadtplanung einen freundlichen Kompromiss suchen“, sagt Lang.

          Dolce & Gabbana zeigt Interesse

          Auffällig an den Beiträgen der in dem Gutachterverfahren unterlegenen Architekten ist, dass auch sie eher zu einer zurückhaltenden Formensprache bis hin zu einer nichtssagenden Warenhausarchitektur tendierten. Der Entwurf des Architekturbüros SPPARC aus London tanzte allerdings deutlich aus der Reihe. Angeblich von Goethes Farbenlehre inspiriert schuf es ein futuristisches Gebäude, das den Platz in Prismenfarben tauchte. Eine Idee, von der der Architekt selbst sagte, es handle sich um einen Entwurf „für die nächste Generation“.

          Möglicherweise erledigt sich die Entscheidung zwischen einer eher traditionellen und einer modernen Architektursprache von selbst. Falls ein langfristig abgeschlossener Mietvertrag in dem am südlichen Ende der Reihe gelegenen Gebäude mit der Hausnummer 5 einem Abriss im Wege steht, könnte sich wird der Kreis der Kandidaten reduzieren. Denn dies würde bedeuten, dass Hadids Gebäude aufgrund des Platzmangels nicht zustande käme.

          Unabhängig von der Entscheidung für die Architektur zeigen die Bemühungen des Investors auf der Suche nach Mietern schon erste Erfolge. Das Luxuslabel Dolce & Gabbana, das bisher nicht mit einer Filiale in Frankfurt vertreten ist, hat grundsätzliches Interesse an einem FlagshipStore in dem Gebäude bekundet. „Das Feedback zeigt uns, dass es für das Luxussegment in Frankfurt bisher zu wenig Raum gibt“, sagt Lang. Er will nun die Planung optimieren. Das Baurecht vorausgesetzt, könnte frühestens im nächsten Sommer mit dem Abriss der Bestandsbauten begonnen werden.

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