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Gesundheit : Ärzte protestieren wieder - Streiks in Kliniken

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Hessens Ärzte gehen auf die Straße Bild: dpa/dpaweb

Hessens Ärzte machen abermals auf eine ihrer Ansicht nach unakzeptable Honorarpolitik aufmerksam. Unter dem Motto „In Hessens Praxen wird es dunkel“ wollen niedergelassene Mediziner am 8. Dezember ihre Patienten von 16 Uhr an bei abgedunkelter Beleuchtung empfangen.

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          Hessens Ärzte machen im Dezember abermals mit Protestaktionen auf eine ihrer Ansicht nach unakzeptable Honorarpolitik aufmerksam. Unter dem Motto „In Hessens Praxen wird es dunkel“ wollen niedergelassene Ärzte am 8. Dezember ihre Patienten von 16 Uhr an bei abgedunkelter Beleuchtung empfangen und sie darüber informieren, daß das Arzneimittelbudget für 2005 seit Anfang November ausgeschöpft sei. Für den 13. Dezember sind in den städtischen Kliniken Frankfurt-Höchst, Hanau und Kassel, den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden und eventuell am Stadtkrankenhaus Offenbach Streiks geplant. Die Notfallversorgung bleibt sichergestellt.

          Mit ihren Aktionen wollen die Krankenhausärzte gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen und zu niedrige Honorare protestieren. Möglicherweise beteiligten sich am 18. Dezember noch weitere hessische Kliniken in kommunaler Trägerschaft an dem bundesweiten Protest, teilte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund mit, die zu den Aktionen aufruft.

          Wie die stellvertretende Vorsitzende des Marburger Bunds Hessen, Ursula Stüwe, auf Anfrage mitteilte, protestieren die Ärzte auch gegen eine weitere Überlastung mit Bürokratie und fordern eine Realisierung des Arbeitszeitgesetzes - das heißt, daß Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit anerkannt werden. Anlaß der neuen Streiks sei, daß der kommunale Arbeitgeberverband nicht über einen eigenen Tarifvertrag für Mediziner verhandeln wolle. Zur Kritik von Krankenkassen, höhere Gehälter von Ärzten gingen zu Lasten des Pflegepersonals, äußerte Stüwe, man wolle den Pflegekräften keinesfalls schaden. Es fehle an Geld im Gesundheitssystem. „Und eigentlich müßten die Pflegekräfte auch auf die Straße gehen“, so Stüwe.

          Schummerlicht in Arztpraxen

          In wie vielen Praxen es am 8. Dezember schummerig sein wird, konnte Matthias Roth, Pressesprecher der Kassenärztliche Vereinigung Hessen, die die Aktion unterstützt, noch nicht einschätzen. Per E-Mail oder Fax seien alle niedergelassenen Ärzte über den Aktionstag informiert worden. Roth sagte, die Ärzte seien jetzt in einem Gewissenskonflikt. Einerseits sei das Geld für Medikamente aufgebraucht, und durch weitere Verordnungen setzten sich die Mediziner dem Risiko von Regreßforderungen aus. Andererseits hätten sie eine Verpflichtung den Patienten gegenüber.

          Die meisten Ärzte nähmen wohl in Kauf, „zuviel“ verschriebene Arzneimittel möglicherweise aus der eigenen Tasche zu bezahlen, glaubt Roth. Doch führten Regreßforderungen der Krankenkassen teilweise zu katastrophalen wirtschaftlichen Folgen bis hin zu Existenzvernichtungen. Es drohten Praxisschließungen und damit weitere Verschlechterungen der medizinischen Versorgung. Die Kassenärztliche Vereinigung beobachte darüber hinaus, daß immer mehr Leistungen vom Krankenhaus in die Praxen verlagert würden. Bei gleichbleibendem Honorar für die niedergelassenen Ärzte nehme der Anteil nicht kostendeckend oder überhaupt nicht vergüteter Leistungen somit weiter zu.

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