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Gespräch mit Lindner : „Mir sind gefühlige Politiker suspekt“

Keine One-Man-Show: Christian Lindner (Mitte) mit den Moderatoren Matthias Alexander (links) und Werner D’Inka Bild: Wolfgang Eilmes

Im „Main Palais“ tritt FDP-Chef Christian Lindner herausfordernd auf. Er spricht über die Europawahl, die Grünen – und ein Schreckensszenario.

          Innerhalb von zwei Sekunden verändert sich ganz plötzlich die Stimmung im Raum. Den Zuschauern, die sich eine Stunde lang ziemlich gut unterhalten gefühlt, die Christian Lindner Applaus geschenkt und über seine Pointen gelacht haben, entfährt in diesem Moment ein Raunen. Nicht weil der FDP-Bundesvorsitzende etwas gesagt hätte, dem sie ihre Zustimmung verweigerten. Es wirkt eher so, als hätte er bei ihnen einen wunden Punkt getroffen. „Auch in Deutschland sind Gelbwesten erhältlich.“ Ein Satz und ein Szenario, das die Zuhörer auf mit schwarzen Satinhussen bezogenen Stühlen ehrlich zu erschrecken scheint: ein aufgebrachter Mob, der mit viel Wut auf die Eliten des Landes durch die Straßen zieht.

          Sein Publikum, das sind an diesem Freitagmittag gut 100 Vertreter der hiesigen Finanz- und Immobilienwelt und anderer Institutionen. Sie sind der Einladung der German Estate Group (GEG) ins „Main Palais“ am Untermainkai gefolgt, wo sich Lindner den Fragen von F.A.Z.-Herausgebers Werner D’Inka und Ressortleiters Matthias Alexander stellt. Der Auftritt in Frankfurt ist beinahe ein Heimspiel: Bei den vergangenen Landtagswahlen hatte die FDP in mehreren Wahlkreisen des Rhein-Main-Gebietes immerhin zweistellige Wahlergebnisse geholt und damit deutlich mehr als die 7,5 Prozent, auf die es die Partei im hessischen Durchschnitt brachte. Für die anstehenden Europawahlen im Mai setzt der 40 Jahre alte Lindner eine ähnliche Marke, zehn Prozent seien das Ziel. Daran wird sich also Spitzenkandidatin Nicola Beer, eine Frankfurterin, messen lassen müssen.

          Populisten von links und rechts

          Dabei fürchten Beobachter bei diesen Europawahlen einen populistischen Rutsch. Und auf den bezieht sich Lindner mit seiner Gelbwesten-Warnung. Wer morgens seine Kinder „über Schlaglöcher und durch Funklöcher“ in eine Schule fahre, in der die Toiletten nicht funktionierten und die Noten abgeschafft worden seien, wer seit Jahren etwas leiste und arbeite, aber kein Eigenheim finanzieren könne und dann in der Nachrichtensendung höre, dass Robert Habeck kein Twitter mehr nutze, dem komme es zu Recht so vor, als nehme ihn die Politik nicht ernst.

          Populisten von links und rechts versprächen darauf einfache Lösungen, „dummes Zeug“, wie Lindner es formuliert. Mit der Frage, ob denn nicht gerade auch die wirtschaftlichen Eliten des Landes, von den Chefetagen der Deutschen Bank bis zu Volkswagen, eine Mitschuld an dem erstarkenden Populismus tragen, kann der Parteichef, der seit 19 Jahren Berufspolitiker ist, hingegen wenig anfangen. Solche Missstände habe es immer gegeben.

          Auf den angespannten Wohnungsmarkt in Großstädten wie Frankfurt angesprochen, spricht sich Lindner gegen ein „Phantom der Staatsgläubigkeit“ aus. Der Markt könne das selbst regulieren – wenn man ihn denn ließe. „Aber heute wird schneller gebaut als genehmigt“, sagt Lindner, und seine Zuschauer geben ihm applaudierend recht.

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