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Geschenk : Der alte Niederländer und die junggebliebene Mäzenin

Dagmar Westberg: Triptychon als Schenkunng Bild: dpa

Mit altniederländischer Malerei des 15. Jahrhunderts ist das Frankfurter Städel-Museum schon erstklassig bestückt. Nun schenkte ihm Dagmar Westberg ein Hauptwerk der flämischen Kunst aus dem frühen 16. Jahrhundert. Es ist eine Zeit, aus der dem Museum bisher herausragende Arbeiten fehlten.

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          Eine Schenkung. Aber nicht irgendeine. Sondern eine, die den Bestand des Städel entscheidend aufwertet. Mit altniederländischer Malerei des 15. Jahrhunderts ist das Frankfurter Haus schon erstklassig bestückt, wie auch die gegenwärtig dort gezeigte Ausstellung „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ vor Augen führt. Nun ist ein Hauptwerk der flämischen Kunst aus dem frühen 16. Jahrhundert hinzugekommen, einer Zeit, aus der dem Museum bisher herausragende Arbeiten fehlten.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Dank der Mäzenin Dagmar Westberg wird die Altniederländersammlung nun durch ein Werk ergänzt, dessen Maler den Notnamen „Meister der von Grooteschen Anbetung“ trägt – nach ebenjenem Bild, das die langjährige Förderin des Städel nun für dieses Museum erworben hat. Die Rede ist von einer siebenstelligen Summe, die Westberg aufgewendet habe. Jahrzehntelang hing das Gemälde über dem Sofa der Nachfahren der Freiherrn von Groote, einer niederrheinischen Adelsfamilie.

          Freigiebige Spenderin

          Der Kunsthistoriker Max Friedländer hat das Werk in den frühen zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts beschrieben. Später geriet in Vergessenheit, wo es aufbewahrt wurde, und als Städel-Kustos Jochen Sander vor ein paar Jahren das Bild als Vergleich heranzog für ein anderes Gemälde des „Meisters der von Grooteschen Anbetung“, das, von geringerer Qualität, im Depot schlummerte, gab er im Katalog „Verbleib unbekannt“ an. Daraufhin bekam er Besuch von einem jungen Mann, der ihn fast ein wenig beleidigt darauf hinwies, dass das Triptychon mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige auf der Mitteltafel bei ihm zu Hause eine Wand schmücke.

          Das Bild war nie aus dem Grooteschen Familienbesitz herausgelöst worden, seine Provenienz lässt sich daher mit absoluter Sicherheit bis zum Jahr 1904 nachweisen. Das ist von Bedeutung in einer Situation, in der die Eigentumsverhältnisse bei vielen exzellenten Kunstobjekten fraglich sind, weil sie in der nationalsozialistischen Zeit oft unter Zwang den Besitzer gewechselt haben. Das Anbetungsbild jedoch geht ohne Zweifel an der Rechtmäßigkeit in die Sammlung des Städel-Museums über und wird, solange dieses Haus existiert, von der freigiebigen Spenderin zeugen, die dem Publikum diesen Kunstgenuss ermöglicht.

          Kunstsinnige Menschen

          Dagmar Westberg, die aus einer baltisch-hamburgischen Unternehmerfamilie stammt, seit 1945 in Frankfurt lebt und sich dieser Stadt besonders verbunden fühlt, feierte ihren vierundneunzigsten Geburtstag in den Räumen des Städel. Während andere etwas geschenkt bekommen, hat sie selbst dem Haus und der kunstinteressierten Öffentlichkeit eine Freude bereitet: Das auch früher schon von der Dagmar-Westberg-Stiftung immer wieder mit wertvollen Gaben bedachte Museum dankt es ihr, indem es einen Sammlungs-Saal nach ihr benennt. „Freunde haben mir geraten, das Gemälde jetzt dem Städel zu übergeben, damit ich selbst noch etwas davon habe“, sagte die zierliche Dame, die jahrzehntelang in diplomatischen Vertretungen der Amerikaner tätig war.

          In ihrer Familie gab es viele kunstsinnige Menschen, darunter den Onkel Oskar Troplowitz, der die Firma Beiersdorf zum Erfolg geführt hatte und der Hamburger Kunsthalle 26 Bilder französischer und deutscher Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts vermachte, darunter Hauptwerke von Picasso, Renoir und Liebermann. Auch Dagmar Westberg hat überlegt, ob sie der Hamburger Kunsthalle das Geschenk machen sollte. Sie entschied sich dann doch für das Frankfurter Städel.

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