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Laden für islamische Mode : Ärmel lang, Beine bedeckt, Stoffe blickdicht

„Modest Fashion“: Blick in den Hijabi-Store in Frankfurt Bild: Helmut Fricke

Die Ärmel müssen lang, die Beine bedeckt, die Stoffe blickdicht sein. Aber: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, moderne und bequeme Kleider zu verkaufen, keine Säcke.“ Das sagt die Chefin eines Frankfurter Geschäfts für islamische Mode.

          Dreimal vor dem Schaufenster stehen geblieben, dreimal das bodenlange Kleid mit dem ungewöhnlichen Schnitt, dem dezenten Muster, dem leichten Stoff bewundert, dreimal nicht den Schritt über die Türschwelle gewagt. Der Name des Geschäfts ist es, der vom bedenkenlosen Eintreten abgehalten hat. Hijabi. Abgeleitet vom arabischen Wort „Hidschab“. Der Begriff umfasst die Verschleierung, primär die Kopfbedeckung, für muslimische Frauen. Und nein, eine Kopfbedeckung fehlte im Kleiderschrank nun wirklich nicht.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber ein außergewöhnliches Kleid. Und das hängt im Schaufenster des kleinen Ladens in der Lange Straße. Also alle Zweifel beiseitegeschoben und eingetreten – in eine Welt, in der es um blickdichte Kleidung, lange Ärmel, moderne Muster, edle Stoffe und das Spiel mit Grenze geht. In der muslimische Frauen „bedeckte, aber moderne Kleidung“ finden können, wie Geschäftsführerin Latifa Dadi sagt. Und auch Frauen, die nicht muslimischen Glaubens sind, können hier das ein oder andere neue Lieblingsstück entdecken.

          Lange Ärmel, blickdichte Stoffe

          Die Mode, die hier verkauft wird, muss einigen Kriterien entsprechen. Die Ärmel müssen lang, die Beine bedeckt, die Stoffe blickdicht sein. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, moderne und bequeme Kleider zu verkaufen, keine Säcke“, sagt Dadi, die das Label 2013 mit einem Geschäftspartner gegründet hat. Aus der Not heraus, weil sie Schwierigkeiten hatte, selbst etwas zu finden, das aktuelle Trends widerspiegelte und gleichzeitig der islamische Kleiderordnung entsprach. „Wir sind zwar muslimisch, aber wir sind auch westlich geprägt. Da muss man einen Kompromiss finden“, sagt sie.

          Frauen mit und ohne Kopftuch kommen herein, viele scheinen sich bereits auszukennen. Linker Hand hängen Hosenanzüge, Jumpsuits und Maxikleider. Sie scheinen mehr zu sein als ein bisschen Stoff. Sie sind Verbindungsstücke zwischen der muslimischen und der westlichen Welt, zwischen denen sich die Frauen häufig bewegen. Rechts hängen die traditionelleren Schnitte. Denn längst nicht alles hier ist hip, aufregend und neu. Manches bedient Tradition und Religion.

          Geschäftsführerin Latifa Dadi sagt, sie verkaufe hauptsächlich „Modest Fashion“, wörtlich übersetzt „zurückhaltende Mode“. Sie entwirft viele der Kleider selbst. Das Geschäft in Frankfurt dient als lokales Standbein, Geld verdient wird über den Online-Shop. „Wir wollen den Frankfurter Kundinnen die Möglichkeit bieten, die Kleidungsstücke anzuprobieren.“

          Hijabi, Lange Straße 15, Frankfurt; montags bis freitags 11 bis 19 Uhr, samstags 11 bis 20 Uhr.

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